Wie man Europa verliert

In 9 Tagen werden die ersten Prognosen zur Europawahl über den Bildschirm flimmern, und quer durch Europa werden jene Parteien mit teilweise deutlich zweistelligen Ergebnissen in das Parlament einziehen, die es am liebsten abschaffen würden. In einer Reihe europäischer Staaten werden diese Parteien sogar als stärkste Fraktion einziehen, das kann ihnen zum Beispiel in Österreich gelingen, selbst in Frankreich ist es nicht auszuschliessen.

Quer durch die Medien sind daher in den letzten Tagen hektische Bemühungen zu erkennen, diesen Trend zu stoppen. Eine ähnliche Artikelwelle befaßte sich kurz vor der Bundestagswahl in vergleichbarem Ton mit der AfD - mit bekanntem Ergebnis. Sie bekam im Endeffekt doppelt so viele Stimmen, wie ihr Umfragen vorhersagten. Damals stand sie in Umfragen bei 2-3 Prozent. Jetzt steht sie selbst im Deutschlandtrend bei sieben Prozent. Und da kann man sich noch so sehr überschlagen: In jedem dieser Artikel steht zwar, dass es falsch ist, einer solchen Partei seine Stimme zu gaben, und die meisten dieser Artikel haben auch recht damit. Aber was eben zwischen den Zeilen steht, ist etwas anderes:
Wenn ich aus welchem Grund auch immer unzufrieden bin mit "der EU", dann macht mein Kreuz hier einen Unterschied.

Und wenn ich mir die Plakate aller anderen Parteien da draussen so ansehe, ich stehe bei Diskussionen darüber wirklich auf verlorenem Posten. Die FDP, die scheinbar den Wahlkampf ausfallen läßt, hat damit so gesehen die ehrlichste Kamapgne: Kein Geld für den Unsinn. Bei der CDU könnte ich nicht mal sagen, wen ich da jetzt eigentlich wähle. Juncker? McAllister? Merkel? Die werden sich auf jeden Fall umgucken am 25. Mai. Und die SPD? Plakatiert in AfD-Farben, auch eine gute Einzelleistung. Die Linkspartei scheint die alten Bundestagwahlplakate hervorgekramt zu haben.

Worum geht es bei dieser Wahl? Mal ganz ehrlich: Ich habe keinen blassen Schimmer. Ich werde hingehen, damit das Ergebnis der AfD nicht ganz so prachtvoll wird, aber eigentlich ist es nicht mal das. Ich wähle hier gleichzeitig einen Bürgermeister, den Kandidaten kenne ich persönlich, das macht die Etnscheidung leicht, seine Tochter ist eine Kollegin von mir, und da haue ich dann halt mein anderes Kreuz auch noch weg.
Und ich vermag nicht mal in Worte zu fassen, wie traurig mich das eigentlich macht. Europa sollte so viel mehr sein. Europa könnte so viel mehr sein. Aber ich habe nicht mal mehr Lust, diese mittlerweile teilweise Jahrzehnte alten Träume von gemeinsamer Finanz- und Steuerpolitik, gemeinsamer Aussenpolitik, gemeinsamer Sozialpolitik, gemeinsamer Umweltpolitik und vor allem auch echter Demokratie hervorzuholen. Es ist ein bisschen so, als würde man sich Fotos von seinen toten Haustieren ansehen - so schön das alles mal war, irgendwie sieht man doch nur den Verlust.

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