Von Kröten und Fliegen

Der Grund warum ich kaum Horrorfilme gucke? Ich hab einen Garten. Wer braucht schon Saw, Silent Hill und Konsorten, wenn man direkt vor der Haustür mit Alptraummaterial versorgt wird. Gut, ganz so schlimm ist es auch nicht, aber ein Vorfall gestern hat mich doch ziemlich verstört, so dass ich das jetzt als therapeutische Maßnahme aufschreiben musste.
Es folgt eine Beschreibung der grausigsten Tatsache, die ich in meinem Garten vorgefunden habe. Überlegt es euch, ob ihr wirklich weiterlesen wollt – es ist zwar sicher alles nur halb so schlimm wenn man davon liest statt es tatsächlich sieht (und ich erspare euch die Fotos), aber ich selbst wäre durchaus dankbar, wenn ich davon nichts wissen würde. Nur, damit hinterher keiner sagt, ich hätte euch nicht gewarnt.

Gestern war ein schöner, sonniger Tag, wir haben im Garten gearbeitet und dabei im Zugang zur Kellertür eine große Erdkröte entdeckt. Die ist da wohl hineingefallen und konnte nicht allein wieder rauskrabbeln. Also haben wir sie sanft in einen Eimer befördert und am Gebüsch wieder ausgesetzt. Sah auf den ersten Blick etwas schlapp aus, hat sich aber dann aufgerichtet und ist ein paar Zentimeter vorwärtsgekrabbelt. Da haben wir sie dann mal in Ruhe gelassen.
Etwas später bin ich zu ihr zurück um zu sehen, wie es ihr geht – und da viel mir auf, dass sie weiße Flecken am Rücken hatte, die vorher nicht da waren. Also hingehockt und genauer geschaut: Fliegeneier. Aber schlimmer: Jetzt hab ich zum ersten Mal den Kopf der Kröte genauer gesehen. Nur, dass da nicht mehr recht viel da war. Dort, wo die Augen sein sollten, waren nur noch Löcher, man konnte sehen, dass darunter einiges hohl war und sich kleine weiße Maden darin wandten. Nein, die Kröte ist nicht in der Zwischenzeit gestorben – sie war noch genauso lebendig wie zuvor und schleppte sich gemächlich vorwärts. Ohne Augen und halb ausgehöhltem Kopf als dahinvegetierende Lebend-Mahlzeit.

Etwas Recherche im Internet später war ich schlauer: Krötengoldfliegen legen ihre Eier auf den Rücken von Erdkröten ab, die Larven dringen dann durch die Nasenlöcher in den Kopf des Wirtstieres ein und fressen sich langsam durch das Weichgewebe – dabei wird der Kopf völlig deformiert, aber das Tier lebt weiter, bis die Larven das Gehirn erreichen oder andere lebenswichtige Organe fressen. Ihr kennt diese grün-golden schillernden Schmeißfliegen? Gut möglich, dass die ihre Kindheit damit verbracht haben, die Augen einer noch lebenden Kröte zu fressen.

Ich bin als Landkind was die “fressen und gefressen werden”-Seite des Tierreichs angeht ziemlich abgehärtet – ich hatte kein Problem damit, wenn meine Katze vor meinen Augen geräuschvoll Mäuse zerkaute, und ich hab oft genug verwesende Tiere gesehen. Wir haben auch eine Sandwespe im Garten, der ich ohne weiteres dabei zusehen kann, wie sie Schmetterlingsraupen fängt, diese betäubt und dann zusammen mit ihren Eiern als spätere Mahlzeit für den Nachwuchs verbuddelt – bei Raupen kann ich mir da kein großes Schmerzbewusstsein vorstellen. Aber der Anblick der Kröte, die mit halb von Maden zerfressenen Kopf seelenruhig durch meinen Garten kriecht, hat mich aber entsetzt. Das Wissen, dass unsere Natur solche Dinge hervorbringt ist schlimm genug, dass das nicht irgendwo in Afrika oder Australien passiert, sondern fünf Meter entfernt von meinem Zimmer, und ich nur zusehen kann, macht es noch schlimmer.

Das letzte, was ich von der Kröte gestern gesehen habe, war, wie sie ins Gebüsch gekrochen ist. So deformiert wie ihr Kopf gestern war, ist sie inzwischen wahrscheinlich tot. Zumindest hoffe ich das für sie. Und ich bring dann mal weiter brav alle Spinnen, die sich ins Haus verirrt haben, nach draußen – wenn auch nur eine davon eine Krötengoldfliege fängt, hat sich die Mühe absolut gelohnt.


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