Frauenpower ist kein Trend

Feminismus ist kein Trend, wir müssen dafür in den Ring steigen

Feminismus ist kein Trend, wir müssen dafür in den Ring steigen

Was Schwiegermütter (mir) nicht verraten, oder: Stärke ist eine unbequeme Haltung

In meiner Beziehungs-Biografie zähle ich drei Schwiegermütter. Zu Beginn schlossen sie mich in ihr Herz. Dann, nach wenigen familiären Anlässen, stellten sie fest, dass mein angenehmes Äußeres nicht im Einklang mit meinen soziokulturellen Erfahrungen und Ansichten und folglich nicht mit ihren tradierten Normen stand. Der Clash der Kulturen war programmiert. Also ließen sie mich in ihren großen Vorgärten versauern. Oder hing ich dort zum Lüften?

Noch heute stolpere ich regelmäßig über die Verwerfungslinie von Wohlstandsfrauen jeden Alters, die ich für ihren Status gleichermaßen beneide und manchmal sogar verachte. Allen voran meine Schwiegermütter. Ich studierte sie, ich inspizierte sie. Meiner eigenen alleinerziehenden Mutter hätte ich fünf dieser fünfzig unbeschwerten Jahre dieser Frauen gewünscht, die allesamt saturiert Goldene Hochzeit feierten. Ohne je erwerbstätig gewesen zu sein. Meine Schwiegermütter mieden es, diese Tatsache zu thematisieren. Das Thema Burnout war, als sie Mütter wurden, eine schlummernde Wortschöpfung. Vielmehr war man damit beschäftigt Tapeten passend zum Wirtschaftswunder auszuwählen. Der Feminismus der Siebziger und Achtziger Jahre schien ebenso an ihnen vorbei gezogen zu sein wie die freie Liebe oder die Friedens- und die Anti-Atomkraft-Bewegung. München 1972, die RAF hinterließen ebenfalls wenig bis keine Spuren in ihren Ansichten oder Bücherregalen wo der Walser stand. Dass Frauen Medizin oder Jura studierten, Lehrerinnen waren oder Verkäuferinnen, lasen sie beim Frisör im Stern oder der Quick. Sie nahmen ganz selbstverständlich ihren Platz auf empfindlichen Sofagarnituren und an langen Tafeln ein. Sie bügelten die Hemden ihrer Männer und stellten pünktlich die Mahlzeiten auf den Tisch. Sie packten Koffer für Italien, sammelten Kochbücher und gebaren ihre Söhne mit Chefarztbetreuung. Sie luden die Einkaufskörbe voll und entwickelten einen teuren Geschmack für Kleider und Schmuck. Ein Nerz hing mindestens im Schrank. Mit vierzig waren die Kinder aus dem Haus und fortan duldeten sie ihre Ehemänner beim Flirten im Tennisclub oder auf Geschäftsreisen. Sie stießen gut frisiert regelmäßig tiefe Seufzer aus und beherrschten das Lamenti der erschöpften treusorgenden Gattin und Mutter aus dem ff. Es galt nun, in diesem Lebensabschnitt den Besitzstand zu wahren, kulturbeflisse Bürgerinnen zu mimen und ihre Männer an wichtige Jubiläen zu erinnern. Die Ära Kohl gab ihnen in fast allem Recht und sie kommentierten das Leben der Arbeiterklasse oder Linken mit rechtschaffener Überheblichkeit und der Abwesenheit von Empathie, die durchscheinen ließ, dass bei ihnen selbst eine Menge Frust zu kaschieren war.

Und dann stellten ihre Söhne die ersten Schwiegertöchter vor. Frauen aus meiner geburtenstarken Generation, die selbstverständlich Karriere, Kinder und Beziehung meistern wollten. Frauen, die erleben sollten, dass Gleichberechtigung keine Pose, vielmehr eine Haltung war, für die man ernsthaft in den Ring steigen musste: im Beruf, in den Beziehungen und schlussendlich auch mit sich selbst. Zunächst aber schien es ganz selbstverständlich, sogar beflügelnd. Ich fühlte mich mit 20+ unschlagbar. Wir feierten wild, trugen hautenge Kleider, lasen Romane von Philippe Djan, Jack Kerouac, John Irving. Wir sammelten um die Wette Stempel in unseren Reisepässen und verschickten mit großer Geste lange Briefe in Luftpostumschlägen. Das Leben bestand aus Möglichkeiten, nicht aus Problemzonen. Und dann wollte ich plötzlich doch eine feste Beziehung und ein Kind. Ich war 30.

