Wurde in Meissen vielleicht etwas zuviel Porzellan zerschlagen?

Mehrere Medien berichten dieser Tage darüber, dass in Meissen größere Lagermengen an Porzellan auf Weisung des Managements zerstört wurden. Über diese künstliche Form der Begrenzung einer Warengruppe kann man geteilter Meinung sein. Natürlich bestimmt die Nachfrage das Angebot. Aber andersherum hat bspw. der Porzellanmaler, der in liebevoller Handarbeit eine Skulptur bemalte im Regelfall nicht nur einfach seinen Job gemacht. Und niemand sieht es gern, wenn er nur für den Rundordner oder wie hier geschehen für die Tonne arbeitet.
Dieses Prozedere kann der Meissner Porzellanmanufaktur auf die Füsse fallen. Nichts ist schlimmer als ein demotivierter Mitarbeiter. D.h. ein Mitarbeiter, der die berühmte innere Kündigung ausgesprochen hat. Denn wer hindert ihn zu gehen?
Einige Kilometer weiter nördlich im schwedischen Glasreich kann man schon einmal studieren, wie diese Geschichte vielleicht in Meissen weiter gehen könnte. Ende der 1990er Jahre hatte die Orrefors Kosta Boda AB ein weltweit verzweigtes Händlernetz. Uns erreichen heute noch manchmal Anfragen mit Kopien aus alten Händlerkatalogen der 1990er Jahre wo Kunden dies und das suchen und es oft für uns nicht leicht ist, dies zu besorgen.
Denn nach Übernahme der Orrefors Kosta Boda AB durch die New Wave Group vor einigen Jahren kam es zu Massenentlassungen und der Schließung einiger Glashütten. Nachvollziehbar dass sich dies nicht gerade positiv auf die Motivation des verbliebenen Personalbestandes auswirkte. So verliesen neben den zur Entlassung anstehenden Mitarbeitern auch einige Mitarbeitern das Unternehmen freiwillig. Ein Effekt den jeder Personalsachbearbeiter, auf Neudeutsch Human Ressource genannt, am Anfang seiner Ausbildung eingebleut bekommt. Es ist die berühmte Kurve des Change Management.
Dabei war gar nicht die Frage wieviele Mitarbeiter freiwillig gingen, sondern wer da ging? Denn wie in einer Porzellanmanufaktur der Porzellanmaler unersetzlich ist, ist es in der Glashütte der Glasbläser bzw. Formgeber wie die Schweden sagen. Denn ein guter Glasbläser der Glas in Ariel und Überfangtechnik bläst, der benötigt allein täglich einige Kollegen, die ihm zur Hand gehen.
Und natürlich verbindet der Kunde immer die Glashütte mit dem Namen des Glasbläsers. Wenn ein am Markt etabliertes Manufakturprodukt des Glasbläsers XYZ nicht mehr von der Glashütte ABC angeboten wird, dann wendet sich der Kunde ab. Und wenn der Kunde dann feststellt, dass der Glasbläser XYZ mittlerweile in seinem eigenen Glasstudio arbeitet, dann wird der Kunde eben dort bestellen. D.h. die Glashütte verliert Umsatz.
Genau dieser Effekt ist Ende 2010 im schwedischen Glasreich zu beobachten. Die in den letzten Jahren realisierten Entlassungen sind nicht spurlos an der Orrefors Kosta Boda AB vorbei gegangen. Der Standort Orrefors wird mehr und mehr zum Auslaufmodell. Vorsichtig ausgedrückt kann man sagen, dass das Sortiment des Kristallshop in Orrefors sehr übersichtlich ist. Am Standort Kosta betreibt die New Wave Group ein großes Outlet mit angeschlossenem Hotelbetrieb, so dass die Ursprünglichkeit des Glasbläserdorfes Kosta schon lange verloren ging, da das Sortiment des Outlet eben leider nur noch sehr wenig mit Glas zu tun hat. Produkte Made in China dominieren dort eher. Nur die kann man halt auch anderswo kaufen. Wer fährt bspw. von Deutschland in das schwedische Glasreich, um im Kosta Outlet Center einen Grill zu kaufen, der in China produziert wurde?
Dafür entstehen aber ringsum zwischen Kalmar und Växjö viele kleine Glasstudios. Fragt man die Glasbläser, dann sind dies nahezu durchweg ehemalige Schüler der weltbekannten Orreforser Glasschule und haben oft auch zahlreiche internationale Referenzen. Sie, die Glasbläser brauchen sich um ihre Zukunft nicht zu fürchten. Dank Internet kann heute auch ein kleines Glasstudio sehr wirtschaftlich weltweit verkaufen. Aber wo ist dann der Grund für den Kunden in das Outlet nach Kosta zu fahren? Um eine Hose, ein Buch, Schuhe oder Angelzubehör zu kaufen? Dies gibt es auch anderen ortes.
So steht abschliessend die Frage: Wird es vielleicht bald eine ähnliche Entwicklung in Meissen geben? Bei aller Achtung vor dem altehrwürdigen Namen Meissner Porzellan kann sich die jahrhundertealte Tradition nur dann fortsetzen, wenn das Personal mitspielt. Nicht auszudenken, wenn die ersten Porzellanmaler auf die Idee kommen, eigene Studios zu eröffnen.
Erhalten wir dann ein zweites Glashütte / Sa.? Denn auch hier gilt leider schon lange: Eine Glashütter Uhr muss nicht zwingend zu 100% in Glashütte gefertigt sein, wie wir bei Recherchen für unser Manufakturwaren.eu lernen durften. Manch Unternehmen betreibt anscheinend gar nur ein Büro in Glashütte / Sa. um dann sagen zu können, die Uhren kommen aus Glashütte. Es war schon recht eigenartig, wie uns manch Zeitgenosse gegenüber trat. Aber das ist eine andere Geschichte.

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