Warum ich meinen Facebook Account nicht löschen werde

Von allen Ecken und Enden des Interwebz1 hört man, dass Facebook böse ist und deshalb löschen jetzt einige Web Celebs2 ihre Facebook Accounts. Die Holzmedien3 freuen sich über sowas und helfen mit und erklären der Masse2, wie gefährlich Facebook ist. Ich bleibe trotzdem dort und erkläre in diesem Beitrag warum.

Facebook Logo

Die Anfänge von Facebook

oder: Der kleine Mark
Foto: kk+

Warum ich meinen Facebook Account nicht löschen werdeAm 28. Oktober 2003 sitzt der kleine Mark Zuckerberg in seinem Zimmer und ist traurig, weil er sitzen gelassen wurde. Böse Frauen. Und wie er so dasitzt versucht er sich abzulenken und klickt sich ein wenig durch die Online-Jahrbücher der Harvard Universität, wo er studiert. Daneben bloggt er. Etwa wie hässlich manche Menschen sind. Und dass er ihre Bilder neben die von Bauerhoftiere stellen will und die Leute entscheiden sollen, was von beiden hübscher ist. Da der kleine Mark recht begabt ist, hackte er sich mal eben in den Server der Uni, lädt sich die ganzen Bilder runter und codet eine Seite, wo immer zwei Bilder nebeneinander angezeigt wurden und man musste sagen, welches davon hotter ist. Mark nannte sie Facemash. Wenig später schrieb er auch noch, dass er ein Trottel sei, weil er die Seite gemacht hat, aber irgendwer hätte es machen müssen. Punkt. Punkt. Punkt. Die Seite machte schnell die Runde, wurde von der Uni entfernt und der kleine Mark mit Strafen bedroht, die aber fallen gelassen wurden. Was für ein rühmlicher Start.

Im nächsten Semester bastelte der kleine Mark thefacebook. Ein Netzwerk für alle Harvard Studierenden. Innerhalb von kürzester Zeit hatte es tausende Mitglieder. Auch das Team um den kleinen Mark wuchs und bald expandierte man an andere Universitäten und Firmen wie Apple und Microsoft bis man sich in facebook umbenannte und im September 2006 für alle über 13 Jahren öffnete.

Kurz nach dem Start von thefacebook traten drei ältere Studenten aufs Parkett und beschuldigten den kleinen Mark, dass er ihnen versprochen hätte zusammen mit ihnen ein Social Network zu bauen, aber am Ende nur ihre Ideen geklaut hätte. Der kleine Mark war wieder Mal angepisst und hat sich über die Daten, die die drei Studenten bei Facebook angeben haben (Passwörter und so) in zwei von ihre Email-Accounts gehackt. Darauf hin haben sie ihn dann angezeigt.

Quelle: Frei nach Wikipedia

Der kleine Mark hatte aber noch mehr auf Lager. Etwa nannte er die ersten 4000 User einfach mal “dumb fucks” (Vollidoten), weil sie ihm ihre Daten anvertrauten.

Und da war da noch der Co-Founder, den der kleine Mark rausgeworfen hat.

Ich übernehme keine Garantie, dass auch nur ein Teil der Geschichten stimmt. Allerdings nehme ich für mich mit, dass Mark Zuckerberg intelligent, aber auch übermütig und respektlos ist. Sicher ist, dass Mark meint das Zeitalter der Privatsphäre sei vorbei.

Doch Facebook ist nicht Mark Zuckerberg. Auch wenn er möglicherweise großen Einfluss hat, ist Facebook ein großes Unternehmen, wo mehr Leute etwas zu sagen haben. Da kann der kleine Mark strampeln und schreien, wie er will.

Facebook hat Zugriff auf meine Daten

Uh, oh. Total schlimm. Angeblich gab es ein Master-Passwort mit dem man auf jeglichen Account zugreifen konnte. Und auch wenn es das nicht mehr gibt, kann man nun über ein Administrations-Panel die Accounts anschauen. Warum tut Facebook nichts dagegen? Das kann man doch nicht zulassen?!!

Und jetzt beruhigen wir uns wieder. Dann verrate ich4. euch etwas. Eure Bank kann auf euer Konto zugreifen. Die können sogar Geld hin und herschieben oder euer Passwort ändern. Eurer Mobilfunkanbieter kann euer Handy5 sperren. Oder nachschauen wie viel ihr telefoniert. Euer Mailanbieter kann eure Mails lesen, wenn ihr sie nicht verschlüsselt. Ich kann eure IP Adressen anschauen, nachverfolgen von wo ihr gekommen seid, welche Seiten ihr angeschaut habt und welchen Link ihr geklickt habt. Ich kann sogar die Stadt sagen, in der ihr lebt und wenn ihr Scheiße baut, kann ich mit hoher Wahrscheinlichkeit euren ISP dazu bringen mir eure Namen und Adressen rauszurücken. Wisst ihr wie viele Daten der Staat von euch hat?

