Weltstillwoche 2015 „Stillen und Beruf – gemeinsam geht´s“ – Interview mit einer Stillberaterin

Das Stillen liegt mir persönlich am Herzen, weil ich überzeugt davon bin, dass Muttermilch das beste und wertvollste ist, das ich meinem Kind geben kann. Außerdem bedeutet Stillen für mich persönlich neben Ernährung auch Bedürfniserfüllung, Nähe und Einschlafhilfe sowie Ruhepause für die Mama.

Nach der Geburt meiner großen Tochter war ich nach Ende des Mutterschutzes in Teilzeit arbeiten und habe sie trotzdem gestillt. Es war mir wichtig, dass sie auch während meiner Abwesenheit Muttermilch bekommt. Die übrigen Bedürfnisse hat sie von unserer liebevollen Tagesmutter erfüllt bekommen und von mir umso mehr, sobald ich wieder zurück von der Arbeit war.

Weltstillwoche 2015 „Stillen und Beruf – gemeinsam geht´s“ – Interview mit einer Stillberaterin

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Passend zur Weltstillwoche (28. September - 4. Oktober 2015) freue ich mich, Sophie Wölbling, Stillberaterin bei La Leche Liga Deutschland e. V., zum Interview zu Gast zu haben.

Liebe Sophie, bitte stell Dich zunächst kurz vor:

Ich bin 32 Jahre alt, wohne mit meinem Mann und unseren 3 Kindern (8, 5 und 2 Jahre) in Düsseldorf. Ich bin ursprünglich Übersetzerin und arbeite auch noch in dem Bereich. Meine Zusatzausbildungen sind: LLL-Stillberaterin, DAIS-Stillbegleiterin, GfG-Familienbegleiterin (Geburtsvorbereitung und Rückbildung/ Neufindung), Trageberaterin, Kursleiterin für Baby- und Kindermassage und angehende Doula. ( Anmerkung von Renate: da ich selbst nicht wusste, was eine Doula ist, habe ich es hier nachgelesen)

Weltstillwoche 2015 „Stillen und Beruf – gemeinsam geht´s“ – Interview mit einer Stillberaterin

© Mamis Blog / Sophie Wölbling

Du bist Stillberaterin. Wie bist du auf die Idee gekommen und was genau bedeutet es, im allgemeinen und für dich ganz persönlich Stillberaterin zu sein?

Als Stillberaterin berate ich hauptsächlich Mütter in allen Fragen rund ums Stillen, aber auch zu Themen wie Beikost, Alltag mit Baby, Schlafen... Ich berate hauptsächlich per E-Mail, seltener im Rahmen von Hausbesuchen oder telefonisch. Einmal im Monat biete ich mit meiner Kollegin Jennifer Kolenko eine Stillgruppe für alle am Stillen Interessierten an. Darüber hinaus finden alle zwei Monate noch zusätzliche Stilltreffen für Mütter mit gestillten Kleinkindern statt.

Mein Weg zur Stillberaterin führte natürlich über meine eigenen Kinder. Mit meinem ersten Sohn hatte ich eine schöne Stillzeit und eigentlich nur ein paar kleinere Problemchen. Zur La Leche Liga kam ich auch gar nicht über eine konkrete Beratung, sondern über die publizierten Ratgeber. Irgendwie war mein Sohn nämlich anders als die anderen Babys: er schlief am liebsten an der Brust oder im Tragetuch, weinte, sobald er nicht mehr im direkten Körperkontakt war, brauchte immer ganz viel Nähe und wollte von Kinderwagen, eigenem Bettchen und Brei schon mal gleich gar nichts wissen. Nur die Lektüre von Büchern wie „In Liebe wachsen", „Das 24-Stunden-Baby" und „Mein Kind will nicht essen" hat mir enorm geholfen und mich bestärkt, liebevoll auf die Bedürfnisse meines Kindes einzugehen.

Ich weiß selbst, wie verunsichernd es ist, wenn man von anderen Meinungen, (vermeintlichen) Vorschriften und Ammenmärchen verunsichert wird. Und ich fand es immer schade, wenn Mütter eigentlich stillen wollten, aber keine Unterstützung oder Zuspruch fanden. Hier wollte ich helfen und habe mich kurz nach der Geburt meines zweiten Kindes, mit dem ich regelmäßig eine LLL-Stillgruppe besuchte, zur Ausbildung bei der LLL entschieden.

