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Geldsegen für den IWF – nicht einmal Brosamen für die syrischen Flüchtlinge

Erstellt am 21. April 2012 von Walter

Die beiden Nachrichten wurden im Radio gleich hintereinander verlesen: Der IWF erhält Gelder im Wert von 430 Milliarden Dollar (= 430’000’000’000 $) zugesagt, um, wie es so schön heisst, die Brandmauer gegen die Finanzkrise zu stärken. Das ist mehr als Christine Lagarde, die Direktorin des IWF, erwartet hatte. Gleichzeitig beklagen die Hilfswerke, allen voran das UNHCR, dass bis jetzt nicht einmal zwanzig Prozent der zugesagten 66 Millionen Dollar (= 66’000’000 $) Hilfsgelder für die syrischen Flüchtlinge zur Verfügung gestellt wurden. Diese Gelder würden dringend benötigt, um die Flüchtlinge in Syrien und den Nachbarländern mit dem Dringendsten zu versorgen.

«Natürlich darf man die beiden Themen inhaltlich nicht miteinander verknüpfen», höre ich es von überall her rufen. Bei den Geldern für den IWF handle es sich um verzinsliche Kredite, bei der Hilfe an die syrischen Flüchtlinge um A-fonds-perdu-Beiträge, also um Schenkungsgelder aus humanitären Erwägungen. Und mit der finanziellen Stärkung des IWF soll ein finanzielles Desaster in Europa, ja, weltweit verhindert werden, was vielen Millionen, wenn nicht Milliarden Menschen zugute kommen wird. Von der Überlebenshilfe an die syrischen Flüchtlinge profitiere maximal eine Million, vielleicht zwei Millionen Menschen.

Die Schweiz hat 10 Milliarden Dollar (= 10’000’000’000 $) an Hilfsgeldern zugesagt – für den IWF. Sie erhofft sich damit auch, dass ihre Stimmrechtsquote im IWF gestärkt wird. Diese 10 Milliarden Dollar sind gut 151-mal mehr, als für die dringendste Hilfe an die syrischen Flüchtlinge benötigt wird.

Auch wenn das eine Thema mit dem anderen wenig zu tun hat: Es kommt in diesen beiden Nachrichten, die im Radio gleich hintereinander verlesen wurden, doch deutlich zum Ausdruck, in was für einer Welt wir leben. Es ist eine Welt, in der die Wirtschaft den Vorrang vor allem anderen hat, auch vor dem Menschenleben.


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