Wozu bloß Kindheitserinnerungen?

Banjarmasin, Lukas

Die einen Menschen erinnern sich kaum an die eigene Kindheit, andere haben bereits erstaunlich frühe Erlebnisse abgespeichert. Woran erinnerst Du dich? Manchmal hilft ein altes Bild aus der Kartonschachtel im Estrich, um eine Erfahrung wieder wach zu rufen, und an dieser einen Geschichte hängen dann plötzlich viele andere dran. Oben ein altes Bild von mir auf einem Bootssteg am Barito in Kalimantan.

Es gibt Leute, die erinnern sich nur an die allerschlimmsten Erlebnisse in der Kindheit, und bei anderen ist es genau umgekehrt, das Schlimme wurde ausradiert, und übrig blieben die Blumen. Das geschieht auch sonst gerne, wenn jemand von der Guten-Alten-Zeit spricht – und das ist gar nicht so übel. Wenn Du dich erinnerst, suchst du dann die Wahrheit oder die Schönheit?

Es gibt immer wieder Fälle, in denen sich Leute an Dinge erinnern, die sich gar nicht zugetragen haben. Irgendwann hat sich wohl im Kopf die eigene Vorstellung aus anderen Informationen zusammengefügt und man hat es auf die eigene Biografie übertragen. Da gibt es viele originelle Studien dazu, vor allem mit gefälschten Kindheitsbildern, die ein Erlebnis „beweisen“ sollen. Wäre es schlimm, wenn deine schönste Kindheits-erinnerung in Wirklichkeit gar nicht passiert wäre?

Vor fünfhundert Jahren gab es keine Dokumentationsmöglichkeit für die normale Bevölkerung. Wie unterschied sich die damalige Kindheitserinnerung von Deiner heutigen? Und fünfhundert Jahre in der Zukunft wird die Foto-Film-GPS Dokumentation für jeden lückenlos sein. Ist das viel besser?

Soll man sich überhaupt die Mühe nehmen, um sich an Kindheitserlebnisse zu erinnern? Auch da gehen die Meinungen auseinander: für die Einen ist es ein muss, und es wird mit Familienaufstellungen und vielen anderen Methoden das Detail aufgearbeitet. Für Andere ist es eine Spielerei, und regt ein wenig das Denken an, hat Unterhaltungswert. Und wieder andere sagen: ich habe keine Verwendung für meine Vergangenheit. Zu welchen zählst Du dich? Ist Deine Wahl zufällig oder geplant?

Mein Erstes Tagebuch habe ich in Indonesien, mit fünf Jahren, im Jahr 1963 geschrieben. Nachfolgend eine Seite daraus. Meine Eltern haben mich mitten in der Nacht geweckt, um den berühmten Kometen Ikeya, einer der auffälligsten Kometen des letzten Jahrtausends zu bestaunen (zum Kometen im Wikipedia hier). Ich erinnere mich gut daran, wie ich barfuß und im Pyjama mit meinen Geschwistern draußen stand, todmüde natürlich, und alle schauten wir nach oben in den Sternenhimmel. Es war mir folgender Tagebucheintrag wert:

Tagebucheintrag Lukas 1965Vom Komet
Ik ha e mal znakt vak gsi und to si mer go te komet luege. er is schön. obe isch es klises schtärntli und schön boge uv äi site. und gross und glänzig ischer.

(Ich habe einmal nachts wach sein können und da sind wir den Komet anschauen gegangen. Er ist schön. Oben ist ein kleines Sternchen und ein schöner Bogen auf eine Seite. Und gross und glänzend ist er)


ACHTUNG, wieder mal die Facebook-Teilen info:
Der Facebook-Sharing-Button unten funktioniert trotz upgrade die ersten paar Tage nicht richtig. Gute Alternative:
Auf grünen “More Options” Button rechts klicken und dann einfach dort Facebook auswählen!


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