Ressort Gesellschaft

“Aufstände” in der islamischen Welt

Erstellt am 17. September 2012 von Nicsbloghaus

us flagge+feuerzeug 300x300 Aufstände in der islamischen WeltIn den letz­ten Tagen machte die isla­mi­sche Welt wie­der mit Schlagzeilen auf sich auf­merk­sam. Dieses Mal aller­dings nicht mit revo­lu­tio­nä­ren Parolen, son­dern mit Protesten gegen die USA und andere west­li­che Länder. Warum? Was war gesche­hen?

Im fer­nen Amerika dreht irgend­ein ehe­ma­li­ger Pornoproduzent im Auftrag evan­ge­li­ka­ler Christen ein grot­ten­schlech­tes Video und stellt Teile davon ins Netz. Tage, ja Wochen spä­ter wird das zum ver­meint­li­chen Anlass genom­men für einen neuen “Aufstand” in der isla­mi­schen Welt. Ein Vorgehen, dass genau dem Muster im Karikaturenstreit ent­spricht.

Hier wie da wird eine ziem­lich dumme – nichts­des­to­trotz legi­time – Meinungsäußerung eines Einzelnen zu einer Aussage des gesam­ten “Westens” her­auf­sti­li­siert. Und – wie damals – mit erheb­li­cher Zeitverzögerung. Es ist kein Zufall, dass die blu­ti­gen Proteste am elf­ten September “aus­bra­chen”. Dieses Datum wird nicht nur im Westen als his­to­risch erin­nert.

Etliche Tage spe­ku­lier­ten die Medien noch über die Macher des Videos und des­sen Hintermänner sowie über die, die die “Aufstände” plante. Denn schon allein die Tatsache, dass die “Protestierenden” mit Panzerfäusten und Handgranaten bewaff­net waren, spricht gegen die ers­ten Vermutungen, dass es sich um spon­tane Proteste han­deln könnte. Und so lag es nicht fern, dass bald die Agenturen mel­de­ten, dass hin­ter allem Al-Kaida ste­cken würde; eine These, die bis­her noch nicht bewie­sen wer­den konnte.

Dabei wurde nur eines klar; vor allem, wenn man die Stimmen hörte, die in diverse Kameras spra­chen: die ara­bi­sche Revolution hat noch längst nicht geschafft, den Menschen nahe­zu­brin­gen, was es mit der Demokratie auf sich hat. Denn wenn in den “Stimmen von der Straße” gefor­dert wird, dass die USA schon das Drehen des Filmes hätte ver­bie­ten sol­len, dann zeigt das vor allem eines: dass das Recht auf freie Meinungsäußerung noch nicht ver­stan­den wird. Umso weni­ger das Recht auf künst­le­ri­sche Freiheit. Hier wird es noch eines lan­gen Lernprozesses bedür­fen.

Der Film in sei­ner pri­mi­ti­ven und rein pro­vo­ka­to­ri­schen Botschaft hat genau dass erreicht, was er errei­chen wollte: Er wird von ebenso ein­fach gestrick­ten Religioten dazu miss­braucht, die Werte der Demokratie in Misskredit zu brin­gen.

Das scheint das wirk­lich Gefährliche an die­ser bri­san­ten Situation zu sein. Es macht Angst zu wis­sen, dass es nur eini­ger Weniger an den poli­ti­schen Außenrändern der Gesellschaft benö­tigt, um Unruhe in die Gesellschaft zu brin­gen. Was nicht nur die vor­sich­ti­gen Demokratisierungsversuche im Nahen Osten gefähr­det; son­dern auch den Westen daran zwei­feln las­sen könnte, dass die­ser lange Weg zur Demokratie von isla­mi­schen Staaten gegan­gen wer­den kann.

Wenn Hamed Abdel-Samad in einen Interview sagt: “Wir müs­sen die Erziehung zum Hass in der mus­li­mi­schen Welt end­lich stop­pen” dann gilt das auch in gewis­sem Umfange für die andere Seite. Insofern ist es aus­nahms­weise ein­mal rich­tig, wenn Innenminister Friedrich erklärt, die Aufführung des Filmes ver­hin­dern zu wol­len. Denn Demokratie bedeu­tet auch, sie zu schüt­zen.

Nic

[Erstveröffentlichung: hpd]

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