Wenn das Leben zweimal endet...

"Gehen Sie nur durch, wenn Sie eine Karte haben," sagt die Verkäuferin, die gerade mit Kunden einen Garantiefall bearbeitet. Sie gehen durch. In einen Metro Markt, in dem die Verzweiflung durch die sich immer schneller leerenden Regale zu pfeifen scheint.
Auf die Menschen, die hier zum zweiten Mal ihren Arbeitsplatz verlieren, nachdem sie im Zuge der Wende schon einmal abgewickelt wurden, pfeifen die Konzernherren. Oft arbeiten hier Ehepaare in Mini-und schlecht bezahlten Jobs, um wenigstens ein bisschen von der Würde zu bewahren, die der Kapitalismus Menschen raubt, die er nicht mehr braucht. Dass man von einem einzigen Arbeitsplatz als Regalauffüller oder Kassiererin (bitte beide geschlechtsneutral verstehen und mir den Zirkus mit kleinen und großen Is ersparen) auch kein Familie ernähren kann, ist in Ost-Berlin genauso wie in West-Berlin, Hamburg oder Duisburg.
Aber es ist eben auch genauso, dass den Menschen durch die Schließung eines Großmarktes ein Stück Heimat genommen wird, die ein Arbeitsplatz eben immer auch ist, wegen der Kollegen, der Tasse Kaffee zwischendurch, des gemeinsamen Mittagessens, des einen oder anderen mal mehr mal weniger freundlichen Wortes zum Feierabend.
Da fühlen die Metroianer in Berlin-Pankow nicht anders als die Opelaner in Rüsselsheim, die Kruppianer in Essen, die Kumpel im Saarland. Da wird immer wieder etwas bedroht oder gleich kaputt gemacht, was für sie Leben bedeutet, das ganz normale, das tägliche, das schöne, das hässliche - aber immerhin ihr eigenes Leben, das auch durch den Kleingarten nicht ersetzt werden kann und nicht durch Arbeitslosengeld und schon gar nicht nach zwölf kurzen Monaten durch die Hartz IV-Scham, die Schikanen, das Ausgestoßen werden der Menschen, die diese Gesellschaft nicht mehr braucht.
Manche haben sich krank gemeldet, bei Metro in Berlin-Pankow. Der 27-jährige Management Trainee, natürlich Betriebswirschaftsabsolvent mit Prädikatsexamen, sonst wäre er nicht bezahlter Trainee, sondern unbezahlter Praktikant, kann das nicht verstehen. Für ihn ist das der Beweis, dass der Großmarkt zu Recht geschlossen wird, die künftigen Arbeitslosen ohnehin nur Faulpelze sind. Und er versteht noch nicht, dass Leute wie er, die sich von den Konzernherren als Büttel missbrauchen lassen, Menschen in die Krankheit stoßen, die Verzweiflung heißt.
Das werden er und sein Chef, der 30-jährige Ex-Trainee, der jetzt Manager ist, vielleicht schon am Heiligen Abend wissen. Wenn in den Familien, die sie abgewickelt haben, beim Schmücken des Weihnachtsbaumes keine Lebensfreude die Gedanken bestimmt und der Trainee und sein Chef, der Manager in die Konzernzentrale bestellt sind und erfahren, dass man auch keine Manager braucht, wo es nichts mehr zu managen gibt und in den anderen Großmärkten des Unternehmens bereits genug Manager managen und ihr Chef ab sofort der gleiche ist, wie der der von ihnen so frohgemut abgewickelten Packer und kassierer.
Frank-Jürgen Weise heißt er und ist Präsident der Bundesagentur für Arbeit.
Licht aus im Großmarkt Metro, Berlin-Pankow...

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