Zweifelhafter Lifestyletrend: Aktivkohle

Um immer wieder neue Produkte an den Kunden bringen zu können, erschafft die Kosmetikindustrie ständig neue Trends. Derzeit sorgen mit Aktivkohle angereicherte Produkte für einen kleinen Hype. Einige Leser kennen die schwarze Aktivkohle sicherlich von den klassischen Kohletabletten, die gerne bei Durchfallerkrankungen eingenommen werden. Das Medikament kann Giftstoffe im Magen-Darm-Trakt binden. Zudem kommt die Kohle als Filtermaterial in Belüftungs- und Wasseraufbereitungsanlagen zum Einsatz. Die Kosmetik- und Lifestyle-Industrie hat die Aktivkohle dank ihrer Bindungsfähigkeit nun für sich entdeckt. In Peelings, Masken oder Zahncremes verwendet soll die schwarze Substanz für porentiefreine Haut beziehungsweise strahlend weiße Zähne sorgen. In den USA schwören Detoxfans auf die Kohle und mischen diesen Stoff Fruchtsäften bei. Angeblich sollen die so angereicherten Säfte Gifte im Körper binden und deren Aufnahme im Körper verhindern.

Wie erkenne ich Aktivkohle in der Liste der Inhaltsstoffe?

Da die mit Kohle angereicherte Kosmetik an der schwarzen Farbe gut zu erkennen ist, glauben viele Kunden, dass die Kohle im Produkt enthalten sein muss, wenn dieses schön schwarz ist. Tatsächlich ist das nicht immer der Fall. Gerne wird getäuscht und getrickst. In der Liste der Inhaltsstoffe ist die Aktivkohle mit den englischen Begriffen „charocal“, „activated charocal“ oder „charocal powder“ belegt. Manche Hersteller nehmen es nicht so genau, nach dem Motto „Hauptsache das Produkt ist schwarz“ und füllen lediglich den Farbstoff „ CI 77266 Carbon Black“ ins Produkt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Aktivkohle, sondern um synthetischen Ruß, wie er zum Beispiel auch in der Wimperntusche, im Eyeliner oder im Kajal zu finden ist.

Wirksamkeit in Kosmetika nicht belegt

Das Wundermittel Aktivkohle soll in Kosmetikprodukten etwa überschüssigen Talg von der Haut oder Beläge von den Zähnen entfernen. Wie das Magazin Stiftung Warentest bereits im August 2015 schrieb, ist die Wirksamkeit von Aktivkohle in Kosmetika nicht wissenschaftlich belegt.

Schwarze Schafe

Einige Produkte, die Aktivkohle enthalten sollen, sind nicht nur falsch deklariert, sie enthalten in einigen Fällen problematische Inhaltsstoffe, wie das Magazin Ökotest in der Januarausgabe 2016 berichtet.

Das Magazin testete 15 Produkte aus der Sparte der schwarzen Kosmetik und zeichnete lediglich fünf Kandidaten mit befriedigend aus, da alle weiteren Inhaltsstoffe dieser Testprodukte als unbedenklich gelten. Bei den schlechter bewerteten Kandidaten stießen die Tester auf PAK-Verbindungen, darunter Naphthalin, das in Verdacht steht, Krebs auszulösen. Naphthalin wurde früher als Hauptinhaltsstoff in Mottenkugeln eingesetzt. Neben PAK-Spuren wiesen die Tester bei einigen Produkten PEG-Verbindungen nach. Dabei handelt es sich um Emulgatoren. Bei Produkten, die länger auf der Haut verbleiben und die nicht sofort abgespült werden, gelten PEG-Derivate als bedenklich. Bei eigenen Recherchen sind wir auf weitere Inhaltsstoffe wie EDTA , synthetische Farbstoffe oder Parabene gestoßen. (Siehe Codecheck.info)

Aktivkohle bindet auch Vitamine und Nährstoffe

Bei an Durchfall oder Vergiftungen erkrankten Menschen macht es sicherlich Sinn, die Bakterien und Gifte mit der Kohle zu binden, damit diese ausgeschieden werden können. Ernährungswissenschaftler zweifeln jedoch am Nutzen neuer schwarzer Detoxsäfte mit Aktivkohle bei gesunden Menschen. Sie geben zu bedenken, dass die Kohle nicht zwischen gesunden und ungesunden Stoffen unterscheiden kann und deshalb auch wichtige Vitamine und Nährstoffe bindet –genau das, was die Säfte dem Körper ja eigentlich zufügen sollen. Problematisch wird es zudem, wenn der Konsument zeitgleich Medikamente einnimmt. Die Aktivkohle im Saft könnte auch bestimmte Wirkstoffe des Medikamentes binden und die Wirkung völlig aufheben.

Foto: Ruth Rudolf/pixelio.de


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