Von "alternativen Medien" und darüber, die Spreu vom Weizen zu trennen

Immer mehr Menschen wenden sich inzwischen, sicher nicht ohne Grund, von den etablierten Medien ab, weil sie der zum Teil sehr einseitig betrachteten, politisch überkorrekten Berichterstattung überdrüssig geworden sind und suchen stattdessen im Internet nach Antworten.
Noch ist das Netz ein freies Medium und bietet Informationen in Hülle und Fülle. Die sogenannten "alternativen Medien" haben Hochkonjunktur und neue Blogs, Newsportale etc. schießen wie Pilze aus dem Boden. Jeder darf schreiben, was er denkt und wenig bis nichts wird kontrolliert und reguliert. Leider ist dies Fluch und Segen zugleich, denn es macht die Suche nach qualitativ hochwertiger und vor allem seriöser Berichterstattung nicht einfacher und häufig ist es ein schmaler Grat zwischen Sinn und Unsinn.
Viele dieser "alternativen Medien" spielen mit den unterbewussten Ängsten der Leute. Beispielsweise die Furcht davor, von einer unbekannten Macht kontrolliert und benutzt zu werden. Leute, die anderer Ansicht sind, stellt man als manipulierte Deppen dar, die sich wie Marionetten steuern lassen. Dies gibt dem eigenen Anhang das Gefühl den Durchblick zu haben, eingeweiht zu sein - man fühlt sich elitär. Teilweise hat das schon sektenähnliche Züge.
Würden die Anhänger dieser unseriösen, alternativen Medien, oft abfällig als "Verschwörungstheoretiker" bezeichnet, nur einen Bruchteil ihrer Skepsis, welche sie den Massenmedien entgegenbringen, auf diese Alternativmedien anwenden, kämen sie wohl zu dem Schluss, dass man denen ebenso wenig trauen kann. Schließlich gibt es ja keinen Grund, warum deren Argumente, dass überall gelogen, vertuscht und manipuliert wird, nicht auch auf die Verschwörungstheorien selbst zutreffen können.
Ein wiederkehrendes Schema
Wenn man sich die Mühe macht, sich durch das schier undurchdringliche Dickicht der Theorien über 9/11, Bilderberg, Illuminaten etc. zu kämpfen, fällt einem auf, dass diese häufig nach demselben Schema gestrickt sind. Man nimmt zwei historische Fakten, dass beispielsweise a) John F. Kennedy ein Währungsgesetz beschlossen hat und b) dass er anschließend ermordet wurde. Dann baut man zwischen diesen Fakten eine nicht belegte Verbindung auf (bspw. JFK wurde ermordet weil er dieses Gesetz beschlossen hat und damit bei der "Elite" in Ungnade gefallen ist) und sagt anschließend: "Glauben Sie mir nicht einfach so - lesen Sie alles selbst nach". Wer dann noch nicht überzeugt ist, stellt nach kurzem googlen fest: "Oha, Fakt A stimmt tatsächlich, Fakt B stimmt auch. Dann wird das wohl so sein." Häufig wird dieses Schema auch noch um einen Fakt C erweitert, um letzte Zweifel auszuräumen.
Fragwürdige Doppelmoral
Da fällt mir spontan ein, in den Kreisen der "Erleuchteten" sehr bekannter, deutschsprachiger Blog ein (nein, ich nenne keinen Namen, aber manch einer wird sich sicher denken können, von welcher Seite die Rede ist), welcher sich hoher Klickzahlen erfreut. Der Autor lässt die Leser regelmäßig an seinen "Insiderinfos" über die "Neue Weltordnung", Bilderberg-Treffen und vielem mehr, teilhaben. Er verurteilt die Zensur der Massenmedien auf das Schärfste und stellt immer wieder Großkonzerne wie Apple, Google etc. an den Pranger - gleichzeitig veröffentlicht er aber scheinbar keine kritischen Kommentare unter seinen Beiträgen (kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen) und schaltet munter Werbung über Google auf seiner Homepage. Auch wird mit Polemik auf BILD-Niveau nicht gegeizt, gleichzeitig distanziert er sich aber von den Methoden der Springer-Presse. Wer diese Doppelmoral nicht kritikwürdig findet, dem kann vermutlich nicht mehr geholfen werden.
Selbstverständlich gibt es auch viele exzellente Nicht-Mainstream-Medien, die sich Mühe geben, seriös und differenziert zu berichten. Und wie in anderen Branchen auch, leiden diese unter den unseriösen Vertretern ihrer Zunft.
Verstehen Sie mich nicht falsch, dieser Artikel ist keinesfalls ein flammendes Plädoyer für die etablierten Massenmedien, die eingangs erwähnte Kritik an diesen ist durchaus angebracht, er ist vielmehr ein Appell an alle auf der Suche nach Wahrheit und Informationen, ihre Skepsis nicht aufzugeben, nur weil jemand etwas als "alternativ" präsentiert. Immer, wenn jemand vorgibt, zu sagen, "was keiner sagen darf", bedeutet dies, dass man hellhörig werden und seinen gesunden Menschenverstand benutzen sollte, statt blind alle Skepsis über Bord zu werfen.