Wie Georg Elser Hitler 1939 fast getötet hätte

Georg Elser

Der Mann, der Hitler 1939 fast getötet hätte: Georg Elser

Elser war ein einfacher Schreiner, der sich nie sonderlich für Politik interessierte, aber einen klaren moralischen Kompass hatte. Im November 1939 scheiterte das Attentat auf Hitler nur denkbar knapp. Monatelang hatte er die Tat akribisch geplant – ganz allein .
Konstanz, den 8. November 1939: In den Abendstunden liegen Nebelschwaden über dem kleinen Grenzstreifen zwischen Deutschland und der Schweiz. An der kontrollierenden Zollstation herrscht routinierte Langweile, immerhin erlaubte der Postenführer den beiden Diensthabenden, die Rede des Führers zum 15. Jahrestag des Hitlerputsches im Münchner Bürgerbraukeller zu hören, was ein wenig Abwechslung versprach. Doch um halb neun sah der Grenzposten Reitling mit seinem Fernglas einen Mann, der sich, vorsichtig um sich schauend, in Richtung schweizerische Grenze bewegte. „Ich glaube, ich habe mich verlaufen“, antwortete der schüchtern, keineswegs aggressiv wirkende Mann vorsichtig auf Nachfrage. Er wies sich als Georg Elser aus. Das Misstrauen bei den Grenzern wuchs, als sie eine Anstecknadel des Rotfrontkämpfer-Bundes an seiner Jacke entdeckten und den Tascheninhalt des Mannes durchsuchten. Sie fanden Schraubenteile eines Weckers und eine Postkarte aus dem Münchner Bürgerbräukeller. Als um 22 Uhr die Meldung über den Ticker kam, dass nach der Rede Hitlers eine Bombe im Wirtshaus der bayerischen Landeshauptstadt explodiert sei, wandelte sich das Staunen der Grenzer über den sonderbaren Flüchtling in einen konkreten Verdacht. Nach mehreren Verhören durch die SS und nachdem sich Himmler persönlich des Falles angenommen hatte, gestand Elser am 13. November die Tat. Fieberhaft suchten die Behörden nach Mittäter, nach den „ausländischen Anstiftern“ des „feigen Anschlages auf den Führer“, wie die NS-Propaganda tagelang tönte – ohne jeden Erfolg, denn es gab keine. Elser wurde als „Sonderhäftling des Führers“ zunächst im KZ Sachsenhausen, später in Dachau interniert. Die Nationalsozialisten wollten Elser in einem spektakulären „Schauprozess“ nach dem Krieg aburteilen. Tage vor dem Kriegsende wurde Elser ermordet.

Einzelgänger und Überzeugungstäter

Auch die Forschung konnte lange Zeit nicht glauben, dass einer wie Elser ohne Hilfe und Unterstützung zu einem solchen Attentat fähig gewesen sein sollte. Ein einfacher Handwerker, der nie den Politikteil einer Zeitung gelesen hatte, ein sonderbarer Einzelgänger, der nie viel redete und kaum enge Freundschaften unterhielt. In Königsbrunn in einfachen Verhältnissen geboren, galt Elser in seinen Lehrjahren als Möbelschreiner als außergewöhnlich talentiert und gewissenhaft. Sein Leben bestand vor allem aus Arbeit, aus der er Befriedigung und Anerkennung bezog. Für Politik hatte sich der sensible und auch musisch begabte Elser nach Aussagen von Freunden eigentlich nie interessiert. Zur Mitgliedschaft im „Rotfrontkämpferbund“ ließ er sich von Kollegen überreden, KPD-Mitglied war er nie. Seine intuitive Aversion gegen das NS-Regime entwickelte sich aus seinen konkreten Erfahrungen, wie sich die soziale Wirklichkeit in seiner Umgebung verschlechtete. Die Löhne waren immer niedriger geworden und der einfache Arbeiter in seiner Arbeitsplatzwahl plötzlich nicht mehr frei gewesen, sagte er später bei einer Vernehmung aus.

Das Attentat

So reifte in ihm im Herbst 1938 langsam der Entschluss, Hitler auf eigene Faust zu töten. Akribisch bereitete er seine Tat vor: Er inspizierte monatelang die Gegebenheiten vor Ort, experimentierte mit Sprengstoff im elterlichen Obstgarten und arbeitete ab September 1939 über 30 Nächte auf der Galerie des Bürgerbräukellers, um die „Höllenmaschine“ in einer Säule zu platzieren. Als am 9. November um 21.20 Uhr die Bombe explodierte und das Lokal fast komplett zerstörte, war Hitler bereits auf dem Rückweg nach Berlin. Er hatte seine traditionelle Propagandarede zu dem Jahrestag der „gefallenen Märtyrer“ von 1923 an historischer Stätte dieses Jahr wegen dringender Termine in Berlin außergewöhnlich kurz gehalten und sofort danach den Saal verlassen, 13 Minuten vor der Detontation. Hitler nützte das überstandene Attentat propagandistisch geschickt zur eigenen messianischen Überhöhung aus. In einer ersten Reaktion sagte er, er fühle sich bestätigt, „daß die Vorsehung mich mein Ziel erreichen lassen will“.

In der Nachkriegszeit geriet Elser in völlige Vergessenheit, was sich erst in den letzten Jahren zögerlich änderte. 2011 erhielt Elser auf Initiative des Schriftstellers Rolf Hochhuth in Berlin ein offizielles Denkmal in Berlin-Mitte.

Wie Georg Elser Hitler 1939 fast getötet hätte Weiterführende Lektüre: Helmut Ortner, Der Attentäter Georg Elser: Der Mann, der Hitler töten wollte, Springe 2013 Georg Elser Denkmal

Das Denkmal für Georg Elser in Berlin, Simon Q, cc-Lizenz.

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Wie Georg Elser Hitler 1939 fast getötet hätte

Der Münchner Christoph Marx ist freier Publizist, Lektor und Redakteur und lebt und arbeitet in Berlin. Er veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.

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