Die Schwiegermütter fürchteten fortan meine Bemerkungen und Fragen am hübsch gedeckten Familientisch. Ich lebte von meinem selbst verdienten Geld und dachte nicht daran, die perfekte Hausfrau zu mimen oder mich den plötzlich aufblühenden Spießigkeiten ihrer Söhne unterzuordnen. Ich ging arbeiten, war streckenweise beruflich erfolgreicher als ihre hübschen Buben.

Renitent, burschikos, Blaustrumpf, Emanze - die Damen waren nicht auf den Mund gefallen und stichelten hinterrücks über mich. Sie waren geübt darin, die Strippen zu ziehen, gut getarnte Gewalt auszuüben; Mutter war und blieb unauslöschlich an der Hausmacht, die Spießervariante des Matriarchats. Keiner der Söhne stieg in den Ring mit Mama. Vielmehr wurde ich Zeugin von jahrelang trainierten Ausweichmanövern, der Abwesenheit von Streitkultur oder Durchhaltetechniken, die nach spätestens drei Tagen zu Besuch bei den Eltern in miese Laune umschlug.

Stellvertretend für Mama wurde ich mit Aggression bedacht und die Autofahrten zurück ins nicht mehr ganz so traute Heim verliefen wortkarg. Eine Familientherapeutin hat mir nach meiner zweiten Scheidung offenbart, dass immer sechs Menschen an einer Paarbeziehung beteiligt sind: die Frau, der Mann und die Eltern des Paares.

Heute frage ich mich, ob meine Emanzipation Ausdruck einer politischen Haltung war und noch heute ist oder ob es auch den Umständen geschuldet ist, dass ich aus einem anderen Milieu stamme und wie meine Mutter und meine Großmutter das Geld für meine Kinder und mich allein verdiene. Die soziokulturelle Startposition ist für eine Biografie relevant, Chancen-Gleichheit bleibt ein politischer Wunsch. Wir bekommen eine Rolle von unserer Kultur zugewiesen, was wir daraus machen, ist uns persönlich überlassen. Das stimmt nur zum Teil. Ich habe es erlebt und ausprobiert. Ich habe konstant gearbeitet, auch an mir selbst, meinen Beziehungen und trotzdem kann ich mich heute weder in materieller noch in emotionaler Sicherheit wiegen. Entspannte Emanzipation muss man sich leisten können.

Unser Arbeitsleben hat sich radikal verändert, ist härter und unsicherer geworden. Die Machbarkeit von Karriere, Mutterdasein und Beziehungs-Gefährtin ist eine Farce. Mein individuell gelebter Feminismus, mein Streben nach Gleichberechtigung hat mich an den Rand der maximalen, ja existentiellen Erschöpfung getrieben. Ich beobachte viele erschöpfte Frauen, besonders berufstätige Mütter. Beim Job schaffen wir enorm viel weg und übernehmen Verantwortung. Wir regulieren fast nebenbei Teamkonflikte und trösten und beraten bei Bedarf unsere männlichen Vorgesetzten. Trotzdem stoßen wir nicht durch die gläserne Decke. Die Gleichstellungsdebatte ist ein Märchen bei dem die Leit-Wölfe noch immer das Sagen haben. Erfolgreiche Kolleginnen machen ihnen Angst und sie sorgen dafür, dass es nicht zu viele werden. Die Qualitäten menschlicher und fachlicher Art sind bei den meisten männlichen Führungskräften mittelmäßig bis erbärmlich, sie schaffen es nicht mal, ihren Hund vor die Tür zu bringen und regieren trotzdem Konzerne. Wir Frauen rackern uns weiter ab, lächeln devot, schleppen Einkaufstüten nach hause, trösten Kinder, fallen todmüde ins Bett und träumen von Holzhäusern in Schweden und von Männern die doch bitte endlich anerkennen sollen was wir starken Frauen und Mütter ihrer Kinder leisten. Doch unsere Männer sind gestresst von unserem Stress, sie gehen plötzlich Angeln in Norwegen oder fahren Radrennen und irgendwann gehen sie wortlos in die innere Kündigung der Beziehung. Was meine Schwiegermütter mir bis heute nicht verraten haben, ist, ob sie das etwa haben kommen sehen, also clever waren. Oder ob sie naiv oder feige oder einfach nur bequem waren. Und ob sie heute sagen würden, sie haben ohne Beruf ein erfülltes Frauenleben gelebt. Ob es die ideale Konstellation überhaupt gibt? Würde ich es heute anders machen, etwa auf Feminismus und Gleichberechtigung pfeifen? Nur Mutter und Gattin sein, meinen Töchtern Mittagessen kochen, statt mich abzurackern.

Ich sage meinen Töchtern: Die Freiheit bekommt man nicht geschenkt, man muss sie sich nehmen.


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