Wenn das Mohntörtchen die Panna Cotta ersetzt

Wenn das Mohntörtchen die Panna Cotta ersetztManche Dinge gehen einfach so vor die Hunde. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mit so manch einer Veränderung nur schwer zurechtkomme. Vielleicht ist es auch ein Problem, wenn man in so einer schnelllebigen Zeit Dingen nachhängt, wohl wissend das es im nächsten Moment einfach so vorbei sein kann. Mohntörtchen und Panna Cotta mögen auf den ersten Blick ein wenig kryptisch wirken aber ich verspreche es: Es macht Sinn!

Ich hole ein wenig aus. Vor einigen Jahren war mein – wenn auch nicht täglicher aber durchaus sehr regelmäßiger – Weg ein wenig abseits der Zeil. Ich ging in das Bell Café meinen doppelten Espresso trinken, hielt ein Schwätzchen mit dem Besitzer. Es ging um Gott und die Welt. Diese Art von belanglosen Gesprächen, die einem aber dennoch den Tag versüßen können und ja, manchmal auch ein wenig ernsthafter wurden. Ich genoss die hübsche Bedienung, das Wetter (wie auch immer es sein mochte) und die kaum zu glaubende Abgeschiedenheit, nur wenige Hundert Meter von der Hektik in der Innenstadt.

Danach ging ich immer in den Klamottenladen, der genau daneben lag. Der Besitzer, ein Freund von mir, und ich hingen ein wenig den alten Zeiten nach. Es ging meistens um Musik aber auch um andere Dinge. Es half mir dabei, mich ein wenig aus dem Alltag herauszukatapultieren. Eine Auszeit vom Leben, wenn man so mag. Vielleicht ist es trivial so viel Wert auf einen guten Espresso und ebenso wohltuende Gespräche zu legen aber ich tat es.

Dann machten beide Läden dicht. Ich fand das schlimm. Meine regelmäßigen Spaziergänge blieben gleich aber doch fehlte etwas. Ich suchte das eine oder andere Café auf aber der Zauber war irgendwie weg. Verdammt deprimierend. Dann, einige Monate später, machte ein Segafredo Café in der Nähe der Börse auf und ich fand einen neuen und schönen Platz. Ich verstand mich gut mit den Leuten dort, man lernte sich schnell kennen, quatschte ein wenig und es stellte sich die Routine wieder ein. Ein weiterer Vorteil war, dass der Laden fast direkt neben meinem favorisierten Zigarrenladen war, den es auch immer noch gibt und ich hoffe auch noch lange bestehen wird.

Meine Bestellung war, bis auf wenige Ausnahmen, fast immer dieselbe: doppelter Espresso und Bitter Lemon. Ab und zu dann auch eine Panna Cotta. Die war wirklich verdammt gut. Jetzt versteht ihr vielleicht auch den ersten Teil der Überschrift. Als ich dann letzte Woche – so wie immer – meine Bestellung absetzte, eröffnete mit der Besitzer, dass das Café nächste Woche schließen wird. Ich war von den Socken. Wirklich, ich war so geschockt, dass ich echt tagelang nicht darüber hinweggekommen bin. Wie kann so etwas sein? Das Café lief gut, es war nicht immer voll aber immer gut besucht und ich konnte mir kaum vorstellen, warum man auf die Idee kommen könnte, den Laden zu schließen. Man muss aber die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Es ist nicht zu ändern. Get along with it.

Also wieder auf die Suche nach einem neuen Platz, an dem man Espresso und Bitter Lemon genießen kann. Ich kann nicht genug beteuern wie beschissen das ist. Routine ist wichtig, für mich zumindest. An der Stelle, an der früher das Bell-Café war, gibt es ein neues Café (wobei so neu ist es gar nicht mehr. Es eröffnete nach der Schließung des Bell Café), das Roseli. Also dort hin. Der Espresso ist gut aber es nicht das Bell Café. Rum ist rum. Man muss ich darauf einstellen. Ich muss mich darauf einstellen. Dort gibt es Mohntörtchen mit einer Birnenfüllung. Die sind lecker. Ich werde mich daran gewöhnen. Ich muss es ja, oder?


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