Für mich ist die Stillberatung eine schöne, anspruchsvolle, nie langweilig werdende Tätigkeit. Und sie war für mich auch der Einstieg in mein berufliches zweites Standbein: Kurse und Beratungen im Bereich Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit.

Wie viel Zeitaufwand bedeutet die Stillberatung und was sagt deine Familie dazu?

Schön ist, dass man als ehrenamtliche Stillberaterin natürlich selbst entscheidet, wie viel Zeit man für die Stillberatung aufbringen kann und möchte: Stilltreffen, die einmal oder mehrmals monatlich stattfinden, Telefon-, E-Mail-Beratung und/oder Hausbesuche.

Solange ich mit meinen Kindern zu Hause war, habe ich mein Pensum an unsere Familiensituation angepasst und zeitweise zwischen 20 und 40 Stunden pro Woche Stillberatungen gemacht, Stilltreffen vorbereitet, durchgeführt, nachbereitet, war auf Fortbildungen und habe die LLL auf verschiedenen Tagungen, Kongressen und Messen vertreten.

Seitdem ich wieder mehr arbeite, schraube ich mein Pensum langsam zurück. Leider hat der Tag nur 24 Stunden.

Meine Kinder sind quasi mit der LLL aufgewachsen. Unsere Regionaltreffen und Jahreskonferenzen sind immer wie große Familientreffen, denn wir leben den Netzwerkgedanken miteinander und mit unseren Familien.

Bis vor kurzem hatte ich immer mindestens eins, manchmal auch alle drei meiner Kinder mit bei den Treffen. Nun ist auch der Kleinste im Kindergarten und ich muss mich erst einmal daran gewöhnen, alleine zur Stillgruppe zu gehen 😉

Bei uns zu Hause gibt es den Satz „Wenn jemand Hilfe braucht, helfen wir!" und so sind es meine Kinder - aber auch mein Mann - gewöhnt, dass ich manchmal abends, nachts am Wochenende oder an Feiertagen für „meine" Frauen da bin.

Kommen die meisten Frauen „erst" zu dir, wenn sie Probleme haben? Oder wirst du frühzeitig kontaktiert, bevor die Frauen oder Kinder ernsthafte Probleme haben?

Tatsächlich melden sich viele Frauen erst, wenn alle anderen wie beste Freundin, Mutter, Hebamme und Kinderarzt nicht mehr weiter wissen. Oder aber wenn ganz verschiedene Meinungen aufeinander treffen, um dann noch einmal von einer Stillfachfrau eine Einschätzung zu hören.

Ganz selten kommen auch Schwangere in die Stillgruppe, um einfach schon hineinzuschnuppern. Das ist eigentlich eine wunderbare Möglichkeit, erste Kontakte zu knüpfen und ganz ungezwungen zuzuhören und zu sehen, wie andere Mütter mit ihren Kindern umgehen, egal ob es ums Stillen geht oder auch um Themen wie Schlafen, Beikost und ganz allgemein das Leben mit Baby.

Wie weit geht die Beratung? Gibt es Grenzen bzw. Fragen, die du nicht beantworten kannst, bei denen Du selbst Fachleute zu Rate ziehen musst oder weiter vermittelst?

Als ehrenamtliche Stillberaterin ohne medizinischen Grundberuf habe ich ganz klare Grenzen. Ich stelle keine Diagnosen und verordne keine Therapien. Medizinische Themen gehören in die richtigen Hände. Ich kann den Müttern vielleicht Empfehlungen ihres Arztes oder ihrer Hebamme noch einmal erklären, Informationen geben, mit ihr gemeinsam überlegen.

Gerade bei medizinischen Fragen haben wir im Verein aber auch eine Anlaufstelle für uns Beraterinnen. Wir können uns an unsere Fachfrauen von der Kontaktstelle zum medizinischen Beirat wenden, wenn es eben beispielsweise um die Frage geht, ob unter einem bestimmten Medikament gestillt werden kann.

Welche Kosten fallen für eine Frau an, die dich kontaktiert und um Hilfe bittet?

Alle LLL-Stillberaterinnen sind ehrenamtlich tätig. Das bedeutet: wir beraten kostenlos in unserer Freizeit. Für die Stilltreffen bitten wir um einen kleinen Kostenbeitrag, um zum Beispiel die Raummiete finanzieren zu können. Bei Hausbesuchen lasse ich mir die Fahrtkosten von der Familie erstatten.

