Wenn Rollstuhl einfach wäre … (13)

Wenn Rollstuhl einfach wäre … (13)Was macht man, wenn mit einem so gesprochen wurde? Okay, ich glaube schon, dass die anderen ein Stück weit genervt sind, vielleicht sogar berechtigt. Auch wenn das nicht meine Absicht ist, so muss mir geholfen werden. Noch bevor ich einen Plan fassen konnte, was ich jetzt tun will, hatte sich im Hintergrund was getan. Mich rief erst mal ein Mitarbeiter der AOK an, der meine Beschwerde bearbeitet, und wollte mit mir einen Termin bei mir zuhause ausmachen. Das hörte sich ganz gut an, vielleicht würde mir dann so auch geholfen werden. Aber was noch viel besser war, nicht nur die Beschwerde an die AOK ist erfolgreich angekommen, nein, auch die Beschwerde, die ich dem Sanitätshaus zukommen ließ, wurde von der Geschäftsführung zur Kenntnis genommen. Woher ich das weiß? Der Mitarbeiter, der noch den Tag zuvor an der Vertrauensbasis seine Zweifel geäußert hatte, rief erneut bei mir an. Und er hatte das nicht so gesagt, aber dem, was er dann gesagt hat, konnte man entnehmen, dass die Geschäftsführung an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert sei. Was man nicht plötzlich alles für Möglichkeiten hatte. Und natürlich ließ er sich nicht nehmen, die Vorteile seines Sanitätshauses zu nennen: Größe, Menge der Mitarbeiter, Serviceleistungen und so weiter und so fort. Der hat wohl einen auf den Deckel gekriegt. Dabei hatte ich die Beschwerde schon ein paar Tage zuvor verschickt, so dass unser letztes Gespräch gar nicht mehr erfasst werden konnte. Und ehrlich, was habe ich von mehr Mitarbeitern, wenn der Fuhrpark es nicht zulässt, einen Rollstuhl direkt zu transportieren und nicht erst mal eine Woche zu warten?

Vielleicht lohnt sich beschweren ja doch, aber warum geht’s nicht auch ohne? Ich versteh es einfach nicht. Es kommt also Bewegung in die Sache, endlich wird was getan. Den Tag zuvor denkt man, es wird doch alles nicht mehr funktionieren und was soll ich tun und plötzlich gehen die Wolken auf. Also nur noch das Wochenende überstehen, dann wird alles anders. Wenn da diese Schmerzen nicht wären, könnte man sich drauf konzentrieren, einem guten Freund Lebewohl zu sagen. Und er war mir ein guter Freund. Was wir nicht alles zusammen durchgestanden haben. Acht Jahre sind eine verdammt lange Zeit, die ich, wie ich finde, gut genutzt habe. Und was ist alles passiert: endlich hatte ich eine berufliche Perspektive entwickelt, einen sicheren Job angetreten, meine Beziehung ging endgültig in die Brüche, gefolgt von der Einsicht, dass es ruhig hätte schon eher passieren können. Meine Ansprüche fingen an zu wachsen, an mich, an mein Leben, an meine Ziele. Kennt ihr das auch? Man fragt sich irgendwann, soll das schon alles sein? Oder ich dachte auch, jetzt habe ich so vieles erreicht, von dem ich vorher nicht gedacht hätte, dass es möglich wäre, was geht denn noch alles? Warum nicht aus dem Vollen schöpfen? Warum nicht das Leben genießen? Und da bin ich meinem Freund auch dankbar. Was er nicht alles möglich gemacht hat: Kinobesuche, auch in der ersten Reihe. Dadurch, dass man sich nach hinten lehnen konnte, war das auch nicht mehr schlimm. Ich hab alle meine Zahnfüllungen auf Keramik umgestellt, weil ich einfach das schummrige Grau nicht mehr sehen wollte. Das ging auch nur, weil mein Rollstuhl sich gefühlt in alle Himmelsrichtungen verstellen ließ. Plötzlich musste man nicht mehr mit 3-4 Leuten zum Zahnarzt, die einen umsetzen. Ich ziehe auch Röcke an, also bis zu dem Zeitpunkt, als der Sitz aufhörte, sich verstellen zu lassen. Es ist einfach ein anderes Lebensgefühl, wenn einem so viele Sachen, die für alle anderen selbstverständlich sind, ermöglicht werden. Mein Gott, ich hab das Gefühl, dass meine Möglichkeiten, Behinderung hin oder her, unendlich sind. Und das ist ein gutes Gefühl.

Werde ich das der AOK erklären können? Das es hierbei nicht um den Mindeststandard geht, sondern um Lebensqualität, um Lebensfreude, um die Möglichkeiten einer Teilhabe. Sogar mehr als das, weil das Notwendige vorhanden sein muss und erst dann kann man sich über das große Ganze Gedanken machen. Ich habe vor dem Gespräch Angst. Nicht nur, dass man mir nicht zuhört und meine Vision nicht versteht, nein, was ist, wenn ich als Nervensäge abgestempelt werde? Ich versuche, mich weitgehendst auf das Gespräch vorzubereiten, in dem Wissen, dass ich nicht zufrieden sein werde. In erster Linie mit mir selbst.

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