Zukunftsängste- das Wahlprogramm der AfD

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Erinnert ihr euch an den letzten Sommer? Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge stieg rasant und die Hilfe war überwältigend. Doch neben diesen vielen tollen Menschen, die sich engagierten und die Menschen willkommen hießen, gab es leider auch andere. Die, die Menschen, welche vor Krieg flüchteten, beleidigten oder sogar angriffen. Flüchtlingsheime brannten (und brennen) und die Demonstrationen gegen Flüchtlinge werden immer häufiger. Pegida und AfD nutzen den Satz “Wir sind das Volk” für ihre menschenverachtenden Reden und Taten. Und auch wenn momentan die Zahl der ankommenden Flüchtlinge sinkt, wird mit steigender Aggression und von immer mehr Menschen demonstriert. Wohl jeder hat die Bilder aus Clausnitz im Kopf. Und ich denke ich muss nicht viel mehr dazu schreiben, denn die derzeitige Situation in Deutschland ist jedermann bekannt. Doch wohin soll das noch führen?
Ich mache mir viele Gedanken dazu und mit jeder neuen Nachricht steigt die Angst. Hessen hat gewählt, ein kleiner Teil der hessischen Bevölkerung- 37,3%. Doch noch erschreckener als die niedrige Wahlbeteiligung ist das Ergebnis: Die AfD erhält 13,2% der Stimmen und ist somit drittstärkste Kraft. Aufgrund der bisherigen Nachrichten finde ich das wirklich bedenklich und nun habe ich das zum Anlass genommen, mir das Wahlprogramm der AfD mal genauer anzuschauen. Ich habe mir das Wahlprogramm zur Landtagswahl am 13.März 2016 von Sachsen-Anhalt angeschaut.
Die Vorderseite trägt den Slogan “Wir für unsere Heimat”

Schon das Vorwort bestätigt meine Meinung zur Partei.
Sachsen- Anhalt ist ein reiches Land- reich an Menschen mit gesundem Verstand…unerschöpflich reich an Geschichte.
Nirgendwo liegen so viele Wurzeln deutscher Geschichte wie hier. Wir sind stolz auf Sachsen-Anhalt. Unsere herausragende Geschichte aber steht in traurigem Widerspruch zur heutigen gesellschafftlichen Lage.
Die zügellose Masseneinwanderung bedroht unseren bescheidenen Wohlstand und unseren inneren Frieden. Eine einseitige Konzentration auf zwölf Unglücksjahre unserer Geschichte verstellt den Blick auf Jahrhunderte …

Oftmals wird bestritten, dass es sich bei der AfD um eine rechtsradikale Partei handelt, doch deren Reden und Taten sprechen eine andere Sprache. Und nachdem ich nun deren Wahlprogramm kenne, habe ich keinerlei Zweifel, dass es sich bei der AfD um eine rechtsradikale Partei handelt. Doch urteilt selbst.
Die folgenden Punkte sind Originalzeilen aus dem Wahlprogramm, dieses kann im Internet heruntergeladen werden.

Familienpolitik
Die Familienpolitik gilt für die AfD primär für die traditionelle Familie. In einem Punkt stehen sie für eine Freistellung von Kita-Gebühren ab dem 4. Lebensjahr. Für Kinder ist es wichtig mit anderen Kindern aufzuwachsen. Kindertagesstätten unterstützen und fördern das Erlernen sozialen Verhaltens. Im nächsten Punkt steht allerdings im Widerspruch dazu. Wir setzen uns dafür ein, dass Eltern frei zwischen einer Kinderbetreuung im Elternhaus oder in der Kindertagesstätte wählen können.
Das gesellschaftliche Experiment der Gender-Ideologie lehnen wir strikt ab, da es unserer Wertevorstellung entgegensteht.
…die sog. “Homo-Ehe” lehnen wir deshalb strikt ab. Dies gilt insbesondere für das Adoptionsrecht.

Den folgenden Absatz konnte ich zunächst gar nicht richtig glauben, denn er schägt vor HartzIV- Empfänger als Haushaltshilfen anzustellen, damit Berufstätige Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren können. Hat für mich einen üblen Beigeschmack und erinnert an Sklavenarbeit. Berufstätige Eltern gewinnen durch familienunterstützende, haushaltsnahe Dienstleistungen Zeit, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können….Dies kann in Zusammenarbeit mit den Jobcentern durch gemeinnützige Arbeitsinitiativen oder Arbeitsgenossenschaften erfolgen. Diese könnten Menschen, die haushaltsnahe Dienstleistung erbringen wollen, anstellen und für sie die damit verbundenen arbeits-, sozial- und steuerrechtlichen Verwaltungsaufgaben erledigen.

