V.S. Naipaul – Eine islamische Reise

V.S. Naipaul – Eine islamische ReiseVor gut drei Wochen kritisierte ich an Henryk M. Broders Buch “Die Irren von Zion” Ohne eigenen Kommentare, die die Aussagen der Befragten und Auskunftgebenden hinterfragen ….
Das, was mich an Broders Art störte, macht genau das aus, was ich bei Vidiadhar Surajprasad Naipaul Literatur nenne. Naipaul fragt nach – und lässt den Leser an seinen Fragen teilhaben. Er schreibt, was er nicht versteht. Und er kommentiert mit eigenem Erleben. Ganz anders als Broder, dem ich Arroganz unterstellte, ist Naipaul nah an den Menschen, die er befragt, von denen er lernen will:

Wie lebt man in Ländern, in denen die Religion Vehikel politischer Veränderung ist?” (aus dem Klappentext)

Wie lebt man im Iran, in Pakistan, wie in Malaysia und Indonesien? Dies sind die Länder, die Vaipaul besucht, deren Geschichte er zu begreifen versucht und an deren Beispiel er Anspruch und Wirklichkeit miteinander vergleicht.

Die Portraits, die er malt, sind zum Teil so dicht und persönlich (einschließlich erlebter Enttäuschungen), dass die Menschen und deren Geschiche(n) dem Leser nahe gehen.
Da ist der Perser Behzhad, der sich als Kommunist bezeichnet und trotzdem Hoffnungen in die islamische Revolution im Iran setzt – um dann sechs Monate später um sein Leben zu bangen. Da sind Taxifahrer, Hotelangestellte, Verkäufer auf der Straße, die schlaglichtartig mehr über ein Land, mehr über Menschen und das normale Leben in einem Land berichten als diverse Reiseberichte es vermögen.
Naipauls Reisebericht ist nicht nur eine Reise in fremde Länder; es ist vor allem eine Reise in fremde Lebensweisen. Und schon allein deshalb sehr wichtig zu lesen. Denn die (einfachen) Menschen, selbst die, die sich dem Islam zugehörig fühlen, passen so wenig in das westliche Feindbild, wie Du und ich in das der islamischen Welt. So wie dort in der östlichen Welt die fundamentalistischen Kräfte Zerrbilder der Welt malen… möchten die westlichen Fundamentalisten den Islam generell unter den Verdacht der Lebensfeindlichkeit stellen.

Naipaul zeigt diese Widersprüche, mit denen die Menschen z.B. in Pakistan leben müssen, sehr deutlich auf. Zum einen sind die Pakistani stolz darauf, in einem islamischen Staat zu leben und fühlen sich als die “besseren” Moslems (in Abgrenzung zu den arabischen)… zum anderen schicken sie ihre Kinder zur Ausbildung in den – offiziell geschmähten – Westen.
Mich erinnert dieser geistige Spagat, dieses einerseits lauthalse Beschwören der Unabhängigkeit vom Westen – ja, das sich Besserdünken – und andererseits die verspürte Abhängigkeit, das Schielen dorthin an das Ende der DDR. Ich frage mich heute noch manchmal, wie wir so leben konnten? Auf der einen Seite sagten Presse, Fernsehen, der Staat und (natürlich) die Partei immer, dass wir die besseren Menschen sind. Doch kaum hielt diese öffentliche Öffentlichkeit den Mund, schaltete die geheime Öffentlichkeit den Fernseher an und schaute “Westen” und verglich das Leben dort mit dem eigenen.
Wir wissen, was daraus wurde: das Bunte, Schillernde gewann.

Und diese Situation – so scheint es und so lese ich es auch aus dem Buch – wächst im Iran, in Pakistan, in Malaysia und Indonesien.
Nun ist das Buch bereits einige Jahre alt (1981) – und zumindest vom Iran weiss ich, dass diese Widersprüche immer gravierender werden. Wohin sich das entwickelt mag ich nicht voraussagen (wie auch?) – aber ich wünschte, dieses Buch und andere, ähnliche, würden im Westen mehr gelesen, um wenigstens ansatzweise zu verstehen, das nicht alle Moslems Islamisten sind.


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