Ressort Gesellschaft

Bericht vom Gründungsparteitag der AfD Berlin

Von Frontmotor
Bericht vom Gründungsparteitag der AfD BerlinDie lähmenden Momente der Empörung sind jetzt vorbei. Seit gestern wissen wir auch in Berlin einen noch produktiveren Weg des Widerstandes als Parteiaustritte und Beiträge in Zeitungsforen zu schreiben. Die nächste Phase hat begonnen. Wir haben unseren Landesverband der Alternative für Deutschland (AfD) gegründet. Und es fühlt sich gut an.
Die Terrassen am Tegeler See. Die Schlange beim Checkin ist lang. Kandidaten für die Vorstandswahl verteilen ihre Kandidatenbewerbungen. Eine von ihnen kennen wir, sie wird später zur Sprecherin gewählt. Aber sonst kennen wir hier niemanden.
Doch, den Gastredner. Da sind wir noch gar kein Landesverband, sondern eine Versammlung. Hans-Olaf Henkel hält eine gute, launige Rede. "Ich muss leider so pünktlich anfangen, weil ich anschließend zu einer Podiumsdiskussion mit Daniel Cohn-Bendit eingeladen bin. Sie können sich vorstellen, dass ich lieber hier bleiben würde." Gelächter im Saal.
Knapp 200 der ca. 500 Berliner Mitglieder sind gekommen. Es ist die geballte Kompetenz Berlins, die normalerweise nie gefragt wird, weil sie vom Personal der Altparteien intellektuell nicht verstanden wird. Wozu auch, wenn es einer SPD und einer CDU sowieso stets nur um die Verteidigung ihrer Beute geht. Man hielte uns lieber dumm. Aber ihre Fähigkeiten sind das letzte, was diese Leute hier sich je nehmen ließen.
Henkel mochte ich nie so recht. Sein Nimbus als "ehemaliger IBM-Manager" wird übertrieben. Als Manager war er nicht so gut wie als Lobbyist. Aber wenn man ihn live hört, wirkt er besser als in Talkshows. Er liefert Argumente gegen die Argumente gegen die Anti-Euro-Politik.
Bericht vom Gründungsparteitag der AfD Berlin
"Die Bundeskanzlerin sagt das jetzt auch selbst: Für Deutschland müsste die EZB die Zinsen anheben, für die Südländer aber senken. Was ist das anderes als ein Argument gegen den EURO?" - Applaus.
"Wenn wir für 1 DM früher 100 Peseten oder 1.000 Lire bekamen war das Ausdruck dafür, dass Währungen ein Mittel zum Ausgleich sind."
"Die Professorenschelte gab es in Deutschland schon in den 30er Jahren. Erfunden hat sie Goebbels. Ich habe Kanzler Schröder nach seiner Schelte gegen den Professor-aus-Heidelberg damals mal gefragt: Wenn Sie Zahnschmerzen haben, gehen Sie dann zum Zahnarzt oder zum Klempner?" Dankbarer Applaus.
"Die Eurogegner in den Altparteien gehören zur Imagepflege. Ein Frank Scheffler beendet seine Reden gegen die Eurorettung immer mit dem Satz, dass er aber nicht gegen den Euro sei. Meine Damen und Herren, so sind sie: Sie sind für den Euro aber gegen seine Rettung."
Henkel spricht nicht hart, sondern wie einer, der den Schlamm, den die Altparteien und die paar Linken vor der Tür auf ihn und uns werden, analysiert hat und ihn jetzt unaufgeregt zurück schmeisst.
Er beendet seine Rede nicht nur mit großem Applaus sondern auch mit der Bitte, Leute des Ausgleichs in den Vorstand zu wählen. Frühere FDP-Mitglieder wissen, wem das gilt.
