Vor dem Aufstieg: Besser als Bayern

Vor dem Aufstieg: Besser als BayernRätselhafte Fußballwelt, selbst in der vierten Liga. Da steht in der Regionalliga ein Verein an der Spitze, der in der laufenden Saison in 22 Spielen nicht verloren hat. Diese Bilanz ist besser als die des deutschen Meisters Borussia Dortmund – nur Meister ist der Hallesche FC deshalb immer noch nicht. Drei Spiele stehen noch aus, drei Spiele mit der Chance, am Ende aufzusteigen. Dazu würde es reichen, zwei Spiele zu gewinnen. Doch wird es dazu kommen?
Einiges spricht dagegen. Der Makranstädter Daniel Frahn etwa hat in dieser Saison allein dreimal so viele Elfmeter verwandelt wie der ganze HFC. Sechsmal traf der RB-Stürmer bei acht Versuchen - der Konkurrent aus Halle bekam überhaupt nur drei Strafstöße zugesprochen.
Was für ein Unterschied, erst recht zu der anderen Spitzenmannschaft, die noch um den Aufstieg mitspielt.
Denn Holstein Kiel bekam mit elf fast viermal so viele Elfmeter zugesprochen wie der HFC. Weil der Hallenser Maik Wagefeld auch noch einen seiner drei Versuche nicht verwandeln konnte, Kiel aber acht Tore aus elf Strafstößen machte, schaffte Holstein insgesamt viermal mehr Tore vom Punkt als der derzeitige Tabellenführer der Regionalliga.
Ein Vorteil, der entscheidend sein könnte, wie ein Blick auf die Tordifferenz der drei Aufstiegsanwärter zeigt. Kiel liegt sieben Tore vor Halle, RB gar nur sechs - ein Unterschied, der kaum von Belang wäre, gäbe es nicht die augenfällige Diskrepanz bei den vom Strafstoßpunkt erzielten Treffern: Halle 2, RB 6, Kiel 8. Siegt Kiel noch dreimal, währen der HFC nur noch einmal gewinnt und zweimal einen Punkt holt, steigen die Norddeutschen auf, weil ihre Tordifferenz ein paar Treffer besser aussieht. Und die tut das eben, weil Kiel jede Menge mehr Strafstöße zugesprochen bekam.
Fußball-Mafia DFB? Zeigen die Zahlen eine geheime Verschwörung zugunsten von Störchen und Brauseballern? So eindeutig ist es nicht. Denn das Erstaunliche daran: HFC-Spieler werden nicht nur im Strafraum weniger gefoult, nein, sie foulen selbst auch weniger. 46 Gelbe Karten kassierten die Rot-Weißen bisher – RB kam auf 56 (plus zweimal Rot), Kiel auf 57 (plus einmal Rot). Platz 1 in der Fairplay-Tabelle der Saison spricht eine deutliche Sprache, ist aber am Ende für keinen zusätzlichen Punkt gut.
Dabei wäre der nach der Statistik der besten Torschützen dringend nötig. Danach steht Halle nämlich einigermaßen grundlos auf Platz 1 der Tabelle. Während Kiel (Heider & Lindner) und RB (Frahn und Kutschke) jeweils gleich zwei Spieler unter den erfolgreichsten fünf Torjägern platzieren konnten, taucht der erste Schützling von Trainer Sven Köhler auf Rang neun auf – Mittelfeldmann Marco Hartmann hat dabei genau ein Tor mehr geschossen als der drittbeste Kieler Sykora und drei mehr als der drittbeste Makranstädter Wallner. Der allerdings erst seit der Winterpause mitspielt.
Wieso steht Halle also dort vorn? Selbstverständlich wegen der Abwehr. Die ließ in 31 Spielen nur 14 Gegentore zu, fünf davon kassierte sie überdies in den beiden verlorenengegangenen Begegnungen bei Havelse und Wilhelmshaven – beide Mannschaften waren bei Anpfiff Tabellenletzter. Seit der Winterpause musste Torwart Darko Horvat ganze sechs Mal hinter sich greifen, seit Ende März sogar gar nicht mehr. Weniger Tore hat keine Mannschaft aus irgendeiner der ersten vier Ligen in Deutschland in dieser Saison kassiert – selbst bei der zweitbesten Abwehr der Republik, es ist die des Champions-League-Finalisten FC Bayern München, schlug es bis zum vergleichbaren Spieltag fast ein Drittel mal öfter ein.
Stürmer gewinnen Spiele, Abwehrspieler gewinnen Meisterschaften, danach sieht es aus. Ebenso aber auch danach, dass weder Heimstärke noch Auswärtsstärke allein eine Meisterschaft entscheiden. Kiel ist heimstark, aber auswärts schwach. RB ist auswärts fast nicht zu schlagen, kassierte aber daheim schon drei Niederlagen. In beiden Abrechnungen liegt der HFC nur auf Platz zwei – und zwei mal zwei macht in der Gesamttabelle aus Heim- und Auswärtsspielen Platz 1.
Das muss nichts heißen. Geht es etwa nach dem Rotebrauseblogger aus Leipzig, , sind das alles nicht die entscheidenden Details, die am Abend des 19. Mai über Wohl und Wehe entschieden haben werden. Vielmehr, glaubt der RB-Fan, spreche für den HFC die höhere Stabilität der Stammelf. Immerhin hätten beim HFC über 79,95 Prozent der Spielzeit der gesamten Saison dieselben Spieler auf dem Platz gestanden - RB kommt nur auf 75,86 Prozent, Kiel sogar nur auf 74,74 Prozent.
Für diese These spricht, dass die Stammelf-Werte in den 18 Spielen vor der Winterpause noch bei allen drei Topteams gleichermaßen hoch waren, „was sich auch in einem Kopf-an-Kopf-Rennen in der Tabelle äußerte“, wie der Brauseblogger bemerkt. „Nach der Winterpause besuchte Kiel das Verletzungspech und in Leipzig regierte eine eher unruhige Trainerhand“, folgert er: „Beim HFC hingegen konnte man auf eine Stammelf zurückgreifen, die nun folgerichtig auf Platz 1 der Tabelle steht.“
Eine These und vielleicht nicht die abwegigste. Bis auf den verletzten Steven Ruprecht, der über eine komplizierte Rochade von Außenverteidiger Eismann ersetzt wird, für den wiederum Ersatzaußen Benes einspringt, ist auch drei Spieltage vor Schluss keine große Umstellung nötig. Zwei Spiele müssen noch gewonnen werden, am besten die gegen St. Pauli und Meuselwitz, um die letzte Begegnung gegen Makranstädt ganz locker angehen zu können.
Wobei: Ein Ziel lockt dann doch noch, selbst in diesem günstigstenfalls bedeutungslosen Spiel. Gewinnt der HFC nämlich noch dreimal, hätte er in der Schlussabrechnung nicht nur einen Punkt mehr als der deutsche Meister. Sondern auch die höchste Punktzahl, die irgendeine Mannschaft aus den ersten vier Ligen in dieser Saison einfahren konnte.
Zur PPQ-Finalsoap:
Vor dem Aufstieg (VdA) IX
Vor dem Aufstieg (VdA) VIII
Vor dem Aufstieg (VdA) VII
Vor dem Aufstieg (VdA) VI
Vor dem Aufstieg (VdA) V
Vor dem Aufstieg (VdA) IV
Vor dem Aufstieg (VdA) III
Vor dem Aufstieg (VdA) II
Vor dem Aufstieg (VdA) I

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