Verletzte Weiblichkeit

Verletzte WeiblichkeitAls Einleitung zum folgenden Text:

Ich werde es nicht müde zu schreiben.

Es gibt keinen Dualseelenprozess, es gibt keinen Dualseelenweg.

Es gibt einzig die Liebe und diese zeigt sich für jeden in dem Gewand, wie es zu ihm und der anderen Person passt.

Diese führt jeden auf den Weg, der für ihn und das Gegenübern richtig ist.

Mein nun folgender Beitrag mag sehr kritisch und vielleicht sogar angreifend rüberkommen. Jedoch soll er aufrütteln. Er soll aufmerksam machen auf etwas.

Heute stolperte ich im Netz über einen Podcast, von einer Dame, die sich wohl mit Astrologie und der Dualseelenliebe beschäftigt und dahingehend Menschen berät.

Sie gab den Rat, den ganzen Dualseelenprozess 🙁 … sportlich zu sehen.

Mir fiel fast meine gute Laune aus dem Gesicht, als ich da zuhörte. Sogar meine oftmals ironische Ader, wurde sprachlos.

Das einzig Sportliche an der Aussage diesen Podcasts, ist wohl der Versuch, hier recht sportlich auf den lohnenden Zug Dualseelenliebe aufzuspringen. Das ist meine persönliche Meinung.

Die Dame meint, es handle sich hier um einen längeren Prozess, und sie selbst habe noch nie erlebt, dass dieser unter drei Jahren stattfinde, da die Prozesse sehr tiefgreifend seien … ÄHM … ÖHM … mehr fällt mir da gerade nicht ein.

Irgendwie ist wohl meine Schlagfertigkeit heute nicht sportlich genug.

Das tut schon fast körperlich weh, sich so etwas, von einem Dualseelenberater anzuhören.

Zum einen was hat Liebe mit Prozessen zu tun?

Nein, da kann man mir als Argument bringen, was man will.

Liebe ist kein Prozess.

Liebe ist nicht analytisch.

Liebe lässt sich nicht lenken und nicht kommandieren.

Liebe lässt sich nicht erlernen.

Und Liebe unterliegt keinem Zeitplan.

Sie ist von Anfang an da.

Was hier manche Menschen als Prozess bezeichnen, ist deren Wunsch und Drang, hin in die Beziehung zu diesem Menschen zu kommen. Aber auch der Wunsch, sich selbst und anderen zu bestätigen, dass man hier eine besondere Liebe gefunden habe.

Man hat ein ZIEL dessen Verfolgung einem Prozess unterworfen wird.

Und hier wird meist nur das eigene Wollen und Fühlen gesehen. Selten, äußerst selten wird das Gegenüber in diese Wünsche miteinbezogen. Man setzt voraus, dass jene/r genauso fühlen muss, wie man selbst und zwingt den anderen daher, in diesen ÄHM … vermeintlichen Dualseelenprozess einzusteigen.

Nun, wenn ich mich an den Rat der Dame halte, so biete ich meinem eventuell unwilligen Gegenüber ja nun zumindest eine sportliche Leistung an.

Man soll es ja sportlich sehen 😉

Hier mal einige wenige Definitionen zu dem Wort Prozess:

Was ist ein Prozess, eigentlich?

Unter einem Prozess versteht man eine wiederkehrende Folge von Tätigkeiten, die Eingaben mit Hilfe von Mitteln in Ergebnisse umwandeln (Wertschöpfung).

Oder anders gesagt, man muss es dem anderen nur oft genug wiederholen, dann glaubt er vielleicht irgendwann daran, deine Dualseele zu sein 🙁

Zumeist jedoch findet der Begriff Prozess seine Gewichtigkeit in der Geschäftswelt:

Auf der Suche nach dem Begriff Prozess in der Fachliteratur, finden sich eine Reihe unterschiedlicher Definitionen.

Zwei Aussagen zur Definition „Was ist ein Prozess?“ lassen sich jedoch herausfiltern:

  • Ein Prozess ist gleichbedeutend mit Ablauf
  • Ein Prozess ist eine Abfolge von Aktivitäten/Tätigkeiten

Ein Prozess ist eine sachlich logisch verbundene Folge von Aktivitäten, die,einen messbaren Nutzen bringen …

Einen Beitrag zur Erreichung der eigenen Ziele leisten …

Von den Beteiligten nach bestimmten Regeln durchgeführt werden um zu einem Ziel zu gelangen.

Aus folgender Quelle entnommen und leicht von mir, zum besseren Verständnis und zum Thema passend verändert, http://prozessmanagement.me/prozessmanagement/prozessverstaendnis/

So viel zum Dualseelenprozess.