Auch zum Thema Bildung hat die AfD natürlich eine Meinung und diese lässt mich nur hoffen, dass diese Partei nicht noch mehr Wähler gewinnt.
…denn unser Bildungssystem ist akut bedroht. Das Leistungsniveau sinkt schon seit Jahrzehnten…Die Hauptaufgabe der Grundschule besteht darin, den Kindern die elementaren Fertigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens zu vermitteln. Wir fordern, darauf wieder mehr Gewicht zu legen und die Grundschullehrpläne entsprechend zu überarbeiten. …neben grundlegenden Kulturtechniken  müssen deshalb ebenso die klassischen preußischen Tugenden Geradlinigkeit, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Fleiß und Pflichtbewusstsein vermittelt werden. Um solche Tugenden zu vermitteln, bedarf es Autorität, weshalb die Stellung des Lehrers auch und gerade schulrechtlich zu stärken ist.
Weiterhin heißt es für die weiterführenden Schulen: …sondern auch Staatsbürger heranbilden…grundsätzlich positiver Bezug zum eigenen Land und eine gefestigte Nationalidentität. Die deutsche Geschichte und die Geschichte Sachsen-Anhalts bieten genügend Anknüpfpunkte, auf die wir uns mit Stolz berufen können. Auch Sport soll einen höheren Stellwert erhalten: Wir fordern deshalb, die Anzahl der Sportunterrichtsstunden pro Woche von zwei auf vier zu verdoppeln, wobei darauf zu achten ist, dass diese Zeit effizient genutzt wird und jeder Schüler einer gewissen körperlichen Belastung ausgesetzt wird.
Ebenso lehnt die AfD das ideologisch motivierte Großexperiment “Inklusion” ab. In Bezug auf Hochschulen sollen deutsche Studiengänge wiedereingeführt werden.

Natürlich bietet das Wahlprogramm auch einen kleinen Absatz zur Kulturpolitik.
2.8.1 Pflege der deutschen Leitkultur
Die Internationalisierung aller Lebensbereiche, die Herausbildung einer multikulturellen Gesellschaft auf deutschem Boden und der fehlende Mut zu unserer deutschen Leitkultur schwächen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und gefährden auf lange Sicht die Demokratie selbst….Die Bühnen des Landes Sachsen- Anhalt sollen neben den großen klassischen internationalen Werken stets auch klassische deutsche Stücke spielen und sie so inzenieren, dass sie zur Idendifikation mit unserem Land anregen.

Der Punkt 3 befasst sich mit Zuwanderung; Asyl und Intergration und im Gegensatz zu einer Seite Kultur kann man sich hier umfassend auf 10 Seiten zu diesem Thema informieren. Ich denke vielen ist die Meinung der AfD zu diesem Thema bekannt, schließlich verkünden sie diese ja stets öffentlich. Daher gibt es hier nur ein paar Stichpunkte: …in eine soziale Katastrophe…keine besondere Qualifikation…brauchen wir dringend eine demokratische Alternative, die sich in erster Linie an den Bedürfnissen unseres eigenen Volkes orientiert…in jedem Fall Vorrang vor Einwanderung…so viel Zuwanderung wie nötig…geschichtliches Bewusstsein, unsere Kultur und unsere Lebensweise…maximale Aufnahmequote…Taschengeld..sofort einzustellen…die keine Bleibeperspektive haben, dürfen gar nicht erst auf die Landkreise verteilt werden…zügige Rückführung.
Im selben Absatz findet man auch noch: Wir wollen weniger Anglizismen und Englisch im öffentlichen Sprachgebrauch und fordern stattdessen die Pflege der deutschen Sprache.

Im Absatz der Energiepolitik musste ich fast schon ein bisschen schmunzeln, denn die aktuelle Energiepolitik orientiert sich an einer zweifelhaften Klimaprognose.

Abschließend möchte ich noch ganz kurz auf einen Punkt unter Verwaltung erwähnen: Der staatliche Rundfunk soll künftig aus ein bis zwei Kanälen bestehen, die der Grundversorgung der Staatsbürger mit Informationen dienen und dabei ein strenges Neutralitätsgebot zu beachten haben.

Ich finde dieses Wahlprogramm sehr gefährlich und ich denke, ich bin da nicht die Einzige. Und ich frage mich, wie viele der AfD-Wähler dieses Programm überhaupt gelesen haben. Bitte teilt dieses Wahlprogramm und erzählt so vielen wie möglich davon. Denn unsere Geschichte hat schon einmal gezeigt, wohin eine solche Entwicklung führt. Es darf solche Sätze, wie “Ich hab davon nichts gewusst.” oder “Was hätte ich denn tun sollen.” nicht wieder geben.
Meine Kinder sollen eine unbeschwerte, glückliche Kindheit erleben, sie sollen tolerant und respektvoll gegenüber anderen Kulturen sein und sie sollen eine sichere und freie Zukunft haben.

Heike