Wiederholungstäter

Und jährlich grüßt das Murmeltier. Es verkommt so langsam schon zu einer Gewohnheit, dass diesem Blog bei jedem längeren Russlandaufenthalt neues Leben eingehaucht wird. Gerade eben hat sein drittes Leben begonnen: nach den “Sibirischen Anekdoten” und den “Provinzanekdoten” folgen nun die “Anekdoten aus der großen Stadt” – der Untertitel bleibt, wie gehabt und bezeichnend, gleich.

Seit gestern Abend, 23.00 Uhr, bin ich in Moskau. Für das nächste halbe Jahr wird die russische Hauptstadt meine neue Heimat sein. Wie jedes Mal ist meine Freude, endlich wieder in Russland zu sein, von dem kleinen und größeren alltäglichen Chaos, unfreundlich scheinenden und seienden Gesichtern und dem Wohlklang der russischen Sprache umgeben zu sein, groß. Euphorie kam allerdings zu keinem Zeitpunkt auf. Das mag darauf zurückzuführen sein, dass sich meine oftmals bis zum Fanatismus ausgeartete Liebe zu Russland mit der Zeit immer mehr abstumpft. Oder aber darauf, dass meine letztjährigen Erfahrungen in Voronezh, unzählige Berichte von russischen Freunden über die politische und gesellschaftliche Situation seither, sowie die letzten erfolgreichen “Demodernisierungsmaßnahmen” von Seiten verschiedener politischer und gesellschaftlicher Akteure meine bis vor gut anderthalb Jahren noch existente überwiegend positive Einstellung zu Russland gehörig erschüttert haben.

Dennoch freue ich mich auf die kommenden Monate. Ich werde versuchen, mit vorwiegend kleineren Einträgen den von mir erlebten Moskauer Alltag sowohl schriftlich, als auch fotografisch, festzuhalten. Doch auch Neues aus der russischen Politik und meine Sicht der Dinge sollen, lässt es die Zeit denn zu, hier ihren Platz finden. Anregungen, Fragen und Kritik von Eurer Seite sind – wie immer – sehr willkommen.