Ressort Literatur

Liberty 9 – Sicherheitszone von Rainer M. Schröder

Erstellt am 11. September 2012 von Lettersalad

Liberty 9 – Sicherheitszone von Rainer M. Schröder

In Liberty 9 herrschen eigene Gesetze. Das Camp in der Sierra Nevada, das rundum bewacht wird wie ein Hochsicherheitstrakt dient als Ausbildungsstätte für Jugendliche, die der erhabenen Macht hörig und dazu berufen sind, eines Tages in den Lichttempel zu kommen.
Was genau ihre Aufgabe in diesem Lichttempel sein wird, weiß niemand und doch fiebert jeder einzelne der knapp zweihundert Jugendlichen seinem Abtransport entgegen. Während der Ausbildung erreichen die Jugendlichen verschiedenen Level und sobald jemand das Alpha Level erreicht hat, steht dem Weg in den Lichttempel nichts mehr im Wege.

Kendira und ihre Clique haben das Alpha Level nach jahrelangem, hartem Training erreicht und warten täglich auf die Ankunft des Schiffes. Das Leben in Liberty 9 ist hart und von strengen Regeln geprägt. Ein Verstoß gegen eine dieser Regeln trägt schlimme Konsequenzen mit sich, die an Brutalität bald nicht mehr zu übertreffen sind.
Eine der Regeln besagt, dass sich die Elektoren, zu denen Kendira und ihre Clique gehören nicht mit dem einfachen Personal, den Servanten auch nur unterhalten dürfen. Doch durch einen Zufall lernt Kendira den Servanten Dante kennen, der sie zum Nachdenken bringt. Zum ersten Mal in ihrem Leben.

Das Buch ist ungewöhnlich und das in vielerlei Hinsicht. Das größte Problem hat mir der Schreibstil bereitet. Das dieser sehr jugendlich und umgangssprachlich gehalten ist, passt natürlich zum Buch und den Figuren darin. Allerdings wirken die Dialoge allesamt extrem künstlich und einfach nicht authentisch.
Obwohl der Autor aus der allwissenden Perspektive schreibt, erklärt er die Hintergründe in Liberty 9 fast ausschließlich durch die Dialoge seiner Figuren. Wenn die Personen sich so gegenseitig Dinge erzählen, die sie schon seit Jahren jeden einzelnen Tag erleben, eben nur um sie so dem Leser näherzubringen, wirkt das Gespräch einfach nur gestellt und unecht.

Leider hat dieser Eindruck dann sehr schnell auf die Figuren selbst übergegriffen, die sehr sprunghaft erscheinen. Es ist mir oft passiert, dass ich ihre Gedankengänge, allen voran die von Protagonistin Kendira einfach nicht nachvollziehen konnte. Auf der einen Seite so, auf der nächsten Seite wieder andersherum. Viele Entschlüsse werden häufig so schnell gefasst, dass man als Leser gar nicht mehr hinterher kommt und diese dann letzenden Endes noch viel weniger nachvollziehen kann.

Die Beziehungen zwischen den Figuren entwickelten sich zudem für meinen Geschmack viel zu schnell. Viel zu schnell wird Vertrauen gefasst, das in keiner Relation zu dem Risiko steht, welches die Personen damit eingehen. Und dieses Risiko ist lebensgefährlich. Wobei der Tod da noch der annehmbarste Ausgang ist, der den Figuren in Aussicht gestellt wird.

Das Buch ist an mehreren Stellen sehr brutal, insbesondere was physische Gewalt betrifft. Ich würde es daher niemanden unter sechzehn Jahren empfehlen!

Was mir an dem Buch gefallen hat, war die Idee an sich. Der Autor hat sich da ein höchst interessantes Szenario ausgedacht, welches mit vielen Details gespickt ist. Das ganze Konzept dieser dystopischen Welt im Jahre Phoenix 59 wirkt sehr gut durchdacht, auch wenn man eine Zeit lang braucht, um die vielen (meist englischen) Begriffe richtig zu ordnen.

Schlussendlich kann ich zusammenfassen, dass die Idee sehr umfangreich und interessant ist, es aber an der Umsetzung etwas gehapert hat. Man merkt deutlich, dass es dem Autor viel Spaß macht Actionszenen, technische Hintergründe und Umgebungen sowie Gebäude zu beschreiben, er dabei der Ausarbeitung seiner Figuren und vor allem dem Schaffen authentischer Dialoge allerdings ein bisschen zu wenig Beachtung geschenkt hat.
Er hätte Hintergrundwissen einfach selber im Verlauf des Buches erläutern und dies nicht seinen Figuren überlassen sollen. Man hat als Leser so keine Chancen den Figuren näher zu kommen, noch haben diese Zeit dafür sich gegenseitig besser kennenzulernen, da sie zu sehr damit beschäftigt sind, sich gegenseitig ihre eigene Welt zu erklären.

Auch wenn ich nirgends eine genaue Information finden konnte, so denke ich, ist dieses Buch der Auftakt einer Reihe. Denn auch wenn dieses Buch in sich geschlossen ist, so ist noch mehr als genug Potential für weitere Bücher vorhanden.

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★★★☆☆

Die Jungen und Mädchen lebten doch in einem seligen Zustand der Ahnungslosigkeit und opferbereiten Gläubigkeit.


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