Wer die Liebe so sehen möchte … nur zu. Jeder darf für sich selbst entscheiden.

Auch bei der Dame sprang mich ein weiterer Beitrag über ein Dualseelenthema an, bei dem sich mir die Nackenhaare kräuselten.

Und da gerade in diesem Beitrag so deutlich erkennbar ist, welche Blüten das Thema Dualseelen heutzutage treiben, möchte ich tiefer darauf eingehen.

Genau in solchen Texten lässt sich erkennen, was Seelenliebe NICHT IST!!!

Ich möchte diesen Beitrag hier nicht komplett weitergeben, jedoch sind mir zwei spezielle Aussagen, besonders sauer aufgestoßen und bescheren mir ein dumpfes Schamgefühl darüber, eine Frau zu sein und zu erkennen, wie maßlos fordernd doch meine weiblichen Artgenossinnen sein können.

Jedoch zeigen mir aber genau solche Aussagen, von sogenannten Experten/innen, wieso ich meinen eigenen Weg so sehr liebe und ihn auch konsequent gehe.

Aussage Eins, die mir deutlich haften blieb.

Nun ist dieser gesamte Dualseelenprozess unter anderem ja genau dafür da, damit unsere (schon vorher) verletzte Weiblichkeit heilt.

Soll unsere verletzte Weiblichkeit, innerhalb eines Dualseelenprozesses heilen?

NEIN!!! NICHT NUR!!!

Vom Mann und dessen verletzter Männlichkeit ist (im ganzen Beitrag übrigens) nicht ein einziges Wort zu lesen.

Es geht definitiv nur um die Weiblichkeit.

Der Mann und seine seelischen Bedürfnisse, werden in diesem Beitrag dermaßen missachtet und totgeschwiegen, dass Fremdschämen hier für mich zur Pflicht wird.

Und natürlich wird einmal wieder der berühmte Dualseelenprozess bemüht.

Die Aussage jedoch, dass die Weiblichkeit innerhalb dieses „Prozesses“ heilen sollen, zeigt eine sehr einseitige sowie extrem egoistische Sicht der Frau, auf diese Art der Liebe.

Wo darf die verletzte Männlichkeit ihre Heilung erfahren?

Wo darf der uralte Schmerz des Mannes seinen Platz innerhalb der Seelenliebe finden?

Es geht schlichtweg nur um die Frau innerhalb dieses „Prozesses“.

Keine Heilung beim Mann, auch keine gegenseitige Heilung von BEIDEN, ist erwähnt.

Wieso frage ich mich da, soll ein Mann das Bedürfnis verspüren, bei Frau zu bleiben, wenn nur deren Weiblichkeit und deren Verletztheit gesehen wird/werden soll. Wenn nur von der Heilung der Weiblichkeit die Rede ist und der Mann seine Männlichkeit und eigene Verletzbarkeit unterrücken und missachten soll.

Frau unterdrückt und missachtet dies ja in diesem Beitrag und mehrfach in den Kommentaren schon deutlich genug.

Zum Zweiten geht es in dem Beitrag, darum, die weibliche Würde zu wahren.

Genaugenommen findet sich all dies, in einem Beitrag darüber, ob Frau sich bei Mann melden soll oder nicht, wenn es sie danach verlangt.

Die Autorin spricht hier quasi der Frau, welche sich von sich aus beim Mann meldet, deren Würde ab, sofern sie sich zu oft bei ihrem Mann des Herzens meldet.

Schließlich liegt ja hier dir uralte Überzeugung zugrunde, dass es wohl Sache des Herrn sei, der Dame hinterherzuhecheln und sich bei ihr zu melden. Da es ja unter der Würde von Frau ist, dies zu tun.

O-Ton des Beitrages:

Wenn er von sich aus nichts oder nur wenig gibt und sich kaum meldet, und du dich aber immer wieder meldest, verletzt du dich selbst in deiner Würde als Frau.

Auch wenn ihr euch eher als Freunde oder Bekannte oder Kollegen begegnet, deine Gefühle für ihn sind die einer Frau für einen Mann. Und wenn du genau in dich hineinspürst, wirst du erkennen, dass es eigentlich umgekehrt sein müsste, nämlich, dass er sich um dich bemüht.

OK!!! Muss es das … umgekehrt sein?

Kann es nicht sein, dass hier jeder Mann seine eigene Intention hat, sich nicht zu oft zu melden? Diese Aussage schert doch wieder einmal alles über einen Kamm und hinterfragt  nicht, wieso eine Situation ist, wie diese nun einmal ist.

ÄHM … und was ist mit der Würde von Ihm, dem Mann?

