Der Euro - ein Erfolgsmärchen

Aus 300.000 Tonnen Altmetall wurde er vor genau zehn Jahren geschmiedet, der Traum von einer einzigen Währung für ganz, ganz viele unterschiedliche Träume, Sprachen, Kulturen und Gebräuche. Der Euro war dann auch sofort eine Erfolgsgeschichte: Die Preise stiegen nicht wie befürchtet, denn siew aren schon vorher gestiegen und stiegen danach noch viel mehr. Bis heute konnte in nahezu allen Warengruppen die numerische Wiederherstellung der alten D-Mark-Preise erreicht werden.
Deutschland aber profitierte. Weil Länder, die bis dahin hohe Zinsen auf geliehenes Geld zahlen mussten, durch die Bindung der eigenen Wirtschaft an eine Währung, deren Werthaltigkeit von den Deutschen garantiert wurde, viel Geld sparten, konnten sie allesamt viel mehr Kredite aufnehmen. Das so beschaffte Geld floß dann direkt nach Deutschland zurück, das dafür wertvolel Waren wie Schwarzwälder Konfitüre, Spreewald-Gurken und Autos nach Griechenland, Spanien und Portugal lieferte.
Das sicherte in Deutschland Arbeitsplätze und machte nicht nur Wähler, sondern auch Gewählte froh. Der Euro, unser Geld, war nicht mehr nur in aller Munde, sondern in allen Herzen. Kaum jemand vermisste noch die alte D-Mark, die man im Auslandsurlaub immer erst umständlich umtauschen musste. Was für eine Erleichterung, dass jetzt überall der Euro aus dem Automaten kam! Gut, nun wäre da auch die Pesete, die Drachme und der Franc rausgekommen. Aber so war es doch noch viel besser!
Endlich sparten Reiselustige so viel Umtauschgebühr, dass niemandem mehr auffiel, wieviel billiger so ein Griechenland- oder Portugal-Urlaub gewesen wäre, hätte man harte Mark gegen weiche Drachmen oder Escudo tauschen können. Dafür profitierte doch die Wirtschaft umso mehr! Weil die Weichwährungsländer im Euroraum die neue Währung im Vergleich zur D-Mark um genau so viel abwerteten wie der Abnteil ihrer eigenen Währungen am neuen Amalgam-Mix betrug, wurden deutsche Waren im Ausland endlich billiger. Mehr Kunden konnten Maschinen und Autos, Anlagen und Einrichtungen kaufen.
Kaum jemandem fiel auf, dass die Deutschen dafür viel mehr für die notwendige Rohstoffeinfuhr zahlen mussten. Kupfer, Stahl, Aluminium, seltene Erden – für alles mussten Euro hingelegt werden. Und die waren nun etwa um 20 bis 40 Prozent weniger zahlungskräftig als es die D-Mark gewesen wäre.
Klar, die Unternehmen hatten durch die neuen Kostenvorteile durch die leichte Einweichung des Ausfuhrwährung genug Platz auf der Rechnung. Sie holten sich die Mehrkosten von ihren Kunden wieder. Autofahrer, Brötchenesser, Wohnungsheizer und andere Exoten dagegen staunten nur: Auf einmal kostete Benzin wie vorher, nur dass man nur die Hälfte verdiente. Auch Heizöl erreichte Preise, von denen die Grünen vor Jahren noch geträumt hatten. Und Brötchen? Für das Geld bekam Oma noch ein kleines Brot.
All das hat der Euro gemacht, weshalb die staatliche Nachrichtenagentur dpa zum Geburtstag auch aus allen Rohren Jubel pustet - vor allem aber bleibt sein Verdienst: Ohne die Einführung des Euro wäre eine Eurorettung schlechterdings unmöglich gewesen.


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