Wie entstehen eigentlich Manufakturprodukte?

In der heutigen Zeit vergißt man oft allzu schnell woher das eine oder andere Produkt, dessen Existenz wir heute wie selbstverständlich voraussetzen, eigentlich kommt und wie es einmal entstand. So kann man davon ausgehen, dass nahezu alle Produkte, die wir heute nutzen ursprünglich einmal in Manufakturbetrieb entstanden. Ganz einfach deshalb, weil nur eine Manfufaktur die Möglichkeit bietet, das einer oder andere ausprobieren zu können.
Der Deutsche Gottlieb Daimler (1834 - 1900) hätte nie und nimmer das Automobil in einer überdimensionierten Werkhalle erfinden können, in der es von Automaten nur so wimmelt. Genauso ist es dem Deutschen Phlipp Reiss (1834 - 1874) gegangen, als er sich Gedanken darüber machte, wie man mittels des elektrischen Stromes Gespräche zwischen zwei entfernten Orten führen kann.
Beide Erfinder stehen beispielhaft für die Tatsache, dass die Produktion in Manufakturbetrieb in sehr enger Verbindung zur Kreativität des Menschen steht. Denn nur in einer entsprechenden Umgebung kann sich Kreativität entwickeln. Dazu gehört auch der Umstand, dass Vorangegangenes, als Geschichte und Tradition einen sehr großén Einfluss auf die Kreativität des Einzelnen hat.
Und natürlich spielt auch der regionale Bezug eine entscheidende Rolle. Hätte Herr Gottlieb Daimler auf Grönland gewohnt, dann hätte er vermutlich den Motorschlitten erfunden und nicht das Automobil. Dies erklärt auch, warum im Jahre 2010 erzgebirgische Kunsthandwerker, die in Manufakturbetrieb die beliebten Weihnachtspyramiden u. a. Weihnachtsartikel in Handarbeit fertigen weltweit berühmt sind. Auch hier ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Holzschnitzer in anderen Regionen keine Existenzberechtigung hätten und real auch haben. Ganz einfach deshalb, weil die Fertigung in Manufakkturbetrieb auch die Verwendung regionaler Rohstoffe bedingt. Und Waldgebiete sind nun einmal in der Sahara eher wenig verbreitet.
Daraus läßt sich das Fazit ableiten, dass Manufakturprodukte nahezu immer unter Verwendung regionaler Rohstoffe entstehen und nur dann erfolgreich vermarktbar sind, wenn sich die Kreativität der Schaffenden in den Produkten wiederspiegelt. Dies wiederum ist nur möglich, wenn sich regionale Geschichte und Tradition in der Kreativitätsphase des Schaffenden wiederspiegelt.
So entsteht aus den Faktoren regionale Rohstoffe, Geschichte und Tradition ein interessantes Spannungsfeld der Kultur- und Kreativitätswirtschaft. Denn sie bedingen einander. Wird einer dieser Faktoren vernachlässigt, dann entsteht eine gesichtslose Kreativität, welche vielleicht im konkreten Moment die Aufmerksamkeit vieler erwecken wird, der es aber an Nachhaltigkeit fehlen wird.
Beispiele, die diese Hypothese zur These werden lassen, gibt es leider aus aktuellem Anlass zur Genüge. Es ist nicht nur die Katastrophe von Dusiburg, sondern vielleicht auch die eine oder andere Aktivität des Jahres 2010, die zum Nachdenken anregt. Wird man sich bspw. im Jahre 2011 oder im Jahre 2021 und folgende noch an die Aktion "Die Kulturhauptstadt bittet zu Tisch" erinnern?, d.h. die Sperrung der Autobahn im Ruhrgebiet?