Was muss, dAsmussen

Was muss, dAsmussenSolche Fragen stellt heute niemand mehr wie damals die "Zeit". "Wo war Axel Weber, als sein Schüler Jörg Asmussen im Interesse der Finanzgroßwirtschaft die gefährlich falsche Deregulierung der Finanzmärkte durchsetzte", wollte das Blatt noch im Februar 2010 wissen. Eine Antwort gab es nicht, der "Schüler" aber wird nun endgültig zum Lehrer: Finanzminister Wolfgang Schäuble hat den Sozialdemokraten, der ihm bislang als Staatssekretär diente, zum Nachfolger des am Freitag überraschend aus dem Amt geschiedenen EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark ernannt.
Eine deutsche Karriere, die auf bemerkenswerte Weise von der Möglichkeit kündet, seinem Land quer zu allen politischen Lagern und unabhängig von einmal vertretenen Positionen zu dienen.
Denn Asmussen, ein hagerer, haarloser Mann mit Harry-Potter-Brille, war in den vergangenen zehn Jahren immer dort, wo die Musik spielte: Unter dem Christsozialen Theo Waigel begann er seine Laufbahn im Finanzministerium, unter Oskar Lafontaine begann sein Aufstieg, unter Hans Eichel wurde er Leiter des Ministerialbüros, bei Peer Steinbrück setzte der gebürtige Flensburger sich dafür ein, „überflüssige Regulierungen“ auf dem deutschen Finanzmarkt abzubauen und den „Ausbau des Verbriefungsmarktes“ als Ziel in den für den Finanzmarkt aufzunehmen.
Damals lobte der Ministeriale noch 2006 in einem Grundsatzpapier für das Bundesfinanzministerium, welche fantastische Möglichkeiten in Verbriefungen dringend stecken: "Spätestens mit dem Übergang in die Europäische Währungsunion", schrieb Asmussen, "hat ein Wandel der europäischen Finanzmärkte begonnen, der unter anderem durch Globalisierung, neue Produkte und eine immer stärkere Kapitalmarktorientierung geprägt ist."
Die Kreditversorgung einer Volkswirtschaft wie Deutschland hänge damit entscheidend davon ab, inwieweit eine moderne Kapitalmarktgesetzgebung eine Integration in die weltweiten Finanzierungskreisläufe über neue Kapitalmarktprodukte und angemessene Aufsichtsstrukturen bewirken kann. Wichtig sei eine „tiefere Fertigung von Finanzdienstleistungen“ am Standort Deutschland. Dazu brauche das Land "moderne Kapitalmarktgesetze, den Banken helfen, "ihr Geschäftsmodell allmählich auf ein aktives Management ihrer Portfolien umzustellen."
Er selbst lebte vor, wie das zu verstehen sei. Als Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat der Mittelstandsbank IKB schaute er nicht nur zu, wie die winzige Bank es schaffte, neun Milliarden Euro zu verzocken. Nein, Asmussen setzte sich massiv dafür ein, die Papiere zu kaufen, die später die Krise der IKB auslösten.
Was muss, dAsmussenEin Mann, der an seine Aufgabe glaubte. Es sei dem Finanzministerium wichtig, "dass sich auch der Markt für Asset Backed Securities (ABS) in Deutschland stärker als bislang entwickelt", schrieb er, der als Vertreter des BMF bequemerweise nicht nur im Verwaltungsrat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht saß, sondern auch im Gesellschafterbeirat der Lobbyorganisation True Sale International GmbH, in der sich alle Marktgrößen von Moodys über Fitch bis zu den deutschen Großbanken für die Entwicklung des deutschen Asset Backed Securities-Marktes einsetzt.
"Das deutsche Emissionsvolumen wächst", freute sich Asmussen. Und der Staat ging nach dem politischen Willen des SPD-Mannes schnurstracks voran: "Auch die staatseigene KfW, über die das BMF die Aufsicht führt, hat mit den Promise- und Provide-Programmen zur synthetischen Verbriefung seit 2000 in Zusammenarbeit mit den Banken das wohl größte Verbriefungsprogramm (58 Transaktionen) in Europa geschaffen", lobte Asmussen das eigene segensreiche Wirken.
Kein Hindernis, dem Bock später Gärtnerqualitäten zuzuschreiben, als es darum ging, den durch die geplatzten Verbriefungen grundgeschädigten Geldmarktgarten wieder aufzuforsten. Jörg Asmussen nahm nun Platz im Lenkungsausschuss des Lenkungsausschusses des Bankenrettungsfonds SoFFin und es gelang ihm, die Hypo eal Estate mit Steuerzahlergeld zu retten. Obwohl er wie damals im IKB-Aufsichtsrat nie mitbekommen hatte, was hinter den Türen der Bad Bank der erfolgreich nach Italien verkauften Hypovereinsbank vorgegangen war.
"Zündholzlieferant und Feuerwerker in einer Person" nannte ihn Telepolis, PPQ forderte schon damals eine weitere Beförderung des monetären Multitalents, das Volkswirtschaft in Gießen und Bonn studiert hat. "Wie es sich in einer ordentlichen Nepotie gehört", hieß es seinerzeit hier, "werden Posten gegen Ende zu durchweg mit engen Vertrauten aus einem Kreis besetzt, der immer kleiner wird."
Konsequenterweise führt der Weg des "neoliberalen Genosse‎n" nun nach Europa. Als neuer EZB-Chefvolkswirt wird der Fuchs nun einen noch größeren Hühnerstall bewachen und für den reibungslosen Ankauf von noch mehr noch wertloseren Staatsanleihen die Begründungen liefern.
Derzeit hat die EZB ja auch erst vierzigmal so viele Anleihen in den Büchern, wie sie Eigenkapital besitzt.


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