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Filmkritik zu ‘Eine dunkle Begierde’

Von Filmtogo

Filmkritik zu ‘Eine dunkle Begierde’

Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung war zu seinen Lebzeiten ein guter Freund von Sigmund Freud, seines Zeichens ein aus Österreich stammender Denker, der als Begründer der Psychoanalyse gilt. Die Freundschaft dieser beiden Männer wurde über die Jahre auf die Probe gestellt. In vielen Gesprächen, aber auch Briefen, diskutierten sie ihre jeweiligen Ansichten in ihrem Forschungsgebiet. Basierend auf dem Roman ‚Eine gefährliche Methode‘ von John Kerr verfasste Christopher Hampton das Drehbuch zu dem Film ‚Eine dunkle Begierde‘ nach seinem Theaterstück ‚The Talking Cure‘, mit dem er einen Blick auf die Dreiecksbeziehung zwischen Jung, Freud und der russischen Psychoanalytikerin Sabina Spielrein wirft.

In einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels treffen die beiden wichtigsten Analytiker der menschlichen Psyche aufeinander: Carl Gustav Jung und Sigmund Freud, dargestellt von Michael Fassbender und Viggo Mortensen. Beide arbeiten an bahnbrechenden Erkenntnissen, die das moderne Denken revolutionieren sollen. Als die verführerische Sabina Spielrein (Keira Knightley) auftaucht, geraten beide Männer an ihre Grenzen. In seiner Klinik in Zürich eingeliefert, ist Sabina für Jung nicht nur eine psychisch labile Patientin, denn er kann sich der geheimnisvollen Anziehungskraft seines Studienobjekts nicht entziehen und beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit ihr. Als diese jäh endet, flüchtet Sabina zu Jungs Mentor Sigmund Freud nach Wien. Er nimmt sie bei sich auf und bildet sie zur Analytikerin aus. So wird Sabina Spielrein letztendlich zur Muse beider Männer.

Filmkritik zu ‘Eine dunkle Begierde’

Keira Knightley & Michael Fassbender

So wahr diese Begebenheiten auch sein mögen, filmisch umgesetzt wirken in erster Linie die gekonnt inszenierten Dialoge zwischen Viggo Mortensen und Michael Fassbender als antreibende Kraft in dem Film von ‚A History of Violence‘-Regisseur David Cronenberg. Egal ob sich diese beiden Männer als Carl Jung und Sigmund Freud von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzen, eine gemeinsame Kreuzfahrt in die Vereinigten Staaten unternehmen oder einen regen Briefverkehr Aufrecht erhalten, ihre Unterhaltungen, obwohl fern von einem verständlichen Thema, bilden den interessanten Mittelpunkt dieser Erzählung. Hinzu kommt eine Hass-Liebe zwischen diesen beiden Männern, die sowohl intensive Abneigungen, als auch humorvolle Neckereien mit sich bringt – dabei agieren Fassbender und Mortensen als eines der besten männlichen Filmduos der jüngsten Filmgeschichte.

Beide Männer brillieren durch ihr Schauspiel. Wo Fassbender oft in zwielichtigen Rollen zu sehen war: als junger Magneto in ‚X-Men: Erste Entscheidung‘ oder als unsympathischer Rochester in der kommenden ‚Jane Eyre‘-Verfilmung – spielt er hier den zwar sündhaften Carl Jung, der aber durch eine charmante Naivität selbst bei seinen Wutausbrüchen gegenüber seinem späteren Kontrahenten Freud, noch wie ein einfühlsamer Mensch wirkt. Ihm gegenüber spielt Viggo Mortensen kaum merklich seine Rolle, mit Bart und Zigarre wandelt er durchs Bild und ist dabei doch ein Sigmund Freud, wie ihn sich der Zuschauer besser nicht vorstellen kann. Da kann die Geschichte noch so sehr dahinplätschern und keinen wirklichen dramaturgischen Höhepunkt erreichen, diese beiden Männer lassen ‚Eine dunkle Begierde‘ dennoch kurzweilig unterhaltsam erscheinen. Als großes Manko wäre Keira Knightley zu nennen, die eine Rolle verkörpert, die sie bereits in vielen vorherigen Filmen spielen durfte. Ihr Schauspiel erlebt im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen keine Weiterentwicklung, allenfalls ihre Darstellung der anfänglich Wahnsinnigen – ob inszeniert oder wahrhaftig – darf als Bereicherung für den Film angesehen werden. Derweil wird die sexuelle und emotionale Ebene gänzlich ausgeblendet, die Jung später aber so sehr verzweifeln lässt, wenn seine Geliebte nach Wien gehen will.

Filmkritik zu ‘Eine dunkle Begierde’

Vincent Cassel

David Cronenberg zeigt hier einen wichtigen Ausschnitt aus dem Leben von Jung und Freud, der Auswirkungen auf die ganze Menschheit genommen hat. Durch ihre Forschungen wurden diese Männer zu Koryphäen in ihrem Gebiet – jetzt werden diese Theorien auch dem heutigen Kinopublikum näher gebracht. Der Film endet unvermittelt, erzählt die Geschichte der beiden Männer – sowie von Sabina Spielrein und dem Psychiater und Anarchisten Otto Gross (Vincent Cassel) in Schriftzügen weiter bis zu ihrem Tode.

‚Eine dunkle Begierde‘ ist in erster Linie der Beweis dafür, dass Mortensen und Fassbender zwei Darsteller sind, mit denen man tiefgründige Unterhaltungen auf die große Leinwand bringen kann, ohne dabei an Unterhaltsamkeit einzubüßen. Ihr Schauspiel ist facettenreich und überzeugend, was dem Film einen großen Teil seiner Relevanz verleiht.

Denis Sasse

Filmkritik zu ‘Eine dunkle Begierde’

‘Eine dunkle Begierde‘

Originaltitel: A Dangerous Method
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: CDN/D, 2011
Länge: ca. 100 Minuten
Regie: David Cronenberg
Darsteller: Michael Fassbender, Keira Knightley, Viggo Mortensen, Vincent Cassel, Sarah Gordon


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