Wider die sabotierenden Begleiter des Verstandes

05.11.2011Bücher erstellt von Helmut N. Gabel

Von dem lesenswerten Buch "Das Land, in dem meine Eltern umgebracht wurden - Liebeserklärung an den Iran" von Parastou Forouhar.

Wider die sabotierenden Begleiter des Verstandes

Schon der Buchtitel deutet den gewaltigen inneren Spagat an, den die Künstlerin Parastou Forouhar nach dem Mord an ihren Eltern in einer Zeit unfassbarer gesellschaftspolitischer Verhältnisse in ihrem Heimatland vollzieht. Und es wird durch das Buch noch einmal klar, dass es nicht nur der Spagat der Parastou Forouhar ist. Das Buch scheint auf den ersten Blick das grausame Schicksal einer iranischen Familie zu thematisieren, doch es beschreibt eine Realität, von der große Teile der Gesellschaft im Iran betroffen sind. Die Brutalität und der Todeskult des Regimes im Iran hat seit 33 Jahren eine grausame Realität für zahlreiche Familien geschaffen.
Dieses Buch ist persönlich und überpersönlich zugleich. Man erfährt Konkretes aus praktischen und kulturellen Lebensvollzügen im Iran, man erfährt politische Details des Regimes, man lernt einen Teil der Erlebniswelt von Parastou Forouhar kennen: Trauer, Verzweiflung, Beharrlichkeit, Vorsicht, Hoffnung, Wut, kleine Triumphe und ungebrochene Liebe weben sich wie ein buntes Mosaik durch das Buch.
Die Liebe zu Iran schrieb der Vater seiner vierjährigen Tochter schon 1966 in einem Brief aus dem Gefängnis als Auftrag ins Herz: "Jedoch hoffe ich, dass du mich verstehen wirst (...) und stolz sein kannst auf mich, der so oft für die Freiheit aller anderen im Gefängnis saß. Meine Tochter, liebe den Iran so, wie deine Mutter und ich den Iran lieben."
Die Autorin erzählt von ihrem Ringen den politischen Mord an ihren Eltern im Iran zu verarbeiten und ihrem Versuch die Verantwortlichen nach iranischem Recht ausfindig zu machen und zur Verantwortung zu ziehen. Viele Vorgänge deutet die Autorin an, woraus für unkundige Leser Interesse entstehen kann sich mit Hintergründen im Iran zu beschäftigen und an denen Kenner vorhandene Kenntnisse über Iran bestätigt finden.
Am 21. November 1998 fand das Leben des Ehepaars Forouhar ein gewaltsames Ende. Die Hintergründe der bestialischen Tat wurden nie vollständig aufgeklärt, aber es scheint klar, dass gewichtige Personen der Machtelite im Land eine entscheidende Rolle gespielt haben müssen.
Iran gilt gemeinhin als ein Land kultivierter und gebildeter Menschen und blickt auf eine lange Historie, die viele Iraner mit breiter Brust auftreten lässt. Seit 1979 der allgemeine Widerstand einer breiten Bevölkerungsschicht gegen die Herrschaft des Schahs von fundamentalistischen Elementen usurpiert und die sogenannte Islamische Republik Iran installiert wurde, werden nach und nach Oppositionelle und vor allem junge Menschen, die sich der Willkür und Bevormundung einer religiös-militaristischen Staatsmacht nicht mehr unterordnen wollen, verfolgt, gepeinigt, ermordet. So geschahen in einer vermeintlich liberalen Periode unter Präsident Khatami Ende der 90er Jahre die sogenannten Kettenmorde. Mehrere Oppositionspolitiker und Schriftsteller fielen bestialischen Morden zum Opfer. Unter anderem wurde das Leben des Opposititionspolitikers Dariush Forouhar und seiner Ehefrau Parvaneh ausgelöscht.
Die Schilderungen ihrer Tochter sind eine persönliche Verarbeitung, ein Bericht über die Sachzusammenhänge und zugleich ein Ruf an die Internationale Gemeinschaft zur endgültigen Aufklärung der vielen Morde durch das Regime und der Rechtsbrüche an der Bevölkerung beizutragen.
Eine beeindruckende Aussage zeugt von dem intensiven Ringen einer mutigen Frau: "Ich (...) spreche von unserem Recht, auf Wahrheit und Gerechtigkeit zu beharren, ohne in die Falle von Rache und Gewalt zu geraten." Forouhar erwähnt auch die innere Vertrautheit mit dem Bedürfnis nach Vergeltung, was sie als sabotierende Begleiter ihres Verstandes bezeichnet. Jedoch hält sie an friedfertigen Mitteln des Widerstandes fest, um "angesichts der Brutalität die eigene Menschlichkeit zu bewahren."
Einige Unterstützer auf dem Weg zur Freiheit erwähnt sie in ihrem Buch. Der Eindruck lässt en Leser jedoch nicht los, dass es noch mehr Unterstützer werden müssten.
"Das Land, in dem meine Eltern umgebracht wurden - Liebeserklärung an den Iran" Parastou Forouhar, Herder Verlag 2011, 16,95 €
Weitere Informationen zu Dariush und Parvaneh Forouhar: www.parastou-forouhar.de/

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