Vietnam legalisiert gleichgeschlechtliche Ehe nicht

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Bereits im November hatte Vietnam über die Zusätze zu einer neuen Verfassung beraten. Viele BürgerInnen hatten sich davon auch die Aufnahme eines Paragrafen erhofft, der gleichgeschlechtliche Ehen legalisieren sollte. Diese mussten nach den Verhandlungen und dem Beschluss seitens der Nationalversammlung jedoch eine Niederlage hinnehmen: In Vietnam wird es derzeit keine gleichgeschlechtliche Ehe geben.
So schlimm ist dies jedoch nicht. Denn die Abgeordneten haben keineswegs dagegen gestimmt, sondern lediglich eine langsamere Anpassung der politischen Erfordernisse an die soziale Realität gefordert. Denn in Vietnam ist die Situation anders als in Deutschland. Während in Deutschland die Gesellschaft lange bereit war, gleichgeschlechtliche Ehen zu akzeptieren, ist dies in Vietnam nicht der Fall. Die vietnamesische Politik ist hier viel entwickelter als die Gesellschaft. Warum also gleichgeschlechtliche Ehen legalisieren, wenn die Gesellschaft gar nicht bereit ist, diese zu akzeptieren. Tatsache ist, dass in vielen Regionen Vietnams Schwule und Lesben kein Coming-Out machen können, weil sie sonst verstoßen werden - von Familie, Freunden und Arbeitskollegen. Die Abgeordneten forderten quasi, zuerst einmal eine soziale Realität herzustellen, in der diese Ehe überhaupt akzeptiert wurde. Es mag sein, dass dies ein Ausweichargument ist. Aber ich lebe selbst in Vietnam und weiß, welche Probleme auch nur der Verdacht auf Homosexualität in diesem Land mit sich bringen kann.
Letztes Jahr wurde eine Strafgebühr für gleichgeschlechtliche Ehen eingeführt - juristisch natürlich ein Unding. Denn wie kann ein Amt eine Gebühr für etwas verlangen, dass gar nicht existiert bzw. nicht durchgeführt werden kann. Tatsächlich sind gleichgeschlechtliche Ehen nicht verboten. Viele Paare haben deswegen versucht zu heiraten. Da es keine Verwaltungsrichtlinien für diese Prozedur gab, haben je nach Provinz die Behörden Ehen auch geschlossen. Die Regierung versuchte diesem Treiben mit einer Strafgebühr Einhalt zu gebieten. Diese wird nun wieder abgeschafft. Paradox: Vietnamesische Schwule und Lesben können in den Standesämtern also rein rechtlich heiraten, aber die Ehe wird offiziell nicht anerkannt werden!
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Seit November gab es nun mehrere Aktionen, meist in Ha Noi oder Ho Chi Minh City. Vom 14.-19. Dezember wird in Ha Noi eine Kunstaktion stattfinden, an der auch das deutsche Goethe-Institut teilnimmt. Es werden Filme schwuler und lesbischer Filmemacher gezeigt, Ausstellungen stattfinden und generell Aufklärung über gleichgeschlechtliche Sexualität durchgeführt.
Es ist zwar schade, dass Vietnam den Anschluss an die Moderne verpasst hat - das Land hätte die Möglichkeit gehabt, als erster Staat in ganz Südostasien seine Verfassung auch in diesem Gebiet zu modernisieren. Wer allerdings weiß, wie prüde asiatische Staaten gerade auf dem Gebiet der Sexualität sind, muss eigentlich erstaunt und erfreut sein, dass das Thema überhaupt öffentlich diskutiert wurde.
Informationen zu der Diskussion zur gleichgeschlechtlichen Ehe (Links öffnen sich in einem neuen Fenster)
Vietnam: Give Marriage-rights to Same-Sex Couples
Vietnam moves to decriminalize, not recognize gay marriage 
Vietnam Blazes Trail for Gay Rights in Southeast Asia- An analysis
Informationen zum Filmfest in Ha Noi
LGBT portrayal under the scanner in Hanoi
Ha Noi prepares for gay festival
First art focuses on LGBT
Man beachte die Verwendung von LGBT - kein Vietnamese wird sich darunter etwas vorstellen können!

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