Wer schön sein will muss reisen

Wer schön sein will, muss leiden. So heisst es zumindest. Ich für meinen Teil würde vorschlagen, einfach in ein anderes Land zu reisen, als Europäer vornehmlich nach Asien.

Denn hier gelten all die Dinge, die in Europa nicht dem kulturell und medial gewachsenen Schönheitsideal entsprechen, als höchst erstrebenswert.

Nase
Da die meisten Asiaten kleine,breite Himmelfahrtsnasen haben, gilt es als äußerst sexy, wenn ein Mann (oder auch eine Frau) eine große Nase mit einem ausgeprägten Nasenhügel hat. In manchen Gegenden in Indonesien soll dies auch auf eine besonders hohe Potenz schließen lassen, was – nebenbei bemerkt -auch in einem deutschen Sinnspruch zum Ausdruck kommt.

Körperbehaarung
Während so manche europäische Frau sich beim Anblick eines nur mit Badehose bekleideten italienischen Famlienvaters am Strand angewidert abwendet ob seiner Ganzkörperbehaarung ruft jede (oder zumindest viele) Asiatin aus: Handsome.
Als ich in Vietnam am Strand eine Massage genossen habe, konnte ich zu meinem Erstaunen von der jungen Dame zu meiner Seite hören: You have beautiful hair. Handsome boy. Und sie hat keinen Bezug auf meine Kopfhaare benommen…

Weisse Haut
Das ist wohl das augenscheinlichste Bestreben in Indonesien. Menschen mit einer hellen Hautfarbe gelten als besonders sexy. Touristen werden in der Regel Bule – Weisshäutiger – genannt, was nicht abwertend gemeint ist.
Im indonesischen Fernsehen sieht man fast nur Menschen mit reinweisser Haut, obwohl der Durchschnittsindonese wohl eher in Richtung milchschokolade geht.
Außerdem wird alles getan, damit die Sonne die Haut nicht weiter einfärbt. Komplett in Kleidung eingepackte Motorradfahrer mit Schal, Handschuhen und Sonnenbrille (bei 30 Grad Celsius) sind keine Seltenheit. Es gibt eine Unzahl von Produkten, die die Haut bleichen. Ich habe mir einmal aus Versehen bleichende Seife gekauft.
Dass blasse Haut in Europa kein Schönheitsmerkmal mehr ist, ist wohl auch gar nicht so lange her. Als der Adel noch auf seinen Schlössern residierte, wurde nur der „kleine Mann“ auf den Feldern braun, während der Adel sich dem Nichtstun hingab. Heutzutage ist eine blasse Hautfarbe in Europa eher ein Indiz für Krankheit, Warcraftbesessenheit oder einen Workoholic. Der erfolgreiche Mann von Heute hat mindestens eine Golfplatzbräune.
Indonesien ist noch nicht so weit. Hier wird nur derjenige brauner/dunkler, der im Schweisse seines Angesichts seine Reisbrötchen verdienen muss und Golfplätze sind rar gesät. Es ist schon spannend zu sehen, wie alle Touristen halbnackt zum Strand in die Sonne hetzen, während die Indonesen sich schnell etwas überziehen und in die Schatten der Bäume entschwinden.

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Fingernagel
Eigentlich kein Schönheitsmerkmal, aber ebenfalls – wie weisse Haut – so etwas wie ein Statussymbol ist ein langer Fingernagel an mindestens einer Hand. Ebenso wie die Hautfarbe zeugt er davon, dass man keiner harten körperlichen Arbeit nachgehen muss. Solche ein Fingernagel wäre dabei nur im Weg und würde abbrechen. Also schreit er: Seht her, Leute, ich verdiene mein Geld mit meinem Kopf.

Doktortitel
Ebenfalls Statussymbol und Zeugnis für einen „smart man“ ist ein Doktortitel in Indonesien. Alle Politiker auf den großen Werbeplakaten haben mindestens einen Doktortitel. Was für einen Doktor und wer ihn verliehen hat, das ist nicht wichtig. Ich wurde tatsächlich auch schon zweimal gefragt, ob ich ein Doktor sei. Vielleicht liegt es an der Brille und daran, dass ich ein Buch in der Hand hatte…


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