Zwischenbericht

 

Nun habe ich doch recht lange nichts mehr von mir hören lassen. Ich denke desöfteren darüber nach, worüber ich denn schreiben könnte, aber mir wiederfährt in den letzten Tagen nicht übermäßig viel Spannendes und bevor ich mich mit Bagatellen herumquäle verhalte ich mich lieber still.

So schreibe ich ein paar Worte über meine Tätigkeit hier und werde hin und wieder etwas über die polnische Geschichte verfassen.

So – wo bin ich derzeit überhaupt? Ich arbeite für das Auschwitz Jewish Center, was jedoch nichts mit dem ehemaligen Konzentrationslager zu tun hat. Für die meisten Besucher, die das Lager sehen existiert die Stadt Oswiecim faktisch nicht. Auch, als ich zum ersten Mal hier war – das ist jetzt etwas mehr als zwei Jahre her, ist meine Gruppe (ich war mit der Schule hier) nur kurz ins Lager und danach weiter nach Krakau.

Deutscher Heimatstil: Untrennbar mit Bunkern verbunden

Deutscher Heimatstil: Untrennbar mit Bunkern verbunden

Was ich zum damaligen Zeitpunkt durch diese „Standard-Tour“ nicht gesehen habe, war den Bunker, der bis vor einem Jahr noch inmitten des Oswiecimer Hauptplatzes geprangert hat. Als die Nationalsozialisten 1939 in Polen eingefallen sind änderten sie auch das Stadtbild, um die „Musterstadt Auschwitz“ in deutschem Stil zu gestalten. Scheinbar gehörte zu diesem „Heimatstil“ auch das Errichten von Bunkern (beispielsweise wurde auch der jüdische Friedhof deswegen zerstört). Die Errichtung eines Bunkers ist nicht ganz leicht. Die Zerstörung jedoch noch schwieriger. So wusste die Stadt Oswiecim recht lange nicht wirklich viel mit diesem hässlichen Teil in der Stadtmitte anzufangen – abreißen war problematisch, da dadurch die umliegenden Häuser gefährdet werden könnten. Erst im letzten Jahr gelang dies.

Dieses Jahr sehe ich Oswiecim zum ersten Mal.

Der polnische Heimatstil unterscheidet sich grundsätzlich vom Deutschen. Er hat keine Bunker im Stadtzentrum

Der polnische Heimatstil unterscheidet sich grundsätzlich vom Deutschen. Er hat keine Bunker im Stadtzentrum

Die Geschichte der Stadt geht bei weitem weiter zurück als bloß die Zeit des Nationalsozialismus. Meine Aufgabe hier ist es, diese den Interessierten näherzubringen. Zugegeben: Ich bin sehr glücklich über diese Aufgabe. Was im NS-Terror passiert ist, daran muss erinnert werden. Andernfalls sind wir möglicherweise gezwungen alles erneut zu durchleben.

Doch – was hierbei vielfach vergessen wird ist, wie die Geschichte zuvor ausgesehen hat. Was speziell die älteren Generationen über den Nationalsozialismus gehört haben war eine Mischung aus den Erzählungen ihrer Eltern, die sich jedoch teilweise an „offiziellen“ Nachrichten orientierten. Was waren die „offiziellen“ Nachrichten im 3. Reich?  Dass die Medien wahrscheinlich nicht so unabhängig waren wie die heutige Presse muss ich nicht erst erläutern, oder?

Wir setzen einen weiteren Schritt und kombinieren die Informationen, die einem Durchschnittsösterreicher zur Verfügung stehen:

  1. Am Anfang standen die Juden, die (angeblich – dieses Wort spielt jedoch in unkritischen Betrachtungsweisen keine Rolle) das Monopol über die Finanzwelt inne hatten und arme christliche Familien mit überhöhten Zinsen malträtierten.
    Zudem waren sie überhaupt schuld an allem. Daran, dass die Wirtschaft schlecht lief, dass die gewählten Politiker unfähig waren und dass man erwachsen wird (mit diesem Vorwurf wurde ich tatsächlich einmal konfrontiert)
  2. Danach kam die stark verharmloste Vernichtung des Judentums.

Eine Kombination beider gehalbwarheiteten Daten ergibt ein fatales Gemisch. Ohne das Wissen, wie Europa vor dem Zweiten Weltkrieg und vor dem nationalsozialistischen System ausgesehen hat ist es schwierig bis unmöglich, eine objektive Meinung zu bilden.

Bei diesem Prozess zu helfen ist Teil meiner bzw. unserer Aufgabe.

Auch der christliche Teil darf nicht vergessen werden. Er ist ebenso untrennbar mit der Geschichte verbunden, wie der jüdische (Kirche von Jan Skarbeck, vom Jüdischen Zentrum aus gesehen)

Auch der christliche Teil darf nicht vergessen werden. Er ist ebenso untrennbar mit der Geschichte verbunden, wie der jüdische (Kirche von Jan Skarbeck, vom Jüdischen Zentrum aus gesehen)

Jetzt im Sommer kommen aufgrund besserer Verhältnisse mehr Gruppen. Glücklicherweise wird das Wetter auch bei uns immer angenehmer – heute konnte ich beispielsweise nur mit einer dünnen Jacke bekleidet zur Arbeit radeln.

Krakau, das faktisch gleich um die Ecke liegt ist natürlich auch immer einen Besuch wert. Derzeit bin ich noch auf der Suche nach einem geeigneten Reiseführer, auf meinem Programm stehen nämlich auch Breslau und Chrzanów, Bielsko-Biała und Breslau. An meinem nächsten freien Wochenende werde ich wahrscheinlich eine der Städte besichtigen.

Ich halte euch auf dem Laufenden :)

 


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