Was der Kuckuck mit Baguette zu tun hat

Hallo liebe Freundinnen und Freunde der Regenbogenkombüse,

da habe ich vor ein paar Wochen noch gefragt, ob die französische Esskultur den Bach runtergeht und was muss ich jetzt aus den deutschen wie französischen Medien vernehmen: Die Franzosen essen immer weniger Baguette!

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Hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch jeder Franzose ein ganzes Kilo (das entspricht 4 Baguettes zu 250 Gramm) am Tag gegessen, so waren es in der 1970er Jahren nur noch ein Baguette. In jüngster Zeit, so zeigen die neuesten Beobachtungen des “Observatoire du pain”,  ist der Verzehr nochmals deutlich zurückgegangen, sodass der Franzose an sich nur noch auf ein halbes Baguette, also mieselige 125 Gramm  pro Tag kommt.

Das ist nun wirklich wieder ein kultureller Kracher! Man stelle sich mal vor: Da sitzt man gemütlich mit französischen Freunden am Tisch und jeder mümmelt den ganzen Abend nur an einer hauchdünnen Scheibe Baguette herum. Worauf legt man denn dann den herrlich reif zerlaufenden Rohmilchcamembert? Den würzigen Roquefort? Die kleinen, mit etwas Olivenöl in der Pfanne gebratenen “Crottins de chèvre”? Wird mit feinem bretonischen Meersalz gesalzene Butter jetzt auch gleich abgeschafft? Womit tunkt man die Soße auf und wischt den Teller zum Ende der Mahlzeit sauber? Wodurch ersetzt man dieses herrliche Knacken, das genau dann entsteht, wenn die Zähne auf die goldbraune Kruste treffen? Gibt es jetzt nur noch “carotte” statt “baguette”? Und womit unter dem Arm schlendern nach getaner Arbeit  Monsieur oder Madame nach Hause? Mit Sushiröllchen oder Dönerpäckchen?

Kampagne zur Rettung des Knusperbrotes

Denn genau hier liegt der sprichwörtliche Hund  begraben: Die Liebe der Franzosen zum Baguette bröselt, weil sich die Essgewohnheiten ändern. Weil Sushi, Hamburger, Pasta und Pizza das Knusperbrot heimtückisch verdrängen.

Diesem  rüden Verfall der kulinarischen Sitten ist das “Observatoire du pain” jetzt energisch mit einer Kampagne zur Rettung des knusprigen französischen Kulturgutes entgegentreten. “Coucou, tu as pris le pain?” kann man jetzt in 130 Städten auf riesigen Plakaten lesen – was in etwa bedeutet: Schatz, hast du an das Brot gedacht? Anzusehen gibt es das hier.

Baguette wird als das Lebensmittel der Wahl für jeden und zu jeder Tageszeit gepriesen. Mit einem Stück Baguette geht also über den ganzen Tag kulinarisch alles. Und es beruhigt, dabei ganz nebenbei auf der gleichen Website  zu erfahren, dass immerhin 97,6 Prozent der Franzosen Brot essen. Also ist Holland(e) – ich meine natürlich Frankreich – doch noch nicht verloren?

Vielleicht sollte ich in Frankreich um kulinarisches Asyl bitten? Frei nach dem Motto: Gérard Depardieu (der sich bestimmt nicht mit nur einem Baguette pro Tag hat abspeisen lassen) geht, ich komme? Ich verspreche auch, dass mich weder pieksende Baguettekrümel im Bett noch der Dauereinsatz meines Staubsaugers vom genüsslichen Knuspern abhalten werden.

Coucou, ich komme! Und weil ich nicht mit leeren Händen dastehen möchte, bringe ich einen leckeren veganen Brotbelag mit. Immer nur Käse und Baguette ist ja auf die Dauer auch langweilig. Wie wäre es dagegen mit einer leckeren (Soja-)Joghurt-Tahin-Creme zum Dippen? Vom ofenfrischen Baguette ein Stück abbrechen und dann ordentlich in die aromatische Creme tunken. So einfach kann Genuss sein. Vive la baguette!

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Frischer Joghurt-Tahin-Aufstrich (vegan)

 2 – 3 EL Sesammus (Tahin)
2 EL Olivenöl
1 EL frisch gepresster Zitronensaft
300 ml ungesüßter Sojajoghurt
2 Knoblauchzehen
Meersalz, am besten feines fleur de sel
frisch gemahlener weißer Pfeffer
 
Das Sesammus mit dem Olivenöl und Zitronensaft vermischen.
Den Sojajoghurt hinzufügen und alles zu einer glatten Creme verrühren.
Die durchgepressten Knoblauchzehen unterrühren und den Joghurt-Tahin-Aufstrich herzhaft mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Den Aufstrich vor dem Servieren etwa 15 Minuten im Kühlschrank ziehen lassen.
Reste des Aufstrichs halten sich in einem verschlossenen Glas im Kühlschrank 2 bis 3 Tage.
 
Tipp:
Der Aufstrich schmeckt noch frischer, wenn Sie zusätzlich 150 Gramm geschälte und fein gewürfelte Salatgurke und 4 Esslöffel fein gehackte glatte Petersilie unterrühren.
 

In diesem Sinn: Bon appétit!

Ihre Heike Kügler-Anger