Wie die SZ die Wogen glättet

Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.
Evangelium nach Markus Mk 4, 35
Wenn sich Hans Leyendecker einer Sache annimmt, dann erwarten die Leser der Süddeutschen Qualität und Aufklärung. Er führt seine Mannschaft auf hohe See, lässt die Netze auswerfen. Zurück im Hafen jedoch verschwindet er mit dem Fang, allein.
So geschehen bei seinen Geschichten über Helmut Kohl und Heinrich von Pierer. Beim NSU sagte er mal in einem Interview einen Schlüsselsatz, den er aber selbst nicht weiter verfolgte: "Als wir uns fragten, wer die NSU finanziert habe, fanden wir heraus, dass es die NSU war, die die Szene finanzierte." Sensationell. Aber nicht weiter verfolgt. Aktuell fährt Leyendecker die Themen Wulff und Offhore Leaks in den "sicheren Hafen".
Wulff
Er und Heribert Prantl lieferten sich diese Woche ein wahres Rennen um die Poleposition beim Freispruch Wulffs. Tenor: Wenn sich all die Bestechungsvorwürfe an ein paar hundert Euro fuffzig aufhängen, dann war das viel Lärm um nichts:
Wegen dieser angeblichen 770 Euro soll Christian Wulff eine - wie die Juristen sagen - "Unrechtsvereinbarung" mit dem Filmproduzenten Groenewold geschlossen haben. In weniger aufgeregten Zeiten wäre ein solcher Vorwurf von dessen Lächerlichkeit erledigt worden. ... Der Nachweis, dass er sich eines kleinen Vorteils wegen für ein bestimmtes Projekt ganz besonders und auch noch Dienstpflicht verletzend eingesetzt hat - ein solcher Nachweis wird einem Ankläger auch dann kaum gelingen, wenn er auf den Akten einen Kopfstand macht und mit den Beinen strampelt. Die Anklage ist ein sehr gewagtes und ein ridiküles Konstrukt. 
(Heribert Prantl, Link)
Da bin ich als Leser überrascht. Als Leser der SZ allerdings weniger. Wieder einmal stellt sie sich vor den Politiker und warnt alle anderen vor Vorverurteilungen, falschen Schlüsseln. Wir haben uns alle verrant, nur die SZ hat klaren Kopf bewahrt? Nein, die gespielte Naivität von Herrn Prantl bewirkt etwas anderes: Was damals ein dichtes Mosaik voller Befunde war deutet sie uns heute als Adrenalinfieber, ausgelöst von Jagdfieber. Doch uns trieb kein Jagdfieber. Die Wulffs waren im Fieber.  In einem Glamourfieber wie es sich nur nach oben strebende Kleinstädter gegenseitig auslösen können, wenn sie mit Ausblick auf Aufnahme in die Berliner Christiansengesellschaft anfangen zu hüpfen und sich in die geballten Fäustchen zu lachen. Wo Patricia Riekel einem Glanz attestiert, da muss man alles richtig gemacht haben. Und wie die meisten Patienten mit dem Krankheitsbild Ehrgeiz und Gier ließen auch die Vorzeigeeheleute wieder voneinander ab, als das Kartenhaus zusammenbrach. Richtig ist, dass die Staatsanwaltschaft sich an die Beweise und Indizien hält, die die Täter eben nicht verwischen konnten. Auch Al Capone wurde am Ende für ein Nebendelikt verklagt. Aber es tat der Gesellschaft gut, als genau das passierte.
Offshore Leaks
Eine andere merkwürdige Geschichte ist die Sache mit den Offshore Leaks. Hans Leyendecker wieder mitten drin. Er bringt uns aber aus dem Meer der großen Fische ausgerechnet einen, der uns wenig interessiert. Hans Sachs ist längst Geschichte. Wer glaubt der SZ den Spin, dass wir uns ausgerechnet für jemanden aus der Rubrik "Panorama" interessieren? Auch musste uns niemand mehr aufklären, dass es das überhaupt gibt. Und eine ungefähre Vorstellung von den Mechanismen hatten wir doch alle. Nein, wir dachten, wir würden Namen erfahren. So wie in Griechenland oder Zypern. Hätten wir das, wenn es nicht die SZ gewesen wäre? Dass er auf die Anforderung von Herrn Schäuble nicht reagierte -um Quellen zu schützen- ist so gerade noch nachvollziehbar. Obwohl die Namen doch Teil der Nachricht sind, relevant für die Diskussion wer in Europa wen rettet. Doch es ist so, dass die Taten akzeptiert werden, die Nennung der Täter wäre jedoch zu viel. Herr Leyendecker hat sich drauf gesetzt und hält jetzt die Hand drauf. Bin gespannt, ob wir noch mal etwas darüber hören. Scheint nicht so, wie die SZ uns heute wissen lässt:
Der Datenwust weckt nicht nur die Begehrlichkeiten der Steuerbehörden, sondern auch gewisse Erwartungen, die er vermutlich nicht einlösen kann - nämlich dass ein prominenter Name nach dem anderen als Steuerbetrüger enttarnt werde.
Bastian Obermeyer (Link)

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