Was andere schon richtig machen - Reviews

2012-07-04 09.32.07Das ist Galina Knoll. Sie ist Hausdame im Hansa Apart Hotel in Regensburg [1]. Von ihr können wir als Softwareentwickler etwas lernen.

Als Hausdame ist eine Ihrer Aufgaben, die Reinigung der Zimmer zu überprüfen. Sie hat einen Plan, welche Zimmer zu reinigen sind – das hängt ja davon ab, wann welche Gäste abreisen. Den Plan spricht Sie mit den Zimmermädchen ab, die die Zimmer herrichten. Und am Ende überprüft Sie, ob die Zimmer den gewünschten Zustand haben. Manche müssen prick für einen neuen Gast sein; andere müssen “nur” für eine weitere Nacht desselben Gastes wieder frisch sein.

Natürlich geht bei Dutzenden oder gar Hunderten Zimmern immer etwas schief. Eine Hausdame ist deshalb dafür zuständig, Qualitätsmängel einer Behebung zuzuführen. Manches muss nochmal vom Zimmermädchen nachgebessert werden. Für anderes ist der Hausmeister zu informieren.

In die Sprache der Softwareentwicklung übersetzt bedeutet das: Galina Knoll ist für den Review der Arbeitsergebnisse zuständig.

Hotels haben schon lange gelernt, dass die “Aufräumarbeiten” der Zimmermädchen nicht allein genügen, um die Qualität herzustellen, die der gute Ruf eines Hotels für seinen Erhalt braucht. Es kommt zu sehr darauf an, dass in den Zimmern alles stimmt, als dass man sich dort Nachlässigkeiten erlauben dürfte. “In Produktion gehen” Zimmer also nur nach einem Review durch die Hausdame.

Und wie ist es bei der Softwareentwicklung? Kommt es da nicht für den guten Ruf des Entwicklungsteams bzw. des Softwarehauses darauf an, dass die Qualität des Codes stimmt? Ich meine, schon. Er ist das Aushängeschild – auch visuell/haptisch durch die Usability, aber auch durch seine Stabilität. Fehler jeder Art turnen den Nutzer genauso ab, wie den Hotelgast die Fußnägelreste der Vorgängers in der Dusche oder Spinnweben über dem Bett.

Warum hat dann aber die Softwarebranche noch nicht dasselbe gelernt wie die Hotelbranche? Warum sind Reviews nicht etabliert in jedem Team? Warum lässt die eine Branche Zimmermädchen bei vergleichsweise einfachen arbeiten nicht ohne Endkontrolle – und die andere Branche überlässt die Hersteller ungleich komplizierterer Ergebnisse “ihr Zeug” einfach an den Kunden geben?

Es ist nicht zu verstehen. Und bitte: Man mögen mir den Einwurf “Keine Zeit!” ersparen. Den könnte die Hotelbranche auch vorbringen. Es wäre doch alles einfacher/billiger, wenn die Reinigung schneller ginge weil ohne Review. Trotzdem verzichtet man nicht auf die visuelle und persönliche Kontrolle. Der Grund: Man hat verstanden, dass schlechte Qualität früher oder später den Geldfluss verringert. Entweder direkt, weil weniger Gäste buchen – dann muss man die Preise senken und dann weiter an Kosten Sparen. Eine Negativspirale setzt ein, die niemanden zufrieden macht. Oder indirekt, weil Aufwand durch Nachbesserung entsteht, wenn Gäste sich beschweren. Der zieht wertvolle Kräfte zur Unzeit von Wichtigerem ab.

Ich würde also sagen: Wir können etwas von der Hotelbranche lernen. Und das nächste Mal, wenn Sie in einem Hotel sind, freuen Sie sich bewusst über die Abwesenheit von Mängeln. Alles ist sauber und frisch.

Wäre das nicht auch wünschenswert für die Software, die Sie ausliefern?

Mein Dank gilt Galina Knoll und ihren Kolleginnen und Kollegen in den vielen Hotels, in denen ich jährlich einige Zeit verbringe.

[1] Im Hansa Apart Hotel bin ich gerade für ein paar Tage während eines Kundentermins. Da ist mir Galina Knoll morgens mit ihrem Notizblock und dem großem Schlüsselbund aufgefallen. Und es ist mir bewusst geworden, was wir von ihrer Rolle lernen können.


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