Und natürlich freuen wir uns immer, wenn jemand unsere Arbeit durch Spenden oder eine Fördermitgliedschaft unterstützt. In der Düsseldorfer Stillgruppe bezahlen wir davon zum Beispiel auch die Getränke und Snacks, die es bei den Treffen gibt, wir kaufen neue Bücher für die Gruppenbücherei, so dass die Frauen aktuelle Sachbücher und Ratgeber zum Thema Leben mit Kind ausleihen können.

Als Stillberaterinnen haben wir die Pflicht, uns regelmäßig fortzubilden, einerseits durch Fachliteratur, andererseits auch durch vor-Ort-Fortbildungen. Auch hier kommen die Spenden letztendlich wieder den Müttern zugute, denn so bleiben wir Beraterinnen immer auf den neuesten Stand oder nehmen an Kommunikationsseminaren teil und können gut und umfassend beraten.

Was sind die häufigsten Gründe/ Fragen, zu denen du kontaktiert wirst?

Allgemein könnte man sagen: am häufigsten sind die Frauen einfach verwirrt oder wurden durch unterschiedliche Meinungen verunsichert. Das lässt sich auf fast jeden Themenbereich übertragen: wie oft soll/darf/muss ich stillen? Warum schlafen alle Kinder durch, nur meins nicht? Isst mein Kind genug Beikost und was darf es überhaupt essen? Darf ich eigentlich noch stillen, wenn ich wieder schwanger bin?

Bei den E-Mail- und Telefonberatungen sind die Themen bunt gemischt, aber die „Klassiker" sind Schmerzen beim Stillen/wunde Brustwarzen und (vermeintlich) mangelnde Gewichtszunahme beim Kind.

Es ist als Meinung weit verbreitet, dass man abstillen muss, wenn die Mama Antibiotika oder andere Medikamente nehmen muss. Ist das wirklich so oder gibt es andere Möglichkeiten? Wenn ja, welche?

Heutzutage gibt es zahlreiche Medikamente, bei denen weitergestillt werden kann. Oft ist noch nicht einmal eine Stillpause nötig. Leider steht immer noch pauschal in vielen Beipackzetteln, dass dieses oder jenes Medikament nicht in Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden darf. Jede Frau, die unsicher ist, kann sich entweder eine zweite Arztmeinung einholen, sich an eine Stillberaterin wenden oder schon einmal selbst auf der Seite des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie in Berlin unter www.embryotox.de nachschauen. Dort sind viele gängige Medikamente aufgelistet und werden bezüglich ihrer Stillverträglichkeit eingeschätzt.

Ich selbst wurde dafür schon häufiger kritisiert oder dumm angeguckt, dass ich meine Tochter über das erste Lebensjahr hinaus gestillt habe. Wie stehst du dazu und was empfiehlst du Mamas, wie sie am besten mit Kritik umgehen?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, ein halbes Jahr voll zu stillen und dann bei geeigneter Beikost bis zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus so lange zu stillen, wie Mutter und Kind es wollen. Und genau das ist das Wichtigste: so lange, wie Mutter und Kind es wollen. Und nicht irgendein Außenstehender.

Es ist schade, dass manche Stillmütter durch Kommentare oder Blicke verunsichert oder kritisiert werden. Auch hier kann es helfen, sich emotionale Unterstützung und Gleichgesinnte zu suchen, zum Beispiel in den Stillgruppen. Es stärkt das Selbstvertrauen und kann einen gelassener im Umgang mit Kritik machen, wenn man Rückhalt durch andere erfährt, aber auch einfach über das Hintergrundwissen, um seine Entscheidungen fundiert erklären zu können. Man muss sich aber natürlich nicht auf jede Diskussion einlassen, denn letztendlich kennt niemand sein Kind so gut wie man selbst. Die Mutter ist die Expertin für ihr Kind.

Weltstillwoche 2015 „Stillen und Beruf – gemeinsam geht´s“ – Interview mit einer Stillberaterin

© Mamis Blog / Sophie Wölbling

Wirst du auch kontaktiert, um beim abstillen zu unterstützen? Wenn ja, wie reagierst du darauf? Versuchst du vom weiterstillen zu überzeugen?

