Zeiten des Aufbruchs und Zeiten des Zuhause-Seins

Zeiten des Aufbruchs und Zeiten des Zuhause-Seins
"Mögen aus jedem Samen, den Du säst, wunderschöne Blumen werden, auf dass sich die Farben der Blüten in Deinen Augen spiegeln und sie Dir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.
"
Irischer Segenswunsch

Ihr Lieben,

ich möchte Euch heute Morgen eine Geschichte von Gina Ruck-Pauquet erzählen:
„Der Landstreicher und der Baum“

"Da stehst du nun", sagt der Landstreicher zum Baum. "Du bist zwar groß und stark, aber was hast Du schon vom Leben? Kommst nirgendwo hin. Du kennst den Fluss nicht und nicht die Dörfer hinter dem Berg. Immer an derselben Stelle! Du kannst einem leidtun!"

Er packt sein Bündel fester und geht los. "Da gehst Du nun", sagt der Baum. "Immer bist Du unterwegs. Hast keinen Platz, an den Du gehörst. Du kannst einem leidtun!"Der Landstreicher bleibt stehen. "Hast Du das wirklich gesagt?", fragt er und schaut zum Baum empor. "Wer sonst?", sagt der Baum. "Siehst Du hier jemanden außer mir?" "Ne", sagt der Landstreicher. "Meinst Du wirklich, was Du sagst? Ich geh in die Welt, Tag für Tag, ich kenne die Menschen und die Häuser mit den rotgedeckten Dächern..."
"Zu mir kommt die Welt", sagt der Baum. "Der Wind und der Regen, die Eichhörnchen und die Vögel. Und in der Nacht setzt sich der Mond auf meine Zweige." "Ja, ja", sagt der Landstreicher, "aber das Gefühl, zu gehen - Schritt für Schritt." "Mag schon sein", sagt der Baum, "aber das Gefühl, zu bleiben - Tag und Nacht."

"Bleiben", sagt der Landstreicher nachdenklich. "Zu Hause sein. Ach ja", sagt er.

Und der Baum seufzt: "Gehen, unterwegs sein können - ach ja."
"Wurzeln zu haben", sagt der Landstreicher, "das muss ein tolles Gefühl sein!"
"Ja", sagt der Baum, "ganz ruhig und fest ist es. Und wie lebt man mit den Füßen?" "Leicht", sagt der Landstreicher, "flüchtig und schnell." "Wenn wir tauschen könnten", sagt der Baum. "Für eine Weile." "Ja", sagt der Landstreicher, "das wäre schön."
"Lass uns Freunde sein", sagt der Baum. Der Landstreicher nickt. "Ich werde wiederkommen", verspricht er, "und ich werde Dir vom Gehen erzählen." "Und ich ", sagt der Baum, "erzähle Dir dann wieder vom Bleiben."
Ihr Lieben,

diese Geschichte ist auch die Geschichte unseres Lebens.
Denn in jedem Leben gibt es Zeiten des Aufbruchs, des Reisens, des Gehens und Schauens und auch Zeiten des Nachhause-Kommens, des Sich-geborgen-Wissens und des Ruhens.

Bei mir war das so, dass ich als junger Mensch, nachdem ich meiner Kindheit und Jugend entronnen war, gerne gereist bin. „Zuhause“ bedeutete mir damals nichts.
Ich wollte etwas von der Welt sehen, andere Länder und Kulturen, andere Menschen und andere Ansichten kennenlernen.
Heute verreise ich auch noch gerne, aber heute im Alter genieße ich vor allem das Zuhause-Sein, das Ruhen, das Sich-geborgen-Wissen.
Ich kenne in Bremen ein älteres Ehepaar, bei denen ist es genau umgekehrt:

Als junge Menschen haben sie sich nur auf ihre Ausbildung und dann auf ihren Beruf konzentriert (beide waren Ärzte). Heute im Alter aber reisen sie gerne durch die Welt.
Was die kleine Geschichte uns sagen möchte, ist dies:
Es gibt im Leben eines jeden Menschen Zeiten, wo wir unseren Standort verlassen und die Welt erkunden und sei es, um ein Ziel zu erreichen oder einen Traum zu verwirklichen.

Es gibt aber auch Zeiten, in denen wir gerne zu Hause sind und die Beständigkeit und Ruhe unseres Alltags genießen.
Beides ist für den Menschen wichtig:
Zeiten der Ruhe und der Rast und Zeiten des Aufbruchs und des Tätig-Seins.
Wichtig ist vor allem, dass wir begreifen, dass unser jeweiliger Zustand nicht der allein richtige für alle Menschen ist.

Wenn wir uns z.B. in der Phase der Häuslichkeit und der inneren Einkehr befinden, muss das nicht bedeuten, dass das auch die richtige Weise zu leben für unsere Kinder und Enkelkinder ist.
Besser ist es, unseren Kindern und Enkelkindern als „Baum“ Schutz zu geben, Rückzugsmöglichkeiten zu eröffnen, zu ihnen zu stehen, aber gleichzeitig zu akzeptieren, dass sie, um sich zu reifen Persönlichkeiten entwickeln zu können, „auf Reisen gehen müssen“.
Je mehr wir das akzeptieren, desto häufiger werden sie zu uns „alten Bäumen“ zurückkehren und dann wird zwischen ihnen und uns wie bei dem Landstreicher und dem Baum ein fruchtbarer Austausch möglich sein, der beide Seiten mit Fröhlichkeit und Zufriedenheit erfüllt.
Ihr Lieben,
ich wünsche Euch nun einen fröhlichen Start ins Wochenende und grüße Euch alle ganz herzlich aus Bremen.

Euer fröhlicher Werner 

Zeiten des Aufbruchs und Zeiten des Zuhause-Seins

Das Foto wurde von Karin Heringshausen zur Verfügung gestellt



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