Warum ich meine Mission für wichtig halte

Warum ich meine Mission für wichtig halteSumpfmeise | Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4 + MC-14 | 420mm (840mm KB) |ƒ5.6 |1/250s | ISO1600 | Capture One Pro

Auf meinen vor wenigen Stunden geteilten Post über »Fotografen und Techniker« erhielt ich einen Kommentar der mir interessant genug schien, ihn als zusätzlichen Post zu veröffentlichen. Darin schrieb der freundliche Leser unter Anderem: »Es macht daher in meinen Augen keinen Sinn sich darüber zu échauffieren, was andere selbsternannte Fachleute zu Mft schreiben, posten etc. Es gilt noch immer der Satz: Das beste System ist das, mit welchem ich gut klar komme, und welches meine Anforderungen erfüllt. Alles andere ist Stimmungsmache. Da muß aber jeder seine eigene Erfahrung machen.«

Dem stimme ich grundsätzlich zu. Am liebsten würde ich über die Leute die ich kritisiere einfach nur den Kopf schütteln oder die Achseln zucken. Die Artikel die ich ihnen entgegen setze benötigen ja nicht nur Zeit zum Lesen – sie erfordern noch viel mehr Zeit sie zu schreiben. Leider wissen wir alle, dass der Kameramarkt dramatisch schrumpft. Überleben werden die, denen es gelingt sich anzupassen und gesundzuschrumpfen. Hoffen wir, dass am Ende mehr als zwei oder drei Marken übrig bleiben.

Für Olympus hoffe ich, dass der Mutterkonzern seine Imaging-Tochter lange genug durchfüttert, bis sich die Branche konsolidiert hat und die verbleibenden Marken wieder mit Gewinn arbeiten können. Wir wissen aber auch alle, dass weder für Olympus eine Gewissheit gibt in einigen Jahren noch am Markt zu sein, wie auch für einige andere Marken. Und ich weiß auch, dass ich allein dadurch, dass ich das schreibe, ein zufällig vorbeikommender Interessent an MFT vorbei kommen, das lesen und denken könnte, oh, wenn sogar ein ›Fan‹ nicht so recht an die Zukunft des Systems glaubt, dann greife ich vielleicht besser zu Sony oder Canon.

Dabei werden meine Artikel am Kameramarkt wenig Schaden anrichten. Anders sieht es da schon aus, wenn ein YouTube-Kanal 1,5 Millionen Abonnenten hat und in der Community als eine Art Instanz in Sachen Fototechnik und -theorie gilt. Wenn der eine Marke für tot erklärt, wird sich das durchaus in den Umsätzen abbilden. Wir wissen ja auch, dass es zum Überleben eines Produkts nicht immer ausreicht gut und nützlich zu sein. Die Geschichte kennt genügend Beispiele in denen sogar ein besseres gegen ein minderwertigeres Produkt den kürzeren gezogen hat.

Natürlich sollen die Leute ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Aber wer neu in der Fotografie ist oder wenig Interesse an technischen Daten und Theorie hat, sucht meist nach Orientierung. Dabei verlässt man sich natürlich gerne auf Leute, denen man zutraut, etwas davon zu verstehen. Sind da dann nur mehr die Tech-Freaks am Wort, die die Qualität einer Kamera allein an Megapixel, Bildern pro Sekunde, Auflösung des elektronischen Suchers, Pixel-Peeping und Photonen pro Mikromillimeter Photodiode bemessen, während die Praktiker schweigen, wird aus subjektiven Meinungen so etwas wie allgemeine Wahrheit.

Ich vermute die meisten Fotografen verlassen sich bei dem, was sie über Fotografie als Fakten annehmen, im Großen und Ganzen auf das, was Leute sagen und schreiben, die sich – vermeintlich oder nicht – tiefer als sie in Technik und Theorie eingearbeitet haben. Die wenigsten haben Interesse daran alles selbst zu überprüfen und zu vergleichen, ob das, was theoretisch richtig sein mag, für sie praktisch überhaupt relevant ist.

Ich habe mit meinem ersten Buch über eine Kamera gelernt, nicht alles zu glauben und abzuschreiben, was in Fachbüchern, -magazinen und Foren zu lesen ist. Es gibt eine paar Fehler in dem Buch, die daher rühren, dass ich den Quellen meiner Recherchen vertraut habe. Natürlich muss ich mich noch immer auf meine Recherchen verlassen. Wenn ich über Farbe schreibe und es um Physik geht, dann kann ich das nicht selbst untersuchen. Doch soweit als möglich habe ich alles, was ich über Fotografie weiß und vertrete in der Zwischenzeit selbst getestet.

Ein Beispiel: Theoretiker behaupten, Bokeh sei ausschließlich Resultat von Blende und Abbildung abhängig und die Brennweite haben keinen Einfluss darauf. Das widerspricht natürlich jeder fotografischen Erfahrung, aber manch Leute vertrauen mehr in die Theorie als in die Praxis. Ich wollte es genau wissen und habe es selbst getestet. In diesem Artikel beschreibe ich, weshalb es zwar theoretisch richtig ist, praktisch jedoch falsch.

Wenn eine kleine Tech-Geek-Community die Meinunghegemonie in der Fotografie überlassen bekommt, werden sich alle Fotografen die wenig Interesse an eigenen Studien und Tests haben an deren Ergebnissen orientieren. Ich betrachte es deshalb ein bisschen als meine Mission dieser Tech-lastigen Sichtweise eine differenziertere und mehr an der fotografischen Praxis orientierte Sichtweise entgegen zu setzen.

Die Geeks haben zwar (meist) nicht unrecht mit dem was sie zu berichten haben. Sie haben nur unrecht, wenn sie behaupten sie seien objektiv, sie wüssten die Wahrheit und jede andere Ansicht sei Unwahr oder sogar »LÜGE« – um zum Abschluss noch ein Wort zu verwenden, das Tony Northrup so gerne verwendet.


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