Was macht Leidenschaft zur Leidenschaft?

Was macht Leidenschaft zur Leidenschaft?

»Schreiben ist meine Leidenschaft.« Diese Aussage lese ich in vielen Autoreninterviews. »Du schreibst doch aus Leidenschaft?«, fragt mich die beste Freundin von allen, wenn ich mal wieder zweifele. Ja, natürlich ist es eine Leidenschaft, Geschichten zu schreiben. Aber wäre es auch auf Dauer eine Leidenschaft, wenn klar wäre, dass die Geschichten nie gelesen würden?

Leidenschaft, ein großes Wort

Wenn ich an Menschen denke, die einer Leidenschaft nachgehen, dann fallen mir große Musiker ein, die von Kindesbeinen an ihr Instrument erobert haben und virtuos jede Facette auszuarbeiten versuchen. Mir fallen Maler ein, die bis zum Exzess daran arbeiten, ihre Gedanken in Bildern auszudrücken. Allesamt sind diese Vorbilder so viel größer als ich, dass es mir fast als Frevel vorkommt, das Wort Leidenschaft in meinem eigenen Kontext zu nutzen. Leidenschaft hat bei diesen Menschen etwas mit Selbstaufgabe zu tun. Damit, alles im Leben dem zu widmen. Und sie macht verletzlich.

Leidenschaft entblöst

Wenn ein Mensch einer Leidenschaft frönt, wird er automatisch seine Seele, sein Ich, alles was diesen Menschen ausmacht, in diese Leidenschaft einbringen. Er ist nackt. Aber wer nackt ist, macht sich verletzlich, denn jeder Mantel, der uns sonst schützt, ist verschwunden. Wir alle kennen Beispiele von Menschen, die durch ihre Leidenschaft zerbrochen sind. Nun könnte man das Risiko der Verletzung minimieren, in dem man den Mitmenschen nichts von der eigenen Leidenschaft wissen lässt. Aber geht das überhaupt?

Leidenschaft nur für mich?

Es gibt viele Menschen, die Geschichten schreiben, das Geschriebene in Schubladen verschwinden lassen und es nie einem Menschen zeigen aus Angst, verletzt zu werden. Aber macht das glücklich? Ein Thema, das ich in meinen Büchern immer wieder beleuchte. Mir kommt bei dem Gedanken an eine eher zurückgezogen ausgelebte Leidenschaft das Bild eines Briefmarkensammlers in den Sinn, der am Abend in seinem stillen Kämmerlein sitzt, und seine Lieblinge sorgsam sortiert. Oder ich denke an den Landwirt, der mit Leidenschaft daran arbeitet, die leckersten Kartoffeln zu züchten. Beides sind Tätigkeiten, die nicht auf Publikum abzielen, die keine Leser oder Fans nach sich ziehen. Aber sind sie dadurch unabhängig von anderen Menschen?

Leidenschaft geht nicht alleine

Wenn der Landwirt denkt, leckere Kartoffeln gezüchtet zu haben, die aber keiner haben möchte, wird er wahrscheinlich irgendwann Blumenkohl züchten oder daran zugrunde gehen. Der Briefmarkensammler hat nur dann Freude an seiner Sammlung, wenn er besondere Stücke in seinen Alben hat. Aber Briefmarken werden nur dadurch besonders, in dem eine Menge von Menschen sie zu etwas Besonderem machen. Also auch, wenn er zu Hause alleine vor sich hin sammelt, ist er dennoch abhängig vom Bild anderer Menschen. Für mich als Autorin ist es ähnlich. Ich kann die meiner Meinung nach tollste Geschichte der Welt geschrieben haben, aber endgültig bestätigt wird diese Meinung nur durch andere Menschen, die meine Meinung teilen. Die Geschichte in der Schublade verschwinden zu lassen und nie einem Menschen davon zu erzählen, würde im Gegenzug bedeuten, die Leidenschaft zu unterdrücken.

Leidenschaft ausleben heißt, sie mit anderen zu teilen

Der Landwirt wird mit Stolz geschwellter Brust auf dem Markt stehen, weil ihm die Menschen seine Kartoffeln aus den Händen reißen. Der Briefmarkensammler wird glücklich lächeln, wenn ein Experte seine Sammlung lobend betrachtet. Die Autorin blüht jedes Mal auf, wenn ihr berichtet wird, wie sehr das Buch gefallen hat. Die Leidenschaft ist also untrennbar mit der Reaktion anderer Menschen verbunden. Tröstlich ist es daher, dass das Leben zeigt, dass etwas wahrhaft leidenschaftlich Betriebenes immer auch Menschen finden wird, denen es gefällt. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass ich mich nie hinsetzen und ein Buch schreiben würde, wenn definitiv feststünde, dass es nie auch nur einem Menschen auf der Welt gefallen würde.
Daher bin ich dankbar für jede Leserin und jeden Leser. Im Übrigen gilt mein Fazit auch für Blogartikel. Wer würde schon Blogartikel schreiben, wenn absolut sicher wäre, dass sie nie jemand liest? Daher ist es schön, dass du gerade hier bist und mir die Enttäuschung des völlig ungelesenen Blogartikels ersparst. Du könntest mich noch glücklicher machen, in dem du mit diesem Artikel deine Freunde animierst, über ihre Leidenschaft nachzudenken. Oder erzähle in einem Kommentar darüber, wie du deine Leidenschaft auslebst.

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