Vaterkind und Muttersorgen oder: Papa ist der Beste und Mama traurig


Meine Maus ist verliebt - und mein Mutterherz vor Neid schon ganz grün. Der Auserwählte? Der Herr Papa! Ohne ihn läuft beim Töchterlein seit kurzem gar nichts mehr.
Kaum betritt er den Raum, wird er laut jubelnd empfangen, als wäre es gerade von einer mehrmonatigen Marsmission zurück gekommen. Geht er aus dem Haus, folgen herzzerreißende Weinattacken. Ich dagegen kann so lange die Haustür laut ins Schloss fallen lassen und mein Weggehen vortäuschen (habe ich tatsächlich ausprobiert), wie ich will. Mausi zeigt keine Reaktion (vielleicht glaubt sie mir aber auch einfach nicht.) Will ich sie auf den Arm nehmen, schreit sie panisch und streckt sofort ihre kleinen Speckärmchen nach ihrem Vater aus. Ist Papa in greifbarer Nähe, werde ich mit Missachtung gestraft. Mit ihm spielt, tobt und kuschelt es sich anscheinend einfach besser.
Wenn es aber darum geht, meine Tochter  stundenlang mit dem Kinderwagen durch den grauen norddeutschen Winter zu schieben, schmierige Spinatspuren aus ihrem kleinen Gesichtchen zu waschen oder jeden Abend bis zur Heiserkeit Gute-Nacht-Lieder zu singen, bin ich gut genug.  Klar, Papa arbeitet ja auch die meiste Zeit. Als Restaurantbesitzer sogar zu den unmöglichsten Zeiten. Auch nachts bin meistens ich diejenige, die der Kleinen beruhigend den Rücken tätschelt, sollten sie Alpträume plagen.

Alltag vs. Cluburlaub

Ich bin der graue Alltag, Papa der Cluburlaub, ich die Arbeit, er das Vergnügen. Ich bin immer da, ständig verfügbar, Vaters Anwesenheit ein Event. Das sieht der Münchner Entwicklungspsychologe Heinz Kinder, auf den ich bei meiner Internetrecherche zum Thema gestoßen bin, ähnlich: "Im zweiten Lebensjahr werden Väter hochattraktiv für ihre Kinder. Das liegt an ihrer Art zu spielen und daran, dass ihre Zeit meist rarer ist und ihre Gegenwart deshalb kostbarer scheint. Geht es aber um Schutz oder Ruhe, ist schnell wieder die Mutter gefragt." (http://www.eltern.de/baby/9-12-monate/papa-baby.html)
Ich finde das unfair. Auch mit mir kann man Spaß haben. Ich kann mindestens genauso wild toben, genau so hoch Flugzeug fliegen spielen, genauso schnell um die Wette krabbeln. Warum gibt mein Töchterchen dennoch ihrem Papa zurzeit den Vorzug?
Ein weiterer Grund, den ich im Netz ausgegraben habe, nennt sich Loslösungsphase. "Es geht nicht ohne Loslösung, denn immer und ewig in der engen dyadischen Bindung mit der Mutter zu verhaften, lässt kein autonomes Leben zu",  schreibt Kinderarzt Dr. Rüdiger Posth im Expertenforum bei www.rund-ums-baby-de (http://www.rund-ums-baby.de/entwicklung/Losloesungsphase-Papaphase-ein-Muss_51107.htm).
Klingt logisch, macht die Phase aber nicht weniger schmerzvoll für die Mutter. Besonders wenn man wie ich nach dem allerersten kindfreien Wochenende überglücklich sein Baby in die Arme schließen will, dieses aber lautark zu kreischen anfängt und nach Papa verlangt. Da fragt man sich dann natürlich, ob das mit den 48 Stunden Erholung wirklich so eine gute Ideen waren oder ob die Krippeneingewöhnung nicht doch ein frühkindliches Trauma verursacht hat.
Was sind Eure Erfahrungen zu diesem Thema. Wie losgelöst seid Ihr und Eure Kinder schon voneinander? Freue mich über Kommentare.

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