Ressort Geschichte & Philosophie

Die imperiale Blutspur

Von Denkbonus

Den Globalisten läuft die Zeit davon. Der Kampf um Öl hat sich verschärft. Andere Global Players haben das Spielfeld betreten und bieten mit, wodurch das Zeitfenster sich noch schneller schließt. Was helfen würde, wäre ein Krieg im mittleren Osten. Nachdem der Versuch eines atomaren Großangriffs vorerst gescheitert ist, hat sich die Strategie der kleinen Schritte durchgesetzt.

Die imperiale BlutspurEin später Augusttag des Jahres 2007. Dick Cheney, Vice President der Vereinigten Staaten, kocht vor Wut. Etwas völlig Undenkbares hat sich ereignet. Sein gesamter Mitarbeiterstab, angefangen vom Militär bis hin zu den Geheimdiensten, verweigert ihm den Gehorsam, das “Nuclear Command And Control System”, die Befehlskette zur Kontrolle und zum Einsatz von Atomwaffen, war zusammengebrochen. Einen dritten Weltkrieg hatte er entfesseln wollen, einen atomaren Vernichtungssturm, der ihm und seiner Familie Öl- und Rüstungsmilliarden im Überfluss beschert hätte. Doch niemand im Planungsstab hatte vorhergesehen, dass seine eigenen Offiziere sich ihm verweigern würden.

Der gebogene Speer

Operation „Bent Spear“ (bent spear / gebogener Speer = Code-Bezeichnung für einen Zwischenfall mit Atomwaffen ohne größere Folgen), so lautete die Bezeichnung für den Plan, demzufolge eine B 52 entführt, mit Cruise Missiles bestückt und an Parlament und Kongress vorbei einen heimlichen Großangriff auf den Iran starten sollte – mit allen daraus erwachsenden Folgen dieser ungeheuerlichen Provokation, vor allem für den mittleren Osten. Es waren sechs Raketen der Klasse Advanced Cruise Missiles (AGM-129), alle versehen mit einem W-80-1 Atomsprengkopf. Dieser verfügt über eine variable Sprengkraft, die eingestellt werden kann und zwischen 5 und 150 Kilotonnen liegt. Die Maschine war fertig bewaffnet von der Minot Air Force Base in North Dakota gestartet und auf der Barksdale Air Force Base in Louisiana gelandet, sollte dort noch aufgetankt werden vor ihrem Start in den nahen Osten. Einer der Techniker oder Monteure musste wohl gegen den Befehl verstoßen haben, strengstes Stillschweigen zu bewahren, hatte stattdessen seinen Vorgesetzten informiert. Das hatte eine Lawine ins Rollen gebracht. Die US- Airforce hatte, unterstützt von US- Geheimdienstleuten, unverblümt damit gedroht, den beabsichtigten Atomwaffeneinsatz öffentlich zu machen. Die Operation, die am sechsten September 2007 durchgeführt werden sollte, war daraufhin abgebrochen worden.

Dennoch waren Einzelheiten an die Presse durchgesickert. Angefangen hatte alles mit der Kennebunkport- Warnung, es folgte ein größerer Artikel in der Washington Post. Zuguterletzt war es jedoch der Wayne Madsen Report (WMR) gewesen, der seinem Planungsstab den Todesstoß versetzt hatte. Dieser hatte aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass eine der sechs atomar bestückten Raketen als verschwunden gemeldet worden war. Damit handelte es sich in Wirklichkeit nicht um ein Bent Spear-Ereignis, sondern um ein Empty Quiver-Ereignis (empty quiver / leerer Köcher = Code-Bezeichnung für eine abhanden gekommene Atomwaffe) der Kategorie PINNACLE (pinnacle / Gipfel, Höhepunkt = Code-Bezeichnung für einen atomaren Notfall, der das Eingreifen höchster Kommandostellen erfordert). Ein solcher Vorfall entspricht einer weitaus höheren Kategorie. Die National Command Authority als oberste Kommandobehörde der USA hätte daher eingeweiht sein müssen, war es jedoch nicht.

Die Israelis hingegen schon. Sie waren fester Bestandteil des Plans gewesen. Wie Cheneys zurückgetretener Berater David Wurmser hatte durchsickern lassen, hatte die Bush/Cheney Clique gemeinsam mit der israelischen Regierung geplant, den Iran zu vernichten. Zuerst sollte Israel die iranische Nuklearanlage in Natans mit Raketen angreifen. Der iranische Vergeltungsschlag hätte den USA dann einen plausiblen Vorwand geliefert, selbst ins Geschehen einzugreifen. Der Plan war jedoch geändert worden. Stattdessen sollte Israel zunächst die angebliche Nuklearanlage Dayr az-Zwar nahe des Dorfes Tal Abyad im Norden Syriens nahe der türkischen Grenze angreifen. Die israelische Operation trug den Namen Operation Orchard (Operation Obstgarten) und wurde pünktlich durchgeführt, allein die amerikanische Unterstützung war anschließend ausgeblieben. Cheneys Plan war zu früh aufgeflogen.

