Wende beim Bulldog - Nur ein Marketingcoup des VDH?

Am 15.07.2012 schneidet der WDR in einem kurzen Beitrag das Thema Qualzucht an. Tierarzt Dr. Ralf Unna fordert bei einem Rundgang über die VDH-Europasieger-Show in Dortmund unabhängige tierärztliche Kontrollen bei Champions wie es die weltgrößte Hundeshow Crufts im Frühjahr eingeführt hatte. Auf der gleichen Linie liegt die Vorschrift für ein Ausstellungsverbot von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen in der Novelle der Bundesregierung zum Tierschutzgesetz. Beide Maßnahmen werden vom größten Dachverband der deutschen Hundezucht VDH abgelehnt, wozu hier berichtet wurde.

Wende beim Bulldog - Nur ein Marketingcoup des VDH?

Bildzitat: Screenshot vom WDR Internetportal 17.7.11 zur Sendung

Während die Ablehnung dieser Maßnahmen vom VDH-Präsidenten Friedrich noch u.a. so begründet wird: "Es wäre unserer Auffassung nach nicht richtig, wenn ein Hundehalter mit erheblichen Reisekosten zu einer Ausstellung führe, den Hund vorbereitet und anschließend, ohne dass er die Lage sicher zu beurteilen vermocht hätte, dann doch nicht ausstellen dürfte." Und er zugleich behauptet: "In keinem Land gibt es vergleichbare Regelungen zu einem Ausstellungsverbot ..." ("Unser Rassehund" 3/2012)
... begründet VDH-Sprecher Udo Kopernik die Ablehnung mit den angeblich so hohen Zuchtstandards des VDH. Als Beleg führt er die neuen Richtlinien des VDH für den Bulldog (Englische Bulldogge) an.

Wende beim Bulldog - Nur ein Marketingcoup des VDH?

Da gab es noch Hoffnung.
Der VDH-Präsident bei der ZTP
November 2011.

Tatsache ist, dass der VDH 2011 den Bulldog-Zuchtverein ACEB ausgeschlossen und nach langen Jahren geduldeter Qualzucht endlich eine Wende in der Zucht des Bulldogs angekündigt hatte. Tatsache ist auch, dass der VDH im Oktober 2011 - unter zeitweiliger Mitwirkung des Autors - Richtlinien für die Zuchttauglichkeitsprüfung beim Bulldog eingeführt hat.
Theorie: Neue Zuchtordnung des VDH für den Bulldog setzt weltweit höchsten Standard.
Die VDH-ZTP für den Bulldog setzt tatsächlich weltweit neue, vorbildliche Maßstäbe und wären eine tragfähige Grundlage, der Qualzucht einen wirksamen Riegel vorzuschieben und die Zucht des Bulldogs zu gesunden. Es wäre eine Chance zur Rettung dieser so gebeutelten, uralten Hunderasse gewesen. Diese Richtlinien werden von Kopernik auch zutreffend dargelegt.
Wende beim Bulldog - Nur ein Marketingcoup des VDH?Aber wie sieht es in der Praxis aus?
Was Kopernik dem Zuschauer unterschlägt, ist eine weitere Tatsache, nämlich schlicht die Realität. Denn der VDH hat bisher keine hinreichenden Anstrengungen unternommen, diese papiernen Vorsätze mit realem züchterischen Leben zu erfüllen. Tatsache ist:
  • Es gibt gerade mal 2 (!) Züchter im VDH, die auf dieser Grundlage arbeiten,
  • noch kein einziger Bulldog-Wurf ist auf dieser Basis gefallen und
  • die Züchter, die sich diesen sehr hohen Anforderungen zum Wohle der Hunde stellen, müssen über fehlende Unterstützung klagen.
Zuckerbrot für die Öffentlichkeit - Entsorgung des Problems durch die Hintertür?
Die breite Masse der Bulldogs, die beim VDH im Ausstellungsring laufen, haben ausländische FCI-Papiere, auch wenn sie nicht selten in Deutschland stehen. In der Praxis haben die von Kopernik angeführten Maßnahmen also keine relevante Auswirkung auf Show-Realität und Zucht-Praxis. Das müsste Kopernik wissen, denn der VDH-Führung liegen mehrere Eingaben vor, die genau darauf hinweisen. Der Autor dieser Zeilen verfasste am 5. Februar 2012 ein Schreiben an Bernhard Meyer, VDH-Geschäftsführer, und Prof.Dr. Peter Friedrich, VDH-Präsident, in dem bereits angemahnt wurde:
"Ich sehe es als Verpflichtung des VDHs, grundsätzlich wie auch aus der jüngeren Historie, einer durch die langjährigen Fehler und Versäumnisse eines VDH-Mitgliedvereins an den Rand der Existenz gebrachten Hunderasse konstruktiv zu helfen, statt diese nun stillschweigend abzuwickeln und sich aus der aktiven Verantwortung für eine Gesundung zu stehlen."

Wende beim Bulldog - Nur ein Marketingcoup des VDH?

In diesem Buch wird ein Pladoyer für die Rettung dieser charaktervollen, uralten Hunderasse gehalten. Man muss mit der seit über 30 Jahren vorherrschenden Qualzucht abrechnen, um diese Hunderasse retten zu können.
Ob das gelingt, ist fraglicher denn je.

Man muss kein Zuchtkenner sein, um zu sehen, dass man mit zwei Züchtern keine Hunderasse gesund erhalten oder gar retten kann.
  • Ist das Ganze gar eine Mogelpackung des VDH, sich der berechtigten Kritik an der Qualzuchtrealität unter Verweis auf eine saubere Richtlinien-Weste zu entziehen? 
  • Geht es hier lediglich um einen Marketingeffekt zur Beruhigung der Öffentlichkeit während man in der Praxis auf reales Engagement zur Gesundung der Hunderasse verzichtet und das Problem stillschweigend aus dem VDH entsorgt? 
Die Ausführungen des VDH-Sprechers unter Berufung auf den Bulldog hinterlassen bei mir genau diesen Eindruck. Würde sich der Eindruck weiter erhärten, dass der VDH tatsächlich eine solche Linie fährt, so wäre es das Ende für die Bulldog-Zucht in Deutschland, zumindest für eine Zucht, die man noch einigermaßen mit dem Tierschutz vereinbaren könnte. Das liegt aber nur zum Teil überhaupt in der Hand des VDH.
Die heutige Bulldogszene hat sich als Tierfreund vollkommen disqualifiziert.
Leider hat die Bulldog-Szene in ihrer breiten Mehrheit keinerlei Interesse gezeigt, eine Wende zum Wohle dieser von Atemnot, Unfähigkeit zu natürlicher Geburt, und zahlreichen weiteren angezüchteten Krankheiten und Dysfunktionen gebeutelten Hunderasse herbeizuführen oder auch nur zu befördern. Das Engagement des VDH 2011 für den Bulldog, die Verabschiedung eines neuen, gesundheitsorientierten Standards durch die FCI 2010 wurden von dieser Szene mit Verleumdungen und Rufmordkampagnen beantwortet, dabei wurden selbst offen rechtswidrige Aktionen, menschenunwürdige Diktion und offene Gewaltandrohungen von der geifernde Masse goutiert. Die heutige Bulldogszene in Deutschland hat sich züchterisch wie auch ethisch vollkommen disqualifiziert. An diesem Gesamtbild können leider auch die wenigen seriösen Züchter und gesunden Bulldogs nichts ändern.

Ein Beitrag von Christoph Jung

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