Auf der dann folgenden konstituierenden Sitzung hören wir etliche Kandidatenreden und Fragerunden. Wir hören nicht einen Satz, sehen nicht eine Regung, die man irgendwie als rechtsextrem verstehen könnte. Dieser monotone Anwurf von links ist nicht nur dumm. Er ist auch eine Beleidigung für Lebensleistungen derer, die sich hier versammeln. Es sind nicht nur die VWL-Professoren, es sind auch  die früheren Oppositionellen aus der DDR, die runde Tische und Foren gründeten. Es ist der frühere Moderator von "Kennzeichen D" und ein früherer Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler. Und jede Menge Selbständige. Und sogar ein paar Industrieangestellte wie der SAP-Berater und der Fernsehtechniker, der später noch Soziologie studiert hat.
Es fühlt sich gut an, unter Leuten zu sein, die in ihren Berufen Profis sind, aber nicht in der Politik. Überall Zeichen der Unerfahrenheit und der Improvisation. Bei der AfD gibt es Substanz in schlechter Verpackung, bei den Altparteien ist es ja umgekehrt. Man kommt aus Gemeinsinn und Protest zusammen. Das ist der Geist der Bürgerinitiative. Und man hilft einander, damit das Anliegen weiterkommt. Einige der neuen Vorstandsmitglieder sind ungebübt im Umgang mit Medien? Kein Problem, ein Trainer bietet kostenloses Training an. Wir brauchen einen besseren Webauftritt? Auch hierfür ist mindestens einen Profi im Saal. Kostenlose Unterstützung wird zugesagt. Liquiditätsplanung für den Wahlkampf? Der emeritierte BWL-Professor sagt, er habe "eh Langeweile" (Gelächter) und bietet dem Schatzmeister Unterstützung an. Und so weiter.
An sich selbst merkt man den Umschwung. Die Wutenergie wandelt sich in produktiven Schub. Interessant auch: Da wir ja in der Tat auf wenige, aber wichtige Themen fokussiert sind, und wir uns in den Zielen in Übereinstimmung wissen, gibt es darüber wenig Diskussionsbedarf. Wenn mal am Mikro etwas gegen die Eurorettungspolitik gesagt wird, hat es fast etwas tautologisches: "Wissen wir."
Zu Vorstandssprechern gewählt werden dann Herr Lefhart (Zentralverband Handwerk, Büroleiter Henkel, Ex-FDP), Frau Goldstein (Unternehmerin, Ex-FDP) und Herr Brinker. Letzterer hatte sich in der Vergangenheit bei der Berliner Nomenklatura gleich doppelt unbeliebt gemacht: Als Landesvorsitzender des Steuerzahlerbundes. Und als Kritiker der Staatsanwaltschaft, die mit dem Berliner Bankenskandal befasst war. Als Retour inszenierten die Kritisierten damals einen Untreuerverdacht gegen ihn, der ergebnislos verlief.
Leider kamen wir aus Zeitgründen (12h waren genug) nicht mehr dazu, sofort die Landesliste für den Bundestag aufzustellen. Der neue Vorstand wird auf der nun verschobenen Wahlversammlung natürlich mehr Einfluss nehmen können, als wenn wir gestern direkt allein unter dem Eindruck der Kandidaten gewählt hätten.
Dank einer hervorragenden Sitzungsleitung verlief der Gründungsparteitag ansonsten sehr effizient und gesittet. Der befürchtete Coup etwaiger Nationalliberaler blieb aus. So könnte es weitergehen. Zum Abschluss gibt es noch 'ne Runde vom neuen Vorstand. Und gute Gespräche bei Bier und Sekt.
Ich habe nur einen Wunsch: es mögen bitte keine "Lastwagen" von der FDP herüberkommen. Sonst treffe ich nachher all die Leute wieder, deretwegen ich vor sieben Jahren da ausgetreten bin. Ich traue der AfD Berlin genug Selbstreinigungskraft zu, die uns von alten Intrigenspielchen unter neuer Flagge verschont.
Bericht vom Gründungsparteitag der AfD Berlin

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren :

Zurück zur Startseite von Logo Paperblog

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren :

Kommentar schreiben