Vorwärts und schnell vergessen

Vorwärts und schnell vergessenIn Siebenmeilenstiefeln eilt die Zeit, was eben noch auf der Seele brennt, ist morgen schon verstaubt und trübe, was gerade noch wichtiger ist als alles andere, scheint fünf Atemzüge danach eine Geschichte aus grauer Vorzeit. Eine "neue Ära" jeden Tag, ein neuer Morgen jede Stunde, die Katastrophen galoppieren und wo vor zwei Sekunden noch die Demokratie ihr recht einklagte, finden Urlauber nun schon wieder Pulsschlag war ist nun schon wieder
"alles, was zum perfekten Urlaub gehört".
Im Schatten des Super-Gau strömt das Öl aus Libyen, als sei Gaddafi nie abgesetzt gewesen. Keine Nachricht mehr von Mubarak, keine Erinnerung mehr, wie der Diktator von Tunesien hieß. War das große Ölunglück, die schlimmste Naturkatastrophe seit Tschernobyl vom letzten Jahr, im Golf von Mexiko oder im Golf von Siam? Hieß der letzte Kanzler, der seine Amtszeit nicht beendete, Kohl oder Schröder?
Vorwärts und schnell vergessen, hinter jedem überlebten Weltuntergang wartet die Chance auf einen nächsten, hinter allen ausgestandenen Krisen droht die eine, finale, die alle Optimisten Lügen strafen wird. "In den nächsten Stunden kann sich entscheiden, ob es in dem beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 zu einer massiven Kernschmelze kommt", dröhnt es bei n-tv unheilschwanger. Ein landesweiter Geldautomaten-Ausfall bei der Großbank Mizuho sorge außerdem für Verunsicherung in der Bevölkerung. Stunden der Entscheidung, knapp eine Woche, nachdem der selbe Sender im Chor mit allen anderen verkündet hatte, dass die Kernschmelze im Gange sei.
Aber auch das weiß ja schon keiner mehr.
Warum Japan nach deutschem Baurecht niemals hätte bebaut werden dürfen