Jede Stillbeziehung geht irgendwann zu Ende und so gehören auch Abstillberatungen zu meinem Aufgabengebiet. Ich bin diesbezüglich für jede Mutter da und unterstütze und begleite sie auf ihrem Weg. Ich missioniere nicht - ich akzeptiere die Entscheidung jeder Frau, egal ob sie ein paar Tage stillt, ein paar Wochen, Monate oder Jahre. Wichtig ist einfach, dass die Frau gut informiert für sich selbst entscheidet. Deshalb kläre ich beispielsweise bei Ammenmärchen auf: nein, man muss nicht abstillen, wenn ein Kind das erste Zähnchen bekommt. Auch die Chance, dass ein Kind nach dem Abstillen alleine ein- und durchschläft ist eher gering.

Je nach Alter des Kindes und nach Dringlichkeit des Abstillens (muss zum Beispiel wegen einer schweren Erkrankung schnell abgestillt werden, damit die Mutter behandelt oder operiert werden kann oder kann das Abstillen auch über mehrere Wochen oder gar Monate langsam erfolgen) überlege ich mit jeder Frau bzw. jeder Familie gemeinsam, welche Möglichkeiten es gibt, wie die Stillmahlzeiten durch künstliche Säuglingsnahrung oder Beikost ersetzt werden können, wie das Kind bei diesem Prozess liebevoll begleitet werden kann und sensibilisiere natürlich auch die Mutter dafür, auf sich selbst zu achten.

Was sind deiner Erfahrung nach die größten Irrtümer zum Stillen und woran liegt es, dass diese sich immer weiter verbreiten?

Ammenmärchen halten sich hartnäckig und manchmal ist es wirklich gruselig, welche Ansichten sich weiterhin kursieren, sei es der ominöse 3-oder-4-Stunden-Abstand oder die Behauptung, die Brust sei nicht zum Nuckeln da, sondern ein Baby habe dort nur schnell und zügig zu trinken. Und immer noch werden junge Eltern gewarnt, ihr Kind nicht zu verwöhnen, es nicht zu viel zu tragen, nicht bei sich schlafen zu lassen oder nicht auf jeden Pieps zu reagieren. Dabei kann man kein Kind durch zu viel Liebe verwöhnen. Welcher Erwachsener genießt es denn nicht, bedingungslos geliebt zu werden, nachts gemütlich mit dem Partner einzuschlafen oder in den Arm genommen zu werden, wenn es einem mal nicht gut geht? Warum sollte es unseren Kindern da anders gehen?

Viele Frauen berichten, dass gerade der Still-Start schwierig, schmerzhaft und problematisch ist. Kann man sich darauf vorbereiten und wenn ja, wie?

Informationen sind oft hilfreich: was ist physiologisch „normal", wie häufig wollen Neugeborene an die Brust, was sind frühe Hungerzeichen...

Noch schöner ist es aber, wenn man sich bereits in der Schwangerschaft mit Stillmüttern austauschen, Fragen stellen und zusehen kann. Auch die Wahl des Geburtsortes und der Geburtsbegleitung können den Stillstart beeinflussen. Als „babyfreundlich" zertifizierte Kliniken bemühen sich um einen guten Stillstart und unterstützen die Bindung zwischen Eltern und Kind. Auch die Hebamme kann man bereits in der Schwangerschaft daraufhin abklopfen, wie sie zum Stillen steht, ob sie sich selbst diesbezüglich fortbildet. Und auch eine Stillgruppe und Stillberaterin vor Ort kann man schon vorab kontaktieren oder zumindest für alle Fälle im Hinterkopf haben.

Leider gibt es immer noch häufig in Kliniken, bei Hebammen und Kinderärzten „schwarze Schafe", die Frauen nicht beim Stillen unterstützen sondern vorschnell sagen, man soll dem Kind die Flasche geben. Wie geht man damit um, wenn man sich eigentlich fest vorgenommen hat, zu stillen?

Die Verunsicherung ist groß, wenn man vom Fachpersonal solche Ratschläge erhält. Wer stillen möchte, sollte an seinem Stillwunsch festhalten und sich Hilfe und Unterstützung holen, vielleicht auch eine zweite Meinung einholen. Ein Partner, der den Rücken stärkt, ist schon viel wert. Eine Freundin, die selbst gestillt hat, und natürlich nicht zu vergessen die vielen ehrenamtlichen und freiberuflichen Stillberaterinnen.

Stillen ist aber auch keine entweder-oder-Sache. Viele Frauen kommen nach einem holprigen Start über das Teilstillen, also das Zufüttern von künstlicher Säuglingsnahrung, oder Stillen mit Hilfsmitteln wie Brusthütchen durch Unterstützung auch zum Vollstillen. Es ist nie zu spät, sich auf seinem Weg von Stillfachpersonen informieren und begleiten zu lassen.

