Wer das Falsche studiert, wird sein Selbst nicht finden – Eine liberale Kritik

Unter dem Titel “Wer das Falsche studiert, wird keinen Job finden” suggeriert Filipp Piatov in der Welt, dass Geistestenswissenschaftsstudierende wirtschafts-, realitätsfern und anspruchsvoll sind, da sie im Studium nach Selbstfindung suchen und so mehrere Jahresgehälter sowie ihre Zukunft verschwenden. Die Opportunitätskosten eines Geisteswissenschaftsstudium würde Piatov folgerichtig nicht ausgeben wollen. Der Welt-Autor konstatiert nicht ohne Stolz, dass er sich trotz der Tatsache, dass er in der Schule eigene Stärken im geisteswissenschaftlichen Bereich gesehen hat, für ein Wirtschaftsstudium entschieden hat. Das wird ihm Reichtum bescheren, während bei Geisteswissenschaftsstudierenden nach dem Master “Hartz IV” zu erwarten sei. Piatov hat seiner eigenen Ansicht nach klug gehandelt, während die Geisteswissenschaftsstudierenden versagt haben. Er ist die personifizierte aristotelische Phrónesis, denn er wählt zu dem einzigen möglichen Endziel – dem in die Eudaimonia integrierten materiellen Reichtum – die geeigneten Mittel: Finanzen, Rechnungswesen und Statistik, 

Vielleicht würde Filipp Piatov etwas Mises gut tun, denn seine Kritik setzt ein positives subjektives Urteil über das Endziel materiellen Reichtums und viele deskriptive und normative Urteile über Möglichkeiten und Mittel voraus. Vielleicht will ein Geisteswissenschaftsstudierender x gar nicht reich werden? Vielleicht würde x ein Wirtschaftsstudium aus mangelnden Fähigkeiten oder mangelndem Interesse gar nicht schaffen? Vielleicht will x unbedingt das philosophische Problem y lösen?

Der liberale Ökonom Mises wäre Piatov ein guter Lehrer, denn Mises ist sich eines bewusst: Was Menschen wollen, zeigt sich insbesondere im Handeln. Wer handelt, der will dass p und tut q, weil er glaubt, dass q ein geeignetes Mittel ist, um p zu realisieren. Wenn jemand Geisteswissenschaften bewusst und handelnd studiert, dann will dieser jemand etwas: Etwa Selbstverwirklichung, geisteswissenschaftliche Kenntnisse, Sprachkenntnisse, ein interessantes Studium etc. oder irgendetwas anderes und er glaubt, dass ein geisteswissenschaftliches Studium ein geeignetes Mittel ist, um sein Ziel zu erreichen.

Piatovs Kritik trifft, wenn die Ziele und Mittel nicht zusammen passen. Doch das ist nicht gesagt. Er hat Recht, wenn er meint, dass es klug ist, sich mit wirtschaftlichen Fragen zu befassen, wenn man reich werden will und meint, dadurch reich werden zu können und er hat auch Recht, wenn er sagt, dass mancherlei Anspruchshaltung weltfremd sein mag. Doch seine provokative essayistische Analyse wird dem Handeln der Menschen nicht gerecht. Sie müsste in Konditionalen verfasst werden und würde dadurch ihre Schärfe verlieren.

Klar, auch ich habe etwa ein Interesse daran, genügend Geld zu verdienen und einen bestimmten Lebensstandard zu erhalten. Doch dieses Ziel ist philosophischen Zielen nachgelagert. Philosophie war in meinem Leben schlicht essentiell wichtig. Ohne Wittgenstein und Mises würden mir Statistik, Rechnungswesen und Finanzen belanglos erscheinen. An eine Teilhabe in der Wirtschaft wäre vor der kognitiven Therapie philosophischer Krankheiten durch ein Philosophiestudium gar nicht zu denken gewesen.

Amüsant erscheint auch, dass Piatov in Zeitungen Artikel verfasst. Er verdient Geld, doch das hätte er vielleicht auch mit einem  geisteswissenschaftlichen Studium geschafft. Die wirtschaftlichen Gedanken zu Angebot und Nachfrage des Liberalismus hat Piatov verstanden, doch was ihm fehlt, ist der philosophische Aspekt des Liberalismus nach Mises, dass das gute Leben eine höchst individuelle und subjektive Angelegenheit ist. Über Endziele, die das Leben inklusiv umfassen, lässt sich nicht streiten. Wer das Falsche studiert, wird keinen Job finden. Korrekt, aber: Wer das Falsche studiert, wird z nicht finden. Das ist die gültige und interessantere Verallgemeinerung und so gilt auch: Wer das Falsche studiert, wird sein Selbst nicht finden.


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