Vereinbarkeit anders gedacht

Erstellt am 4. Juni 2015 von Suse

Seit meine große Tochter geboren ist, arbeite ich überwiegend im Homeoffice und bin im Großen und Ganzen zufrieden.

Jeder, der schon einmal noch schnell eine wichtige Aufgabe am Computer erledigen wollte und dabei ein Baby oder Kleinkind auf dem Arm hatte weiß was das bedeutet: Je nach Mobilität des Kindes fällt einem entweder der Arm vom Wiegen des Säuglings ab oder man tippt mit einer Hand und die andere Hand versucht eingriffe durch Patschehände in das Computergeschehen zu verhindern. Am Ende sind wir beide genervt: Ich, weil ich mich nicht hunderprozentig meiner Arbeit widmen kann, um sie schnell zu erledigen. Und das Kind sowieso, weil es nicht meine volle Aufmerksamkeit genießt.

Gewünscht hätte ich mir eine Möglichkeit, meine unter Dreijährigen quasi neben dem Schreibtisch gut betreut zu wissen. Aber auch immer im Kontakt mit meinem Kind zu sein. Da zu sein, wenn es mich braucht. Gerade in der Kleinkindphase, wenn sprachliche Kommunikation noch schwierig ist.

Meine Jüngste ist jetzt vier und liebt ihren Kindergarten und ich kann in Ruhe für ein paar Stunden arbeiten in der Gewißheit, daß sie sich wohlfühlt und dort abgeholt wird, wo sie gerade steht.

In Berlin (ich kann es nur immer wieder wiederholen: in Berlin geht was!) fand eine Gruppe Eltern um Sandra Runge die Zeit gekommen Vereinbarkeit und Betreuung neu zu denken. Statt sich zu beklagen, brachten sie Anfang 2014 Coworking Toddler auf den Weg. Aus Zeitmangel konnte die Idee nicht weiter umgesetzt werden und Sandra holte ihren Mann Marc mit ins Boot.

Foto: Malina Eber

Ich wollte wissen, was genau es mit der Idee auf sich hat und habe Sandra gelöchert:

Für wen ist Coworking Toddler geeignet?

Für Kinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren sowie deren Eltern. Die können Selbständige sein, aber auch Angestellte. Coworking Toddler ist für alle Eltern geeignet, die möchten, dass ihre Kinder bedürfnis- und bindungsorientiert betreut werden und die Arbeit und Familienleben besser miteinander verbinden möchten – hier sparen sie Wege und damit Zeit, sie können den ganzen Tag lang in der Nähe ihrer Kinder sein und das bedeutet weniger Stress und Abschiede für alle.

Aus dem Homeoffice weiß ich, dass man manchmal sehr unproduktiv ist, wenn ständig ein Kind ins Büro kommt und etwas will. Wie läuft es bei Euch?

Das kennen wir auch aus eigener Erfahrung und deshalb wird es bei Coworking Toddler einige Rahmenbedingungen geben: Kinder und Eltern haben jeweils ihren eigenen Bereich. Im Gemeinschaftsbereich können sie sich bei Bedarf und zum Beispiel zum Mittagessen treffen.

Folgt die Kinderbetreuung einem bestimmten Konzept?

Ja, die Pädagogin Susanne Mierau, Autorin des Blogs www.geborgen-wachsen.de, hat das pädagogische Konzept entworfen, das Grundlage der Arbeit der Erzieher und Erzieherinnen bei Coworking Toddler sein wird.

Ist das ein spontaner Arbeitsplatz oder wird er längerfristig gebucht (wegen des Kontaktes zu den Betreuungspersonen)?

Das Wohl der Kinder steht bei uns immer im Vordergrund, deshalb wird eine längerfristige Betreuung im Fokus stehen. Aber wir werden auch flexible Plätze anbieten, um jedem Bedarf gerecht zu werden.

Wie reagieren Chefs bisher auf die Idee, den Coworking Space für ihre Mitarbeiter zu bezahlen?

Wir haben dazu sehr positive Rückmeldung bekommen, denn für die Arbeitgeber ist es gut zu wissen, dass ihre Mitarbeiter konzentriert arbeiten können. Außerdem werden die Eltern, die dieses Angebot nutzen dürfen, sicher besonders motiviert sein und letztlich sind alle, die nah bei ihren Kindern arbeiten können, zufriedener, entspannter und damit auch wieder produktiver.

Wie geht es jetzt weiter?

Um den ersten Standort in Berlin zu eröffnen, brauchen wir noch finanzielle Unterstützung, insbesondere für den Umbau und die Ausstattung der Räumlichkeiten für die Kinder. Wir würden uns daher freuen, wenn ihr Teil unserer Crowdfunding-Kampagne werdet, die noch bis zum 14. Juni unter www.startnext.com/coworkingtoddler läuft. Für die Spenden gibt es tolle Dankeschöns, gleichzeitig zeigt jeder Unterstützer mit seiner Spende: Es ist an der Zeit die Kinderbetreuung neu zu denken und an den Bedürfnissen der Eltern und Kinder auszurichten.

Hier geht es zur Crowdfunding-Kampagne:


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