Xambo

Menschen, die Kinder bekommen, tun das oft in dem Gefühl dass etwas von ihnen "bleiben" sollen, dass etwas – oder jemand – sie überdauert.Wir, die wir unsere Herzen an einen Hund verschenken, tun dies immer in dem Wissen, dass der Hund vor uns wird gehen müssen. Wir schenken unser Herz in dem Wissen, dass es uns zerrissen werden wird.Die, die einen älteren, einen alten Hund aufnehmen und doch ihr Herz nicht zurücknehmen, nicht zügeln, die wissen, dass der gemeinsame Weg nicht mehr lang sein kann. In dieser Perspektive dennoch zu lieben, vorbehaltlos, scheint mir eines der mutigsten Dinge zu sein, zu denen ein Menschenherz fähig ist.
Xambo war nicht nur alt, er war auch krank, und er hatte das Leben nur als Leiden kennengelernt. Michael und Carina haben ihm fünf Jahren ein neues, ein glückliches Leben geschenkt, von dem sie wussten, dass es nicht lange dauern könnte. Jede Lebensspanne, die nicht "ewig" heisst, wäre für diese große Freundschaft zwischen Mensch und Hund zu kurz gewesen.
Xambo musste gestern gehen. Michael und Carina haben ihre letzte Hundehalterpflicht mit Großmut erfüllt: Sie haben ihn gehen lassen, ihm den Abschied noch erleichtert.
Ich kenne diese Momente, in denen man, wenn man ganz still sein kann, ein Bersten und Knacken hört, und leise zu sich sagt: So ist es, wenn Dir das Herz bricht.
Und dennoch behaupte ich nicht, ich könnte Euch verstehen. In die Trauer um ein derart geliebtes Tier mischt sich die Einsamkeit, vor der wir die Augen nicht verschliessen können. Die Einsamkeit der großen, unverstandenen Liebe. Die einzige Einsamkeit, aus der uns die Freundschaft unserer Hunde niemals befreien kann.