Wulff und die NSU: Der zweite Sturm im Wasserglas

Wulff und die NSU: Der zweite Sturm im WasserglasNach den geltenden Gesetzen der Mediendynamik hätte es Nordine Amrani in der Hand gehabt. Der gebürtige Nordafrikaner, der in Lüttich sieben Menschen erschoss und mehr als 120 weitere verletzte, wäre in der Lage gewesen, Bundespräsident Christian Wulff herauszuhauen. Es fehlte nicht viel: Ein anderer Name, eine Herkunft vielleicht aus Sachsen oder Thüringen, ein Käppi mit einem aufgenähten rosaroten Panther.
Niemand hätte mehr gefragt, warum der erste Mann im deutschen Staat finanziell nicht in der Lage ist, sich ein Haus zu kaufen. Und wenn er das nicht ist, wieso er dann über seine Verhältnisse leben und trotzdem eines kaufen muss. Und wenn er eins kauft, warum dann nicht auf einem Weg, wie ihn jeder Normalbürger zu seinem Häuschen zurücklegt. Eigenanteil nebst Bankkredit und dann zahlen, zahlen, zahlen.
Nun ist der Bundespräsident "unter Druck", wie die "Tagesschau" noch mit einem milden Murren vermerkt. In der Süddeutschen Zeitung, die ihren besten Mann derzeit leider zur NSU abgestellt hat, wärmt der zweite Sturm den alten Tee von der "Maschseebande" auf. "Hannover-Bande" heißt der Text, den Nordine Amrani mit Sicherheit hätte verhindern können: Ein Bekennerpamphlet mit Verweisen auf die Kreuzzüge. Ein Sarrazin-Buch im Waffenkoffer. Politically Incorrect in der Favoritenleiste des Computers zu Hause. Auf dem Wohnzimmertisch ein vergessenes Exemplar des Bekennervideos der NSU. Und im Nachtschrank am besten noch ein Mitgliedbuch der NPD.
Ein Traum. Die europäische Spur! Endlich. Neues Futter für den rosaroten Thriller, an dem seit Anfang November ein ganzes Land mitschreibt. Ein braunes Netzwerk bis nach Narvik, nach Lüttich und Malaga. Internationale Verbindungen. Reisebedarf zur Recherche. Brennpunkte ohne Ende. Sittenbilder aus kleinen Gemeinden auf dem ganzen Kontinent. Triste Reportagen aus Kleinstädten, die aussehen wie Johanngeorgenstadt, nur dass sie Vrouwenboom heißen. Hinweise darauf, dass belgien schon immer rechter war als viele andere Ländern. Vlaams Belang und die Spur zu den Republikanern. „Blood and Honour" in Flandern und die Hammerskins in Hintertupfingen. Eine neue Dimension rechtsextremer Gewalt.
Die Welt, im Zuge der NSU-Ermittlungen zu einem Zerrbild voll feuerfester Notizzettel, unabgeschickter Bekennervideos ohne Anschreiben und Terrorhelfer ohne Handwaffe verschwommen, wäre wieder ein Stück fassbar geworden. Die führenden Talkshow-Veranstalter hätten gewusst, welche Experten und Bedenkenträger eingeladen werden müssen, die besten Schreibkundigen hätten von ihren jahrelangen Recherchen im rechten Milieu der Beneluxländer erzählt und im "Spiegel" hätte ein stylische Schwarz-Weiß-Bildstrecke noch einmal an Hitlers Durchmarsch durch Belgien erinnert.
Nur hat Nordine Amrani nicht mitgespielt. Nicht der Kontinent, nein nur "die Stadt ist erschüttert und rätselt über die Motive des Schützen, der ebenfalls zu Tode kam", schreibt der "Spiegel". Der Täter sei wohl "ein vorbestrafter Waffennarr und Drogenhändler" gewesen. Auf jeden Fall handele es sich um einen Einzeltäter ohne politische Motivation.
Für das führende Nachrichtenmagazin enttäuschend, für Christian Wulff verheerend. Was an Spalten gefüllt werden muss, wird er füllen müssen.
Ein Land schreibt einen Thriller:
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