Ich wollte ja eigentlich beruhigen, aber mir scheint, ihr sitzt jetzt mehr geschockt vor euren Bildschirmen. Zumindest die, die das Internet bisher vor allem genutzt haben.

Die Bank

Stellen wir uns einmal vor, dass die Bank keinen Zugriff auf euer Konto hätte. Das System ist so programmiert, dass nur ihr mit eueren Passwort darauf zugreifen könnt. Die Bank kennt das Passwort nicht6 und kann es nicht ändern. Sonst wäre es ja witzlos. Sobald jemand die Möglichkeit hat ein Passwort zu ändern, kann sie das Passwort auch gleich haben. Habt ihr das Passwort vergessen, ist das Konto verloren. Ihr könnt auch nicht mal eben in die Bank spazieren und euch erkundigen wie es um eure Finanzen steht. Ebensowenig wie die Bank überwachen kann, ob ihr auffällige Kontoaktivitäten habt und gegebenenfalls die Karte sperren.

Auch wenn ein Angestellter nicht einfach so mit eurem Konto was machen kann, gibt es irgendwo eine IT Abteilung, die die Möglichkeit haben muss, wenn etwas schief läuft, nachzuschauen was schief läuft und es gegebenenfalls reparieren.

Social Networks

Ich habe eine Zeit lang als Community Manger bei einem kleinen7 deutschen Social Network gearbeitet und konnte dort einige Dinge lernen. Stellt euch vor euer Profil wurde gehackt. Haben die Netzwerkbetreiber keinen Zugriff, können sie es euch nicht zurückgeben. Oder irgendetwas funktioniert nicht. Hätten die Betreiber keinen Zugriff, könnten sie nicht versuchen das Problem zu reduplizieren und euch weiterhelfen. Jemand hat ein Nacktfoto von euch hochgeladen und weigert sich es runterzunehmen? Ich hoffe der Betreiber kann es anschauen und gegebenenfalls entfernen. Jemand wird gemobbt? Verbreitet wer rechtswidrige Inhalte? Jemand hat ein Profil mit euren Namen und euren Fotos angelegt? Ich hoffe die Betreiber haben Zugriff auf alles und können darauf reagieren.

Facebook verkauft meine Daten

In letzter Zeit kommen immer mehr Menschen mit einem Absatz aus den Facebook AGB und sehen darin ein Geschäftsmodell.

You own all of the content and information you post on Facebook, and you can control how it is shared through your privacy and application settings. In addition:
1. For content that is covered by intellectual property rights, like photos and videos (“IP content”), you specifically give us the following permission, subject to your privacy and application settings: you grant us a non-exclusive, transferable, sub-licensable, royalty-free, worldwide license to use any IP content that you post on or in connection with Facebook (“IP License”). This IP License ends when you delete your IP content or your account unless your content has been shared with others, and they have not deleted it.

- Facebook TOS

Klingt zu Beginn schrecklich. Aber man muss es im Kontext sehen. Hätte Facebook nicht die Erlaubnis unsere Inhalte weltweit, unentgeltlich zu nutzen, würden sie auch unsere Freunde nicht sehen. Facebook dürfte die Inhalte nur uns selbst anzeigen. Ich finde auch den Zusatz “subject to your privacy and application settings”. Vorbehaltlich der Privatsphäre-Einstellungen. Für mein Verständnis bedeutet dies, dass es unter Einhaltung der Privatsphäre-Einstellungen passiert. Sollte ich das falsch verstehen, bitte ich um einen Hinweis per Mail oder in die Kommentare.

sub-licenseable
“Die können ja meine Fotos verkaufen.” Ja, könnten sie. Dann wären sie aber wirklich dumm und würden viele User verlieren. Mich eingeschlossen. Und wie wir wissen, entziehen wir ihnen die Erlaubnis indem wir unsere Inhalte löschen. Natürlich nur, wenn sie noch nicht weitergegeben wurden. Warum steht diese “sub-licenseable” in den AGBs? Nach meiner Auffassung ist es nötig, damit es bei Facebook Apps geben kann und andere Webservices mit den Inhalten interagieren können. Wir haben ja nur Facebook die Erlaubnis gegeben, etwas mit den Inhalten zu machen, nicht den ganzen Apps und Services.

