Ressort Gesellschaft

Häufige Einwände gegen die Evolution und ihre Widerlegungen

Erstellt am 9. Oktober 2012 von Nicsbloghaus

evolution 400x184 Häufige Einwände gegen die Evolution und ihre WiderlegungenDiese Auflistung von Argumenten, mit denen man denen begeg­nen kann, die noch immer die Meinung ver­tre­ten, dass die Evolution ein Hirngespinst wäre, habe ich im November 2009 im “alten” EHBB-Blog ver­öf­fent­licht. Da die­ser Blog still­ge­legt wurde (bzw. nach gbs-berlin.org umge­zo­gen ist), und es mir leid tun würde, wenn die­ser Artikel ver­lo­ren ginge… hier noch ein­mal in vol­ler Länge:

Aus gege­be­nem Anlass möchte ich Interessierten ein paar Argumente an die Hand geben, wie sie auf die pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen Fragen diver­ser Religiöser ant­wor­ten kön­nen. 

Evolution läßt sich nicht beweisen.

FALSCH. Für die Evolution liegt eine gera­dezu über­wäl­ti­gende Fülle von empi­ri­schen Belegen aus sämt­li­chen Gebieten der Biologie und ihrer Randdisziplinen vor. Pflanzen- und Haustierzucht sowie ver­schie­dene Experimente (Mutationsexperimente) lie­fern sogar einen sehr direk­ten Zugang zum Verständnis von Evolutionsprozessen; heute hel­fen dabei auch Computersimulationen.

Für die Evolution gibt es keine Augenzeugen.

IRRELEVANT. Auch für die Pharaonen des Alten Ägyp­ten gibt es keine Augenzeugen, trotz­dem zwei­felt nie­mand an ihrer Existenz. Dem Historiker die­nen Handschriften, Bilder, Bauwerke usw. bei der Rekonstruktion geschicht­li­cher Abläufe, dem Evolutionsbiologen Strukturen rezen­ter Organismen, Fossilien und so wei­ter bei der Rekonstruktion evo­lu­ti­ons­ge­schicht­li­cher Abläufe.

Das Fehlen von Übergangsformen lässt auf einen Schöpfungsakt und nicht auf Evolution schließen.

FALSCH. Es sind recht viele Über­gangs­for­men vor­han­den. Das bekann­teste Beispiel ist der Urvogel Archaeopteryx als Bindeglied zwi­schen Reptilien und Vögeln, von dem meh­rere Exemplare fos­sil über­lie­fert sind. Fehlende Über­gangs­for­men sind ledig­lich ein Indiz für die Lückenhaftigkeit der fos­si­len Über­lie­fe­rung und recht­fer­ti­gen nicht die Annahme eines Schöpfungsaktes.

Die Selektion als „blinde Kraft“ kann die Ordnung des Lebenden nicht erklären.

FALSCH. In den gro­ßen zeit­räu­men, in denen sich Evolution abspielt, kann die Selektion sehr wohl vie­les bewir­ken. Außerdem wir­ken fund­am­ten­tale Nautrgesetze, die zum Beispiel aus­schlie­ßen, dass wür­fel­för­mige Haie oder vier Meter große Ameisen ent­ste­hen. Letztlich ist Evolution als kom­ple­xes Wechselspiel zwi­schen Umweltbedingungen und den Konstruktions- und Fuktionsbegingungen der Organismen zu ver­ste­hen. (innere Selektion)

Die Natur weist auf einen intelligenten Planer hin.

FALSCH. Die vie­len Sackgassen der Evolution – bedingt vor allem durch eine Spezialisierung von Arten – las­sen eher an einen Pfuscher als an einen intel­li­gen­ten Planer den­ken. Warum hätte die­ser zulas­sen sol­len, dass 99,9 Prozent aller Arten, die je exis­tiert haben, wie­der aus­ge­stor­ben sind? Warum hat er nicht gleich alle Organismen per­fekt kon­stru­iert? Warum lässt er zu, dass der Mensch, die „weise“ Spezies, die Natur zer­stört und sich damit selbst den Boden unter den Füßen weg­zieht?

Nicht alle Strukturen und Funktionen der Lebewesen lassen sich als Anpassung erklären.

IRRELEVANT. Schon Darwin wusste, dass nicht alles Anpassung ist. Lebewesen sind aktive Systeme, die sich nicht ein­fach anpas­sen, son­dern auch ihre Umwelt ver­än­dern. Und sie kön­nen sich nicht belie­big anpas­sen – Flusspferde wer­den nie Flügen ent­wi­ckeln kön­nen, um sich an irgend­wel­che neuen Umwelterfordernisse anzu­pas­sen.

Darwin konnte nicht alle Probleme der Evolution befriedigend beantworten.

IRRELEVANT. Es hat auch kein Physiker alle Probleme der Physik gelöst. Seit Darwin hat die Evolutionsbiologie unzäh­lige Einzelerkenntnisse gewon­nen, die unser Bild von der Evolution nach und nach ver­voll­stän­di­gen.

Offene Fragen und Kontroversen lassen vermuten, dass Evolution keine Tatsache ist.

FALSCH. Probleme der Erklärung oder strit­tige Erklärungen von Einzelphänomenen ändern nichts an der Tatsache der Evolution selbst.

Die Entstehung geistiger Eigenschaften des Menschen lässt sich nicht evolutionstheoretisch erklären.

FALSCH. Auch Phänomene wie das reflek­tie­rende Selbstbewusstsein, Symbolsprache und so wei­ter fügen sich ins Kontinuum der Evolutionsprozesse ein. Verschiedene unse­rer geis­ti­gen Eigenschaften sind in Vorstufen auch bei ande­ren Tieren vor­han­den. Sie sind Eigenschaften eines kom­ple­xen Gehirns, wel­ches – genauso wie alle ande­ren Organe – in der Evolution durch natür­li­che Auslese ent­stan­den sind. Auch wenn die geis­tige Entwicklung gegen­über der orga­ni­schen Evolution einen eigen­dy­na­mi­schen Verlauf zeigt, bleibt sie mit die­ser untrenn­bar ver­bun­den. Das Geistige ist kein von der Natur abge­ho­be­ner, selbst­stän­di­ger Bereich der Wirklichkeit.

Aus dem über­aus lesens­wer­ten Buch von Franz M. Wuketits: „Darwins Kosmos – Sinnvolles Leben in einer sinn­lo­sen Welt“, Alibri Verlag 2009 – Seite 64 ff.

Das Buch im Denkladen

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