Dieser Beitrag ist, auch ohne es direkt auszusprechen, so etwas von Männerverachtend, dass ich mich frage, was hat dies in einem Beitrag über Dualseelen zu suchen.

Frau spricht dem Mann hier schon das Recht auf die Heilung seiner männlichen Verletzungen ab, indem sie diese einfach totschweigt.

Ist denn eine Seelenliebe nicht genau davon getragen, dass beide sich Heilung schenken, dass beide sich herausfordern und jeder gibt und nimmt?

Und ja, dass manchmal einer eine Weile mehr gibt ohne dies gegenseitig aufzurechnen und als verlorene Würde zu sehen. Auch dies gehört zu einer Seelenliebe.

Dieser Beitrag bedient so manches uralte Klischee, aus dem sich doch gerade solche Frauen, so lange herauskämpfen wollten. Dieser Beitrag spricht dem Mann ab, sich in einer Seelenliebe Zuhause zu fühlen.

Ist es nicht so, dass Seelenliebe eine gesunde Balance entwickelt, um beiden Heilung und WÜRDE zu schenken?

Wenn er, der Mann, aber schon nicht heilen darf, soll er nun auch noch das letzte bisschen Würde abgeben, damit Frau ihre weibliche Würde auf einen Sockel stellen und ihr ausgiebig huldigen kann, indem es natürlich seine Aufgabe ist, Frau hinterherzutelefonieren/laufen.

Auch wenn Frau das Bedürfnis habe, sich zu melden, so geht es gegen ihre Würde, sich bei ihm zu melden!

Bei mir bauen sich da riesige Fragezeichen vor mir auf.

Es zeigt so schön, um was es NICHT geht.

Es geht bei der Seelenliebe nicht darum, dass man nur sich selbst sieht. Was anderes ist es hier eben nicht, als nur den Blick auf die Frau zu richten, auf deren Weiblichkeit, die heilen soll, auf deren Würde, die nicht leiden soll.

All dies wurde so locker unbedacht, und unsensibel dahingeschrieben, nur sich selbst im Focus, ohne auf die Würde des Mannes dabei zu achten.

Wie schrecklich ist diese Aussage denn?

Ja, was ist denn mit dem Mann in dieser Konstellation?

Dieser tut mir leid, unsagbar leid.

Frau stellt sich hier wie ein Prinzesschen in den Mittelpunkt und fordert und will haben, ohne irgendetwas zu Geben anzubieten.

Was genau gibt Frau in diesem Beitrag an den Mann?

NICHTS … denn sie fordert nur!!!

Ihre Heilung steht doch hier offensichtlich im Mittelpunkt.

Wo genau ist hier die Heilung des Mannes zu finden?

Nirgends, er ist nur Buhmann und wird würdelos dargestellt. Es wird ihm hier ohne viele Worte eine frauenverachtende Rolle aufgedrängt.

Es wird ihm ohne ihn zu direkt anzusprechen, seine männliche Würde und sein Anspruch auf eigenen Schmerz und Heilung abgesprochen.

Die Kommentare unter diesem Beitrag sind genauso verachtend dem Mann gegenüber. Da sie Beifall klatschen wo Hinterfragen und Korrigieren angebracht wäre.

Egoistisch, launenhaft, selbst bezogen und Männerverachtend, so zeigen euch solche Texte im Außen, geschrieben von einer Frau. Liebe Frauen, dies ist nicht das Bild, welches Mann von euch haben möchte. Aber es ist das Bild, welches solche Texte von Frauen über und an Frauen, dem Mann vermitteln.

Und dann wundert sich Frau, dass Mann sie behandelt, wie sie selbst es ihm so offensichtlich zuspricht, und dass ein Mann sie nicht sieht, wie sie in Ihrem tiefsten Inneren gesehen werden will.

Es ist die Sichtweise, welche Frauen ihm nach Jahrhunderten heute noch immer auferlegen, mit welcher er euch durch solche Texte sehen lernt.

Ja, mein Beitrag hier, geschrieben von einer Frau, ist sehr wohl kritisch gemeint, und ja, er soll auch angreifen, denn nur da wo gerüttelt wird, zeigt sich, wo sich ein Blick hinter die Fassaden lohnt. Und meist ist es doch auch so, dass nur die Fassaden, an denen man kräftig rüttelt, einen Blick zwischen die Fugen erlauben um dann zu Hinterfragen.

Nur da wo man (auch mal kritisch) hinterfragt, kann man seine eigene Wahrheit finden.

Genau da wo manch eine/r sich kritisch äußert, schaut ein/e andere/r vielleicht genauer hin.

© Erika Flickinger