Die imperiale BlutspurCheney war der Iran völlig gleichgültig. Die Iraner waren für ihn ein Haufen unzivilisierter Sandnigger ohne jeden Belang. Allerdings hatten sie etwas, was er nicht hatte – Öl und Gas in großer Menge und in bester Qualität. Damit wurden sie für ihn zu Konkurrenten im Ölgeschäft. Als Aufsichtsratsvorsitzender und CEO des Öl- Multis Halliburton hatte sich seine Planung in den vergangenen Jahren vor allem auf die riesigen Gasfelder Turkmenistans konzentriert. Dieses Gas sollte anhand einer Pipeline durch Afghanistan südwärts und durch Pakistan geleitet werden bis zum arabischen Meer gleich hinter dem Golf von Oman. Eine weitere Route sollte durch Pakistan hindurch nach Die imperiale BlutspurIndien verlaufen. Beide Projekte hätten ihn unter einer wahren Geldlawine begraben. Seit der Okkupation des Iraks hatte Halliburton vom Pentagon Aufträge in Höhe von mindestens 24 Milliarden Dollar erhalten. In dieser Zeit war sein eigenes Vermögen auf mehr als 100 Millionen Dollar angewachsen. Die Pipelines hätten zusätzliche Milliarden beschert. Doch der Iran war dabei, ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Mit einer eigenen Pipeline, so hatte der Iran es beschlossen, wollte er sich am Ölgeschäft beteiligen. Sie sollte in Asaluyeh am persischen Golf beginnen und dann ostwärts über Pakistan bis nach Neu Delih verlaufen um auf halbem Wege Karatschi mitzuversorgen. Seit dem missglückten Angriffsplan hatten sich die Chancen des Irans, das Geschäft selbst zu machen, erheblich verbessert. Trotz aller Drohungen Hillary Clintons hatte sich Pakistan dem Druck nicht gebeugt, ja sogar eine amerikanische Die imperiale BlutspurOfferte in Höhe von einer Milliarde Dollar ausgeschlagen für den Verzicht auf Geschäfte mit dem Iran. Mit großer Verstimmung hatte Pakistan auf den Tötungseinsatz gegen Osama Bin Laden auf eigenem Territorium und ohne jede Vorwarnung reagiert. Seit dem letzten US- Drohnenangriff auf eine pakistanische Militäreinrichtung, bei der 26 pakistanische Soldaten ihr Leben verloren hatten, war das Maß endgültig voll. Die pakistanische Regierung hatte den USA daraufhin die Tür vor der Nase zugeschlagen. Seither hatten sich die Beziehungen des Landes zu seinem iranischen Nachbarn erheblich gebessert. Dies war letztlich einer der Hauptgründe dafür, das Pakistan den Zuschlag erhalten hatte und die USA nun mit leeren Händen dastehen. Zudem belaufen sich die Kosten für das amerikanische Pipelineprojekt auf mehr als sieben Milliarden Dollar, die persische Route hingegen lässt sich bereits mit 2,7 Milliarden Dollar realisieren.

Offenbar hatte der vereitelte Alleingang der Bush/Cheney Clique einiges an Wind in den amerikanischen Regierungsetagen nach sich gezogen. Seither kommt eine veränderte Strategie zum Zuge, die klar erkennbar die Handschrift Zbigniew Brzezińskis trägt, jenes amerikanischen Chefstrategen, dessen Spezialgebiet es ist, Aufstände und Bürgerkriege in den jeweiligen Zielregionen zu entfesseln. Er war es gewesen, der die ehemalige Sowjetunion dazu bewegt hatte, im Dezember 1979 nach Afghanistan einzumarschieren. Dies hatte dem sowjetischen Großreich damals das Genick gebrochen. Er war verantwortlich für die Rosenrevolution in Georgien, die missglückte grüne Revolution im Iran, die orangene Revolution in der Ukraine, die Zedernrevolution im Libanon, die gelbe Tulpenrevolution in Kirgisistan, die Safranrevolution in Myanmar und die Jasminrevolution in Tunesien. All diese Revolutionen hatten dem Ziel gedient, die betroffenen Staaten von der Nato abhängig zu machen und letztlich eine eurasische Allianz mit China und Russland an der Spitze zu verhindern. Brzeziński ist der König der Spaltpilze.

