Was für ein schöner Sonntag!

Oft genug gab es hier von anstrengenden, nervenaufreibenden Wochenenden, Urlauben und Ferien zu lesen, ja selbst einzelne Schließtage brachten mich, genauso wie den Mann, manchmal an den Rand unserer Nerven. Deshalb möchte ich heute ganz bewusst mal von einem wunderschönen Tag mit den Kindern erzählen, als positiven Gegenpart zu manchem Negativbericht hier und für mich selbst als Erinnerung daran, dass diese Tage existieren, dass vieles jetzt möglich ist, was früher undenkbar war, dass ich mittlerweile viel mehr Dinge als früher ohne Nervenzusammenbrüche oder völlige Erschöpfung schaffe und dass es nicht nur anstrengend, sondern auch richtig toll mit den Kindern sein kann. Ich kam gestern so zufrieden, ausgeglichen, erfüllt, selig, vollgetankt mit frischer Luft, Kinderteamgeist und Stärke von meinem Ausflug mit den Kindern nach Hause und dachte, warum kann es nicht immer so sein? Nicht mal meine Erkältung hat gestört...
Als der Mann sich morgens mit Migräne ins Bett legte, spielten wir erst noch ein bisschen zuhause, aber mich zog es raus, denn das Wetter war grandios, Sonne, blauer Himmel, eiskalt, aber trocken und die Vögel zwitscherten, als wäre schon Frühling. Wir packten uns total dick ein, denn ich wollte mit den Kindern in den Zoo fahren. Erst fürchtete ich, dass der Große bei der Bekanntgabe des Ausflugsziels mosern würde, denn bekanntlich ist er nicht gerade tiervernarrt und hat noch vor wenigen Wochen kundgetan: "Boah nee, für Zoo bin ich zu alt!" Aber die Kleine war beim letzten Besuch eines Zoos in einer anderen Stadt (in unserem Weihnachtsurlaub) total traurig gewesen, dass sie keine Elefanten gesehen hatte (wir hatten ein Abendticket und keine Zeit mehr), so dass ich ihr versprochen hatte, bald Elefanten zu besuchen. Erstaunlicherweise kam der Große bereitwillig mit und so fuhren wir drei mit Bus und U-Bahn zum Zoo, wo wir um 11:30 Uhr ankamen. Ich war gespannt, wie lange die Kinder durchhalten würden (zwar schlafen nun mittags nicht mehr, aber wir machen immer eine Mittagspause zuhause) und besonders war ich auf die Laune des Großen gespannt, denn er hatte tatsächlich von Anfang an bei jedem Zoobesuch schlechte Laune gehabt. Früher fragten wir uns immer, was denn mit ihm los sei, immerhin begeisterten sich doch "ALLE" anderen Kinder für Tiere, nur er nicht und war im Gegenteil immer total motzig und mies drauf. Mittlerweile wissen wir, dass Tiere ihn eben nicht so superdoll interessieren und es ihm sicherlich auch oft alles zu viel und zu fremd war, die strengen Gerüche, das Gedrängel vor den Gehegen etc. Ehrlich gesagt, ging mir das auch oft so. Je älter er wird, umso mehr fragt er aber, wo bestimmte Tiere leben, wie alt sie werden etc., interessiert sich also mehr für die Fakten als die Lebewesen. Ich glaube, auch dies war bei mir früher ähnlich.
Was für ein schöner Sonntag!Die Kleine war selig, als sie ihre Elefanten sah, und auch der Große zeigte keine Ansätze seiner sonstigen Zoo-Aversion. Wir gingen zu den Giraffen und schauten lange zu; dass die eine Giraffe den Urin der anderen, gerade pullernden Giraffe mitten im Strahl mit der Zunge auffing, fanden sie natürlich zum Schießen und erzählten es dem Papa abends überschwänglich. Dann ging es an einigen anderen Freigehegen entlang zum Restaurant, denn wir hatten Hunger. Nach dem Mittagessen schwächelten beide Kinder etwas, der Große jammerte, die Beine täten ihm weh, obwohl wir gerade gesessen hatten, und die Kleine wollte immer öfter in den Buggy. Wir besuchten noch die Fütterung im Affenhaus...
Was für ein schöner Sonntag!und waren kurz im Raubtierhaus, aber dann ging erstmal nichts mehr - außer: Spielplatz! Auf dem (wirklich tollen Abenteuer-) Spielplatz war alle Müdigkeit vergessen und die Kinder turnten ausgelassen herum. Auch dieser Spielplatz hatte den Großen wegen seiner Größe und Vielfältigkeit lange Zeit überfordert. Man kann /muss sehr viel klettern, es gibt verschlungene Wege durch die Holztürme, wackelige Hängebrücken in luftiger Höhe und schnelle und hohe Rutschen, vor denen er immer Respekt hatte. Nun entfernt er sich sogar freiwillig von mir, probiert alles aus, traut sich Dinge zu und schaut, was die größeren Jungs machen. Immer mehr findet er die Herausforderungen klasse. Es ist so schön, solche Entwicklungen zu sehen. Naja, und die Kleine hat ja sowieso kaum Berührungsängste und klettert manchmal sogar dem Großen voran. Auch für mich war es total schön, denn ich musste zwar aufpassen und die Kinder im Auge behalten, aber hatte ansonsten mental Ruhe und konnte die Luft und Sonne genießen.
Was für ein schöner Sonntag!Nach dem Spielplatz gingen wir noch einen Kakao trinken und anschließend nochmal in eine andere Ecke des Zoos, wo wir selten waren. Es gab kein Gemecker und Gejaule, sie machten alles super mit. Um 16:30 Uhr fuhren wir wieder nach Hause. Ich fürchtete, dass die Kleine in der U-Bahn einschläft, aber das war zu aufregend. Kurz nach 17 Uhr kamen wir zuhause an und waren über 6 Stunden unterwegs gewesen. Solche Ganztagesausflüge machen wir eigentlich sehr selten, wegen der (uns wichtigen) Mittagspause und weil das auch für die Kinder anstrengend ist, aber diesmal bot es sich aufgrund des grandiosen Wetters wirklich an und ich war begeistert, dass es so gut klappte.
Zuhause angekommen, hatten wir alle rote Wangen und glänzende Augen, auch die Kinder waren ausgeglichen, fröhlich und gar nicht überdreht, wie sonst manchmal, wenn alles zuviel war. Sie berichteten dem Papa ausgelassen von ihren Erlebnissen. Und ich selbst war so richtig glücklich und erfüllt. Dass so etwas jetzt geht, dass ich es genieße und dass ich nicht abends völlig erschöpft zusammenbreche, ist ein unglaublicher Fortschritt auf allen Ebenen. Nun nehme ich diese positive Energie mit in die Woche und wenn wiedermal ein Ausflug so richtig mies lief, die Kinder nur meckerten und nichts klappte, dann lese ich diesen Text und erinnere mich an diesen WUNDERSCHÖNEN SONNTAG, der wirklich so war, wie ich es mir immer wünschen würde.