Vectoring - Eine genaue Analyse

kabelverzweiger-kvz-foto-telekomNachdem mir durch meinen letzten Artikel zum Thema Vectoring (hier) Unwissenheit und dummes Gelaber vorgewurfen wurde, habe ich mich mit dem Thema grundlegend beschäftigt.

In meinem letzten Artikel dazu band ich ein Bild der Telekom ein und fasste den Blogpost der Telekom zusammen - eigentlich kein Verbrechen. Allerdings musste ich mir dann anhören, dass mein Artikel völliger Schwachsinn sei und der Realität nicht entspräche.

Zuerst galt es herauszufinden, wer sich für die Erforschung vom Vectoring verantwortlich zählt - schnell stieß ich auf die Alcatel-Lucent Corporation. Und man hatte ich ein Glück, denn die "Kollegen" haben sogar ein Video zur Technik veröffentlicht, das mir direkt die ersten wichtigen Informationen liefert.

Im Video erfahren wir, dass es darum geht das Übersprechen der einzelnen Frequenzen zu verhindern. Der Unterschied zwischen einem Glasfaserkabel und einem Kupferkabel ist, außer des Materials, die Abschirmung beim Glasfaserkabel, während die einzelnen Kupferadern unabgeschirmt in einem Strang gebündelt sind. Durch diese unabgeschirmten Adern kommt es eben zu dem sogenannten Übersprechen, das die anderen Leitungen stört und somit nicht das volle Frequenzspektrum genutzt werden kann.

Vectoring, eher als VDSL 2 Vectoring bezeichnet, soll ermöglichen in den Ballungsgebieten schneller auszubauen, um wieder Anschluss an die Kabelnetz-Betreiber zu finden - denn die können schon etwas länger Geschwindigkeiten im 100 Mbit/s-Bereich.

Beim Vectoring geht es also nicht darum, den Übergang von der Vermittlungsstelle zum Kabelverzweiger zu entstören, sondern die letzte Meile, die zum Kunden führt, zu entstören.

Wie bei jeder neuen Technik gibt es allerdings Probleme, denn mit dem Telekom-Entwurf widerspricht die Technik dem hierzulande verfolgten Regulierungsgedanken der entbündelten Teilnehmeranschlussleitung, der anderen Providern erlaubt die nackten Kupferadern von der Telekom zu mieten. Um Vectoring richtig einzusetzen müssen die Adernpaare koodiniert bearbeitet werden, also brauch die Telekom den ganzen Kabelbündel des Kabelverzweigers.

Genau vor diesem Hintergrund hat die Telekom im letzten Jahr angekündigt, dass sie Vectoring für ihre Kunden exklsuiv auf der letzten Meile verwenden möchte - entsprechend groß war der Aufschrei der Konkurrenz, die auf die letzte Meile der Telekom angewiesen sind.

Um einem Rechtsstreit zu entgehen reichte die Telekom daher einen Kompromissantrag bei der Bundesnetzagentur ein, der die Anbieter dazu verpflichtet komplette Pakete mit Vectoring den anderen Betreibern zur Verfügung zu stellen. Dann wäre also nicht mehr die TAL (auch als KVZ-TAL bezeichnet) das Vorleistungsprodukt, sondern der sogenannte Bitstrom-Zugang.

"Leitgedanke der Entscheidung ist, Vectoring für alle Marktakteure zu ermöglichen und so den Breitbandausbau im Wettbewerb voranzutreiben", erklärte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) betonte: "Die Bundesnetzagentur hat sich in ihrem Entwurf große Mühe gegeben, Regelungen zu schaffen, die sowohl für die Telekom als auch für die Wettbewerber die Möglichkeiten offenhalten, in den Breitbandausbau zu investieren. Kritisch sehen wir allerdings, dass nicht klar ist, welche Sanktionen es geben soll, wenn die Telekom eine Vectotelring-Aufrüstung in einem Gebiet ankündigt, dadurch den Ausbau durch einen anderen Anbieter verhindert, dann aber den Ausbau unterlässt. Am Schluss darf der Bürger nicht der Dumme sein. Daher brauchen wir hier klare Regeln", sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

"Allerdings gibt uns der Entwurf der Behörde keine endgültige Rechtssicherheit. Wesentliche Regelungen stehen unter dem Vorbehalt eines bestimmten Vorleistungsangebotes (Bitstrom-Anschluss). Dieses Angebot muss in einem weiteren zeitaufwändigen und bürokratischen Verwaltungsverfahren bei der Bundesnetzagentur festgelegt werden. Zudem macht es uns der Entwurf deutlich schwerer, im ländlichen Raum zu investieren. Das Problem: Wo es keine zweite Infrastruktur gibt – beispielsweise durch einen Kabelnetzbetreiber – soll es für die Telekom fast unmöglich sein, Wettbewerbern, die einzelne Kabelverzweiger erschlossen haben, zu kündigen, um ein Ortsnetz auszubauen. In diesen Gebieten werden die Wettbewerber gefordert sein, ihren Worten  Taten folgen zu lassen und tatsächlich auf dem Land mehr zu investieren", so Telekom-Sprecher Philipp Blank.

Wir dürfen also gespannt bleiben, zu welchem endgültigen Entschluss es nun kommen wird. Wir werden euch darüber selbstverständlich weiterhin auf dem Laufenden halten.



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