Zeit ist Geld. Wirklich?

image Jeder kennt ihn. Jeder hat ihn schonmal gehört. Jeder hat ihn schonmal gesagt. Der Satz “Zeit ist Geld” geistert durch den Volksmund. Ist Zeit wirklich Geld?

“Schönen Feierabend”, “Ja, danke gleichfalls” so die gesellschaftliche Konvention am Ende der täglichen Erwerbsarbeitszeit. Da, wo Zeit tatsächlich Geld ist. Dann gehts ab nach Hause. Da, wo Zeit nicht Geld ist, aber trotzdem Arbeit mit sich bringt. So sieht es bei den Fleissigen aus.

Bei unseren reichen Mitmenschen, welche das Geld “für sich arbeiten” lassen, sieht es anders aus. Diese verdienen Geld mit Geld über eine gewisse Zeitdauer. Hier ist Zeit Geld. Genauer: Die Zeit des Fleissigen ist das Geld der Reichen.

Komisch, dass selbst die Fleissigen diesen Spruch nutzen. Sie merken oft nicht, dass sie damit eine Verbindung zwischen Geld und Arbeit herstellen, die gesamtgesellschaftlich mehr als fragwürdig ist: In unserer kapitalistisch geprägten Gesellschaft ist es wichtiger einer heteronomen und ggf. umweltzerstörenden Arbeit nachzugehen als sich um die eigenen Kinder zu kümmern oder die Eltern zu pflegen. Zeit ist Geld bedeutet, dass wir unsere Kinder so früh wie möglich in die KITA geben oder unsere Eltern zum Sterben ins Altersheim abschieben. Das ist keine Gesellschaft in der ich normal sein möchte.

Fragte man ein Mitglied eines Eingeborenenstammes der wenigen übrig gebliebenen Naturvölker, ob Zeit Geld ist: Er würde wohl nein sagen. Geld bedeutet für ihn nichts. Den Faktor Zeit weiss er dagegen zu schätzen.

Doch wo kommt dieser Spruch her. Grundsätzlich ist Zeit für einen Menschen immer Arbeit. Egal was man macht: Der Körper wendet Energie auf um eine Bewegung zu erzeugen. So definiert sich Arbeit. Nun hat unser kapitalistische Gesellschaftsordnung eine kommodifizierende Wirkung von Geld und Arbeit. Ohne Arbeit kein Geld. Folglich müsste Zeit gleich Geld sein.
Das wir uns damit einen Teufelskreis aus Abhängigkeit, Versklavung und Fremdbestimmmung als Gesellschaftliche Vision bilden entfällt den meisten.
Also überlegt zweimal, wenn euch dieser Spruch demnächst wieder auf der Zunge liegt.

Wir leben auf dem selben Planeten, sehen aber unterschiedliche Welten!