Waschen ohne Seife? Duschgel ohne Tenside?!

Waschen ohne Seife? Duschgel ohne Tenside?!

Erklärbar ist ihre Funktionsweise durch ihren molekularen Aufbau: sie bestehen aus einem wasserabweisenden (hydrophoben) und einem wasserliebenden (hygrophilen) Teil. So bilden sie an der Wasseroberfläche eine dünne Schicht, indem die hydrophilen Molekülteile in Richtung Wasser, die hydrophoben folglich in Richtung Luft ragen. Aufgrund dessen sinkt die Oberflächenspannung.
Eine wichtige charakterisierende Eigenschaft von Tensiden ist die Kritische Mizellenbildungskonzentration (engl. kurz CMC). Unterhalb dieser bewegen sich die Moleküle frei in der sie umgebenden Flüssigkeit oder eben an der Oberfläche. Oberhalb der CMC ordnen sich die Tensidmoleküle zu kleinen kugelförmigen Aggregaten, den Mizellen. Dabei sammeln sich die hydrophoben Enden im inneren der Mizelle, die hydrophilen orientieren sich Richtung Wasser.

Häufig wird zwischen natürlichen und synthetischen Tensiden unterschieden. Dies erscheint logisch, ist aber nicht immer sinnvoll. Zu den natürlichen Tensiden werden jene gezählt, die aus nachwachsenen Rohstoffen bestehen, wie z.B. Seife. Synthetische werden petrochemisch gewonnen. Jedoch bedarf es auch bei der Seifensiederei chemischer Reaktionen. Hinsichtlich der Umweltrelevanz kommt es vor allem auf deren Abbaubarkeit an. Und nicht zuletzt ist die Funktionsweise, unabhängig der Gewinnung, gleich.

Hier liegt auch der große Nachteil für die Haut, nämlich die Entfettung. Egal ob synthetisch oder natürlich, der hydrophobe Teil bindet sich an das Fett der Haut und der wasserliebende Teil sorgt dafür, dass nicht nur die Tenside, sondern eben auch jenes abgespült wird. Das klingt erst mal gut - und fühlt sich meist auch so an, allerdings ist das hauteigene Fett eben auch eine Schutzschicht, die vor Feuchtigkeitsverlust bewahrt. Und genau die wird mit entfernt.

Erde als Tensidersatz? Oder auch: Warum Erde sauber und nicht schmutzig macht...

Und worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen Heil-, Lava- und Tonerde? Am einfachsten ist es vermutlich von Mineralerden zu sprechen. Denn der Ursprung ist allen gemein: sie sind während der letzten Eiszeit entstanden, während Gletscher Felsen und Steine zu Staub zermahlen haben. Manche bestehen aus zersetzen Feldspat, Eruptivgestein oder wurden vom Wind zusammengetragen. Unabhängig vom Ursprung, sammelten sie sich in Bodensenken und wurde in Folge des Drucks zu Löss zusammengespresst. Löss bildet also die Grundlage. Mineralogisch besteht dieser aus Quarz, Kalk, Mineralien, Spurenelementen und Tonerde-Silikaten. Die Zusammensetzung variiert dabei nach Abbaugebiet.

Die geologische Herkunft spielt insbesondere bei der Unterscheidung von Tonerden eine Rolle (und deren Farben). Heilerde ist in Deutschland dabei ein geschützter Begriff, weil hierbei eine Arzneimittelzulassung vorliegen muss.

Der Name Lavaerde impliziert, dass es sich hierbei um Lavagestein handelt. Dies ist jedoch nicht der Fall, er leitet sich vom lateinischen "lavare", also waschen, ab.

Und damit sind wir auch schon bei der Erklärung, warum sich die Erden so hervorragend für die Reinigung eignen: der Gesteinsstaub setzt sich aus winzigen Körnern zusammen. Trotz der Größe von einem Tausendstel Millimeter des einzelnen Kornes, bilden sie gemeinsam eine riesige Oberfläche. Ein Teelöffel Heilerde hat z.B. eine Oberfläche von etwa 100qm! Sie verfügen über eine kapillare Saugkraft; je feinkörniger desto mehr Flüssigkeit kann aufgesogen werden. Dabei beschränkt sich der Absorptionseffekt nicht nur auf Wasser; auch Fett, Emulsionen und andere Substanzen können gebunden werden.