Dieser Teil der AGBs ist also, so wie ich es verstehe, nötig, damit Facebook überhaupt funktionieren kann, wie es funktioniert. Urheberrecht bleibt beim Urheber..

Warum ich meinen Facebook Account nicht löschen werde

Facebook hat schlechte Privatsphäre Einstellungen

Schlecht nicht unbedingt, aber sehr komplizierte.

Facebook gibt sich zwar Mühe alles zu erklären und es gibt viele Möglichkeiten sehr genau zu sagen, wer was sehen darf, allerdings sind es für die meisten schon wieder zu viele. Da gibt es als Beispiel das Mädchen, das der Meinung ist, ihrer Mutter ihre Fotos nicht anzuzeigen, da sie sie nicht als Kontakt akzeptiert hat. Allerdings hat sie ihre Inhalte für Freunde von Freunden freigegeben und die Mutter ist mit ihrer Tante verbunden, welche wiederum mit dem Mädchen verbunden ist. Somit sieht sie die Fotos.

Gut finde ich hingegen, dass Minderjährige, als unter 18 Jahren, grundsätzlich ihre Inhalte nicht allen zur Verfügung stellen können, sondern nur ihren Freunden, Freunden von Freunden und ihrem Netzwerk (zBsp. Schule).

Ein großes Problem ist, dass Facebook so oft an den Privatsphäreeinstellungen rumwerkelt. Empfehlenswert ist diese interaktive Grafik, wo man nachvollziehen kann, wie sich die Standardeinstellungen vom geschlossenen Studierenden-Netzwerk hin zum offenen Netzwerk für alle entwickelt haben. Sodass einige Inhalte standardmäßig allen Internetusern angezeigt werden. Aktuelle Beispiele sind zwei Suchmaschinen (mit den gleichen Ergebnissen), die die öffentlichen Facebook Status Nachrichten durchsuchen. Bisher habe ich aber noch wirklich schlimmen Sachen dort gesehen.

Das Internet ist öffentlich

Ich habe schon vor einiger Zeit die Illusion abgelegt, dass es im Internet so etwas wie Privatsphäre gibt. Auf meinem eigenen Server kann ich verschlüsselte Dateien ablegen ohne groß in Gefahr zu laufen, dass sie jemand öffnen kann, aber überall sonst sieht es schlecht aus.

Twitter hat im Gegenteil zu Facebook den Vorteil, dass sie schon immer öffentlich waren und auch nie etwas anderes behauptet haben. Optional kann man seine Updates schützen. Aber selbst dann muss einem klar sein, wie schnell ein Follower etwas geschütztes Retweeten kann und somit wieder öffentlich macht. Das gleiche bei Facebook. Du hast dich vergessen auszuloggen? Dein Account wurde gehackt? Du hast einen Kontakt angenommen, der dir schaden will? Der Account eines Freundes wurde gehackt? Ein Freund hat vergessen sich auszuloggen? Facebook hat wieder mal die Privatsphäre-Einstellungen geändert? Pech für dich, deine Inhalte sind öffentlich.

Es gibt zu viele Möglichkeiten, als dass ich annehmen kann, dass irgendwas privat bleibt. Aus dem Grund habe ich irgendwann fast alle Privatsphäre-Einstellungen auf öffentlich gestellt.

Ich kann zu allen Inhalten, die ich poste stehen. Man muss jedoch beachten, dass es alles nur Momentaufnahmen sind. Ein Statusupdate ist ein flüchtiger Gedanke. Meinungen ändern sich und es ist unmöglich aus allen Inhalten, die ich je veröffentlicht habe ein komplettes Bild von mir zu erschaffen. Es sind Schnipsel, die auf einer Zeitleiste aufgehängt werden können.

Ihr solltet euch vor jedem Update fragen, ob ihr damit leben könntet, wenn es morgen in der Zeitung erscheint. Bei mir ist es so, dass man vieles nicht so einfach verstehen könnte, aber fast alles kann ich erklären und somit geht es wieder in Ordnung. Ich habe auch noch nie einen Blogbeitrag, es sei denn ich wurde darum gebeten, aus meinem Blog gelöscht und so kann man in meiner Vergangenheit stöbern. Was für mich aber klar Vergangenheit ist, besonders weil ich mich in den letzten drei Jahren enorm weiterentwickelt habe.

Die Vorteile von Facebook

Da wird jetzt ständig gesudert, was Facebook alles böses macht und wie es uns ausnimmt und ich verteidige nur. Dabei wird bei der Diskussion oft darauf vergessen, was Facebook uns alles bietet. Ja, wir geben gewisse Dinge auf und Facebook macht mit uns Werbung und Zeug, aber wir bekommen dafür ja auch etwas. Ansonsten würden die Userzahlen nicht immer noch steigen.