Da dem Iran nicht so ohne weiteres beizukommen ist, haben die amerikanischen und europäischen Kriegstreiber sich dazu entschlossen, den mittleren Osten von Nordafrika aus in kleinen Schritten Land für Land aufzurollen. Der Hammer ist dem Skalpell gewichen. Nach dem Umsturz in Ägypten, der wohl kaum beabsichtigt war, nutzten die Planer die Gunst der Stunde um Libyen in Schutt und Asche zu legen und gewissenlosen Verbrechern in die Hände zu spielen. Nun folgt auf dem Marsch gen Osten Syrien, um den Iran zu schwächen und um mit Militär an dessen Landesgrenzen gelangen zu können. Auch hier werden unterschiedliche Parteien geschickt gegeneinander ausgespielt. Gerade in Syrien stoßen besonders viele unterschiedliche Interessensgruppen aufeinander. Sie lassen sich unterteilen in außersyrische und innersyrische Gruppen. Alles mal kurz auf einen Blick:

Außersyrische Interessensgruppen

So möchte Israel, dass Syrien in mehrere kleinere Teile aufgeteilt wird und sich vom Iran loslöst. Außerdem möchte Israel den derzeitigen Status quo für die Golanhöhen erhalten und eine neue Landkarte für den Nahen Osten erstellen. Die USA ihrerseits möchten dasselbe, was Israel möchte und zusätzlich die Kontrolle über Öl, Gas und die dazu gehörenden Pipelines. Großbritannien möchte, wie immer, das was die USA möchten. Gemeinsam mit Britannien und Italien ist Frankreich für die Kolonisierung der Region nach dem Untergang des Osmanischen Reiches verantwortlich und will seinen einstigen Einfluss in der Region zurückgewinnen. Russland wünscht sich eine Marinebasis im Mittelmeer und einen Verbündeten mit Westblick. Weil Russland das möchte, will China dies ebenfalls. Die EU will das, was Israel, USA und Frankreich wollen. Der Iran möchte, dass die Schia (Shiiten) an der Macht bleibt. Der Irak mit eigener Shia- Mehrheit, will dasselbe. Der Libanon wüsste gerne, was er will. Die Saudis wünschen sich widerum die Sunniten an die Macht. Ägypten träte gerne als Konfliktmanager auf. Anders die Türkei, die sich gegenüber den kolonialistischen Nachfolgern Frankreich, Großbritannien und Italien gerne mehr Geltung verschaffen würde und zudem mit dem Gedanken an eine syrische Pufferzone liebäugelt. Katar wiederum möchte dasselbe wie Saudi-Arabien und Ägypten. Ebenso die Arabische Liga, die kein zweites Libyen will und sich daher, merkwürdig genug, in Sachen Menschenrechte befleißigt. Die UN wiederum würde gerne als Konfliktmanager auftreten, darf aber nicht.

Innersyrische Interessensgruppen

Die Alawitens, die mindestens 15 Prozent der syrischen Bevölkerung umfassen, wollen die Macht behalten. Ebenso die Schiiten. Die Sunniten wollen Demokratie, da sie ebenfalls an die Hebel der Macht gelangen wollen. Die Juden, Christen und alle Minderheiten wollen vor allem Sicherheit und fürchten sich vor einer sunnitischen Regierung. Bleiben die Kurden, die sich hochrangige Autonomie und Kontakt zu andere kurdischen Gebieten erhoffen.

Die Gefahr, die sich von Westen her auf sie zubewegt, nehmen die Menschen in Syrien und dem Iran sehr wohl war. Eine ganze Reihe von Staaten sind bereits von der amerikanischen Militärmaschinerie regelrecht aufgerollt worden. Allerdings schwinden die Chancen auf einen Durchmarsch seit dem brutalen Verstoß gegen die UNO- Resolution 1973, die den Schutz der Bevölkerung Libyens zum Ziel hatte und nicht dessen Ermordung mit Uranmunition und Phosphorbomben. Russland ist seit diesem Massaker hellwach geworden und wird künftig gegen jeden weiteren Versuch, irgendwo Flugverbotszonen und ‘humanitäre Korridore’ einzurichten, sein Veto einlegen. China ebenso und wahrscheinlich auch Indien, Brasilien, Südafrika. Die Nummer mit der humanitären Bombardierung wird nach dem letzten Fanal in Libyen kein zweites mal laufen. Dies mag wohl der Grund dafür sein, dass einerseits die Opposition in Syrien, ausgestattet mit amerikanischen und israelischen Waffen, gerade die Bevölkerung im eigenen Land massakriert während dem Iran vorgeworfen wird, die Absicht zu haben, wissen zu wollen, wie er denn eine Atombombe bauen könne so er eine besitzen wolle. Dies wird als ausreichender Angriffsgrund ausgewiesen, dabei verfügt heute jeder Physikstudent im vierten Semester über die dafür notwendigen Kenntnisse und Israel über mehr als zweihundert Nuklearsprengköpfe samt Trägersystemen und U- Booten. Aber es geht nicht um den Iran, es geht auch nicht um Israel. Es geht um Öl.

Quellennachweis und weiterführende Links:



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