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© Mamis Blog / Sophie Wölbling

Viele Frauen haben „Angst", dass sie nicht genug Milch haben und kaufen vor der Geburt sicherheitshalber Flaschenmilch und Ausstattung, falls das stillen nicht klappt. Ist das aus deiner Erfahrung sinnvoll oder sollte man lieber auf sich selbst vertrauen, dass alles klappt und wenn doch nicht, kann man dann die entsprechenden Dinge kaufen?

Beinahe alle Frauen können stillen und eine positive Grundeinstellung „Ja, ich kann das!" ist sicherlich gut.

Sollte sich anhand der Ausscheidungen des Babys, seines Allgemeinzustandes und seiner Gewichtsentwicklung abzeichnen, dass es zu wenig Milch bekommt, lässt sich sehr oft über ein optimiertes Stillmanagement viel „retten".Manchmal muss vorübergehend zugefüttert werden. Das muss aber nicht unbedingt mit der Flasche sein. Man kann sich einfach optimistisch in das Abenteuer Baby und ins Stillen stürzen und sich dann, wenn es Fragen gibt oder Schwierigkeiten abzeichnen, kompetente Hilfe holen. Ein Kind verhungert nicht von jetzt auf gleich und im Fall der Fälle sind Milchpulver und Becher, Löffel, Spritze oder Fläschchen schnell besorgt.

Gibt es Fälle, die dir als Stillberaterin besonders nahe gegangen sind oder dich sogar länger beschäftigt haben? Wie gehst du damit um?

Jeder, der im sozialen Bereich tätig ist, kennt sicherlich die Gratwanderung zwischen Empathie, die wir den Menschen, die sich an uns wenden, entgegen bringen und der eigenen Abgrenzung.

Jede Familie ist einzigartig und so berate ich auch immer individuell und wertschätzend. Gerade bei der Stillberatung hängt manchmal aber noch so viel mehr dran, was im Gespräch zur Sprache kommt, sei es eine schwierige Schwangerschaft, ein schlimmes Geburtserlebnis, Partnerschaftsprobleme, Überforderung mit dem Alltag mit Baby und eventuellen Geschwisterkindern, gesundheitlichen Sorgen... Immer wieder gibt es Beratungen, die mir selbst sehr nahe gehen, besonders wenn es um schwer kranke Kinder oder Mütter, Extremfrühchen oder auch traumatische Geburten geht. Stillberatung ist oft eine Mischung aus Zuhören, Annehmen, Aufarbeiten, Informationen geben, Perspektiven aufzeigen.

Für mich selbst sortiere ich nach den Beratungen noch mal meine Gedanken und Gefühle. Manchmal ist auch der Austausch mit Kolleginnen oder eine Art Supervision wichtig. Wir erleben in unseren Beratungen und Stillgruppen so viele schöne, bereichernde Dinge, aber auch immer wieder schwierige und traurige. Die volle Bandbreite des Lebens. Auch für uns Beraterinnen ist es übrigens schön, später noch mal eine Rückmeldung zu bekommen. Ich freue mich immer, wenn ich noch mal von „meinen" Müttern lese oder sie zufällig treffe. Ich denke, ich spreche für viele meiner Kolleginnen, wenn ich sage, dass wir das, was wir machen, mit ganz viel Herzblut tun. Wir schenken Müttern einen Teil unserer Zeit, unseres Wissens und unserer Erfahrung. Wir geben viel, aber wir bekommen auch viel zurück.

Vielen Dank, liebe Sophie, dass du dir die Zeit genommen hast, die Fragen zu beantworten. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Freude als Stillberaterin bzw. bei Deinen zahlreichen weiteren Tätigkeiten und Ausbildungen.

Wenn Ihr mehr über Sophie wissen möchtet, Fragen an sie habt oder an ihrer LLL-Stillgruppe teilnehmen möchtet, findet Ihr hier nähere Informationen, Kontaktmöglichkeiten und die Termine der Treffen.

Gerne könnt Ihr auch einen Kommentar hinterlassen mit Euren Fragen, die ich dann gesammelt an Sophie weiterleite. Wie steht Ihr zum Thema Stillen & Berufstätigkeit und auch Stillberatung. Habt Ihr auch schon mal eine Stillberaterin kontaktiert? Ich freue mich auf Eure Kommentare. Euch und Euren Kindern wünsche ich eine schöne Stillzeit.

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