Mineralerden reinigen also durchaus die Haut. Allerdings ist auch hier ein wenig Vorsicht geboten, denn sie absorbieren eben auch Fett. Gegenüber einigen Tensiden haben sie aber einen leichten Vorteil: Natriumlaurylsulfat z.B. interagiert mit den Proteinen auf unserer Haut, weshalb hier zudem ein starkes Irritationspotential vorhanden ist.

Nach diesen kleinen Ausflügen in die Chemie und der Geologie, geht es nun aber um die beiden von mir getesteten Duschgele:

Waschen ohne Seife? Duschgel ohne Tenside?!

Aqua (Water), Alcohol denat.*, Prunus Amygdalus Dulcis (Sweet Almond) Oil, Kaolin, Glycerin, Montmorillonite, Cetearyl Alcohol, Cetearyl Olivate, Sorbitan Olivate, Hectorite, Xanthan Gum, Tocopherol, Helianthus Annuus (Sunflower) Seed Oil*, Parfum (Fragrance)**

*aus kontrolliert biologischem Anbau

**natürliche ätherische Öle

Aqua, Ammonium Lauryl Sulfate, Decyl Glucoside, Magnesium Aluminum Silicate, Glycerin, Cocamidopropyl Betaïne, Aloe Barbadensis Leaf Extract*, Kaolin, Parfum, Benzyl Alcohol, Citric Acid, Sodium Chloride, Sodium Benzoate, Citronellol, Linalool.

Im Preis schneidet Sante hier etwas besser ab (vor allem, wenn man es, so wie ich bei DM kauft; da kostet es lediglich 3,95€ - allerdings habe ich die Cattier-Variante im Kneipp-Outlet gekauft, wo auch dieses günstiger war). Sante ist zudem als vegan deklariert, wobei Cattier für mich auf den ersten Blick auch vegan anmutet. Ganz so sensitive ist die Sante-Variante nicht, da an zweiter Stelle der Inhaltsstoffe bereits Alkohol steht, bei einem abwaschbaren Produkt, für mich jedoch zu verschmerzen. Immerhin folgt dann auch schon das beworbene Mandelöl.

Sante wirbt mit einer "tensidfrei" Deklaration; der Blick auf die Inhaltsstoffe bestätigt dies.

Cattier wirbt mit einer "Seifenfrei" Deklaration. Der Blick auf die Inhaltsstoffe verrät allerdings, dass hier gleich drei Tenside enthalten sind und wie wir weiter oben gelernt haben, sind Seifen Tenside.

Mir ist dies übrigen auch erst nach der Fotobearbeitung aufgefallen, weshalb ich das erste Bild auch noch fälschlicherweise mit "tensidfreie Duschgels" betitelt habe.

Waschen ohne Seife? Duschgel ohne Tenside?!

Verglichen habe ich letztlich dennoch die Konsistenzen: die Duschcreme von Sante ist tatsächlich sehr cremig, schäumt nicht, lässt sich dennoch gut verteilen. Anfänglich war es für mich etwas irritierend, weil ich das Gefühl hatte, dass ich mich unter der Dusche mit einer Bodylotion eincreme.

Das Cattier Duschgel ist dagegen wirklich geliger, emulgiert auf und schäumt ein wenig.

Für den Vergleich habe ich noch den Sante Duschbalsam dazu genommen, weil auch dieser eher etwas cremiger ist, aber nicht ganz so sehr wie die Duschcreme.

Beide Tonerden-Varianten haben meine Haut nicht übermäßig ausgetrocknet, dennoch mochte ich die Sante Duschcreme etwas lieber. Auch weil sie mir das angenehmere Hautgefühl vermittelt hat. Und nach dem Studium der Inhaltsstoffe, steht für mich der Sieger nun eindeutig fest.

Merke: auch bei Naturkosmetik sollte man sich nicht auf die Deklaration verlassen.

Link-Love: Pusteblume hat kürzlich ebenfalls einen Post über Tonerde Duschgele (Sante und Luvos) veröffentlicht


Bei welchem Produkt seid Ihr zuletzt auf die Deklaration reingefallen?
Und würden Euch Beiträge zu Inhaltsstoffen und Hautpflege (z.B. milde Reinigung) interessieren?


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