Interaktives Adressbuch

Es passiert mir inzwischen nur noch selten, dass ich jemanden nicht auf Facebook finde. Ich kann ihm dort schnell eine Nachricht schicken und muss mir nicht erst per Telefon8 eine Mailadresse besorgen. Ich kann mal eben nachschauen, was die Menschen so machen, was sie mögen und was nicht. Vielleicht haben wir auch ein paar gemeinsame Kontakte. Ein bisschen durch die Fotos klicken. Ich finde das großartig.

In Kontakt bleiben

Kennt ihr ein anderes Tool, das es ermöglich mit mehreren hundert Menschen in Kontakt zu bleiben und sich auszutauschen? Twitter vielleicht, aber da sind nicht so viele und es bietet andere Möglichkeiten. Freunde gehen ins Ausland? Kein Problem, auf Facebook bekommt man weiter mit was sie so machen, kann mal schnell mit ihnen chatten und die neusten Fotos anschauen und kommentieren. Ich habe Freunde die in anderen Städten leben, dank Facebook weiß ich, was sie so treiben und wenn wir uns treffen können wir direkt in ein interessantes Gespräch einsteigen, anstatt ersteinmal aufholen, was in der Zeit in der wir uns nicht gesehen haben, passiert ist. Anschlusskommunikation. Du hast doch letztens geschrieben, du hast meinen Blog gelesen. Willst du nicht auch damit anfangen? Ich kann dir auch alles zeigen. Es gibt so viele Möglichkeiten.

Veranstaltungskalender

Ich bekomme jede Woche mehrere Einladungen zu interessanten Veranstaltungen zu Themen, mit denen ich mich beschäftige, von Leuten, die ich mag. Ich sehe auch gleich, wer noch hingeht und kann mich im Vorhinein wunderbar mit anderen Teilnehmern austauschen und möglicherweise Kontakte knüpfen. Geburtstagspartys werden in meinem Freundeskreis meist nur noch über Facebook angekündigt. Wer nicht drinnen ist, hat Pech. Natürlich werden enge Freunde auch noch angerufen oder per Mail informiert, aber es ist einfach schwieriger mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Ähnlich wie bei Leuten, die sich gegen ein Handy wehren und immer nur zu bestimmten Zeiten erreichbar sind.

Ohne Facebook?

Geht auch. Mir wird ja gerne vorgeworfen, ich sei internetsüchtig. Da habe ich dann einfach 43 Tage lang aufs Social Web verzichtet. Habe es ohne bleibenden Schäden überlebt, weiß aber dass das Leben komplizierter wird und man schnell einmal den Kontakt zu bestimmten Personen verliert. Viele Informationen erreichen einen nicht mehr und mehr Bücher liest man deshalb auch nicht.

Ich lösche nicht

Facebook mag einige Probleme haben, was ihre Privatsphären-Einstellungen und Firmenpolitik betrifft, doch indem ich meine Einstellungen zu Privatsphäre im Internet angepasst habe, ist es für mich kein großes Problem mehr. Man muss es kritisch sehen, aber seinen Account löschen ist eher ein Schuss ins eigene Bein. Dass man seinen Account bei Facebook gar nicht löschen kann, ist übrigens auch ein blödes Gerücht. Über diesen Link kann man sich dauerhaft löschen. Man darf sich allerdings mindestens zwei Wochen nicht einloggen, denn in der Zeit ist der Account nur deaktiviert und wenn man sich einloggt wird der Löschvorgang abgebrochen.

Doch wozu löschen? Als Statement? Wenn ich dann Seiten wie quitfacebookday sehe, muss ich doch etwas grinsen. Schon 1000 die mitmachen wollen? Ahahaha. Ich gehe davon aus, dass sich das Vielfaches an Personen im gleichen Zeitraum angemeldet hat. Und wenn ihr nicht mehr bei Facebook seid, werden dadurch keine peinlichen Fotos mehr dort sein? Ich empfehle sich einmal face.com anzusehen. Selbst wenn ihr nicht getaggt seid, wird man euch finden. Es ist besser zu wissen, was online ist, als plötzlich davon überrascht zu werden.

Facebook bietet mir einige Dinge, die ich nicht mehr missen möchte und daher werde ich meinen Account nicht löschen, sondern verantwortungsvoll mit meinen Daten umgehen. Es bestimmt immer noch der User, was er online stellt.

Plant ihr euren Account zu löschen? Warum? Oder warum nicht?


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