Wieder so ein Tag

Der erste Satz des Tages: „Du musst sofort aufstehen, es ist schon Viertel vor sieben und ich muss heute früher zur Arbeit!“ Ein klares Zeichen, dass man sich sofort die Decke über den Kopf ziehen und den Rest des Tages im Dämmerschlaf verbringen sollte. Aber was tut man stattdessen? Man schlurft in die Küche, wo man sich zuerst einmal mit dem Teig zu schaffen macht, damit das Prinzchen frische Brötchen zum Krippengeburtstag bringen kann. Und dann gleich noch einmal Teig, denn man hat ja versprochen, dass es im Familienzentrum heute Kuchen zum Dessert gibt und der wird ja nicht von selbst, auch wenn jetzt eigentlich die Raubtierfütterung auf dem Programm steht. Heute also nur unter reduzierter mütterlicher Aufsicht, was natürlich einige der Raubtiere zum Spielen und Streiten verleitet. Nachdem die Raubtiere satt, sauber und auf dem Weg zur Schule sind, kommt der Haushalt dran, aber der hätte so viel Zuwendung nötig, dass ich es bei einem kurzen Brief an die Putzfrau belasse: „Musste heute früh backen, bitte entschuldige das Chaos.“ Danach ab unter die Dusche und dann mit Teig, Geburtstagsbrötchen und Springformen los zur Arbeit, wohin ich es gerade noch pünktlich schaffe, weil meine Mutter sich des Prinzchens, der unbedingt mit seinem neuen Laufrad in der Krippe aufkreuzen will, annimmt. 

Der Arbeitsmorgen ist auch nicht gerade beschaulich, aber immerhin etwas überschaubarer, weil ich hier nur einen Job zu erfüllen habe und nicht drei oder vier zur gleichen Zeit. Dennoch bin ich ganz schön geschafft, als ich nachmittags mit einer widerspenstigen Kinderschar – Einer weigert sich, die Schuhe anzuziehen, der andere scheint sich Petersilie in die Ohren gestopft zu haben, um keine mütterlichen Anweisungen hören zu müssen und der Dritte heult schon wieder, weil irgend etwas total unfair war –  zu Hause ankomme. Also sofort hinlegen und zwar alle, inklusive Mutter. Nach drei Minuten sind alle wieder auf den Füssen. Alle, ausser die Mutter, denn die schnarcht und würde nicht eines der Kinder irgendwann zu schreien anfangen, wir kämen viel zu spät zum Schwimmkurs. 

Wir kommen nicht viel zu spät, nur zu spät. Und dann stelle ich an der Kasse fest, dass das Portemonnaie zu Hause geblieben ist. Also schnell den Zoowärter, der noch keinen Eintritt bezahlen muss und der in dieser Saison unser einziger Schwimmschüler ist, in die Badehose zwängen, bei der Schwimmlehrerin abliefern und wieder zurück nach Hause düsen, wo das Portemonnaie unauffindbar ist. Also schnell eine herumstreunende Zwanzigernote auftreiben und wieder zurückrasen, damit der Zoowärter keine Angst kriegt und die anderen Kinder doch noch zu ihrem Badevergnügen kommen. Nach zwei Stunden auf der Treppe des Kinderbeckens – „Ja, Luise, du darfst noch dreimal vom Sprungbett springen, ja, du auch, FeuerwehrRitterRömerPirat. Halt, Prinzchen, nicht auf den nassen Fliesen herumrennen! Hilfe, der Zoowärter hat sich in einen gefährlichen Tyrannosaurus Rex verwandelt und will mich fressen!“ – bin ich komplett durchgefroren und ziemlich genervt, weil zuerst keiner aus dem Wasser will und sich dann alle in den Garderobenschränken verstecken. Mir scheint, so langsam werde ich heiser…

Zu Hause erwartet mich „Meiner“ mit der Nachricht, dass Karlsson vom Kinderorchester abgeholt werden muss und so sitze ich wenige Minuten später schon wieder im Auto. Diesmal immerhin ohne drei Streithähne auf den hinteren Sitzen. Und man lese und staune, ich komme sogar pünktlich an, um Karlsson in Empfang zu nehmen. Wenig später sitzen wir alle am Tisch und man wünschte sich, dass es jetzt allmählich ruhiger wird, bis man schliesslich den Abend bei Kerzenschein und einem netten Gespräch mit „Meinem“ ausklingen lassen kann. So etwas gibt es tatsächlich, aber doch nicht an einem solchen Tag. Und darum dauert es nicht lange, bis das ganze Haus wieder summt wie ein Bienenstock. Die Kinder räumen ihre Zimmer auf und können sich nicht entscheiden, ob sie sich nun kooperativ zeigen wollen oder nicht, „Meiner“ schneidet Kuchen für die Verkleideten, die im Minutentakt an der Türe klingeln und Süsses verlangen, damit wir kein Saures kriegen, aber von all dem bekomme ich nichts mehr mit, denn ich bin schon längst wieder abgerauscht, weil da noch eine Sitzung bevorsteht.

Wenn ich jetzt so auf den Tag zurückblicke, dann dünkt mich, es wäre eindeutig gemütlicher gewesen, wenn ich mir heute früh die Decke über den Kopf gezogen hätte. 

Wieder so ein Tag



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